Einkaufszentren in Lichtenberg: Leerstand mit Folgen

Die Fassade des „Centers Am Tierpark“ in Friedrichsfelde macht derzeit einen verwahrlosten Eindruck. Foto: Marcel Gäding
Die Fassade des „Centers Am Tierpark“ in Friedrichsfelde macht derzeit einen verwahrlosten Eindruck. Foto: Marcel Gäding

Es steht nicht gut um viele der zwölf Lichtenberger Einkaufszentren. Leerstand prägt das Bild an zahlreichen Standorten. Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Kevin Hönicke (SPD) will dem Sterben der Center nicht tatenlos zusehen – und hat Ideen. Von Marcel Gäding.

Vor ein paar Jahren noch waren die beiden Etagen im „Center Am Tierpark“ um diese Jahreszeit bunt geschmückt: Überall standen Blumenkübel, bunt bepflanzt mit Frühblühern. An den Decken hing Osterdeko.

In diesem Jahr bietet sich jedoch ein anderes Bild – und ein wenig Endzeitstimmung. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, Rolltreppen schon lange nicht mehr in Betrieb. Gerade erst hat ein großer Markendiscounter den Verkauf eingestellt. Durch die Gänge pfeift der Wind. Hier und da sind Spuren von Graffiti zu sehen. Die einzigen, die sich hier noch wohlfühlen, sind Spatzen und Tauben. Die Vögel verirren sich immer wieder auf einer der Etagen.

Gut 50 Fachgeschäfte, betrieben von Einzelhändlern und größeren Ketten, gab es einst in dem Einkaufszentrum. Es befindet sich nur wenige Hundert Meter entfernt vom Tierpark Berlin. Das „Center Am Tierpark“ wurde Ende 1997 als modernes Center eröffnet und war lange Zeit vor allem im Friedrichsfelder Kiez eine beliebte Einkaufsadresse. Doch im Laufe der Jahre wechselten immer wieder die Ladeninhaber, wurde umgebaut, neu strukturiert. Unzählige Center-Betreiber und Eigentümer kamen und gingen. Genützt hat das offenbar nichts. Nur noch einige wenige Gewerbetreibende halten im Tierpark-Center die Stellung. Darunter sind ein Döner-Imbiss, ein Drogeriemarkt und ein Zeitungskiosk. Zwischenzeitlich war sogar die Rede davon, dass Teile des Centers abgerissen werden.

So weit wird es nach derzeitigem Stand nicht kommen, wie Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Kevin Hönicke (SPD) auf Nachfrage dem Bezirks-Journal erzählt. Denn er hat schon einige Visionen, wie es mit dem „Center Am Tierpark“ weitergehen könnte. Unter anderem soll das Bürgeramt 3 weiter im Einkaufszentrum bleiben, vermutlich aber innerhalb des Gebäudes seinen Standort wechseln. Zudem ist daran gedacht, im Center eine Kita einzurichten. Hönicke zufolge gibt es seitens der Betreiber auch die Idee, Platz für sogenannte Co-Working-Spaces zu schaffen. Das sind kleine, temporäre Arbeitsplätze für Kreative, Startups und Einzelunternehmen. Darüber hinaus könnten weitere Flächen für Dienstleister aus dem medizinischen Bereich erschlossen werden.

Es steht nicht gut um die zwölf Einkaufszentren im Bezirk. Überall stehen Geschäfte leer. Ein Grund dafür ist der zunehmende Onlinehandel. Dass immer mehr Läden schließen müssen, werde nun durch die Corona-Pandemie zusätzlich beschleunigt, sagt Hönicke. Er verantwortet neben dem Ressort Stadtentwicklung auch den Bereich Wirtschaft und hat beobachtet, dass eigentlich nur noch Drogeriemärkte und Nahversorger eine Zukunft haben. Um die kleinen Einzelhändler aber steht es schlecht. Und auch die großen Anbieter etwa im Elektronikbereich denken darüber nach, sich Stück für Stück aus dem stationären Einzelhandel zurückzuziehen.

„Wir müssen uns bemühen, die Center zu beleben“, sagt Kevin Hönicke. Seit geraumer Zeit ist er im Gespräch mit den Betreibern der Lichtenberger Einkaufszentren – und die Resonanz auf sein Interesse ist dort groß. Einer der Auslöser für die Initiative des Bezirksstadtrats war die Schließung der Galeria Karstadt-Kaufhof-Filiale im Linden-Center im Herbst 2020. Mit dem Auszug eines der größten Mieter wurde plötzlich viel Platz frei in dem Einkaufszentrum in Neu-Hohenschönhausen. Wie es dort nun weitergeht, ist unklar. Center-Manager Michael Dittrich ließ eine Anfrage des Bezirks-Journals offen.

Wichtige Impulse will hingegen Bezirksstadtrat Hönicke liefern – und plant für den 21. April einen „Lichtenberger Center-Gipfel“. Er möchte sich im Rahmen dieser Veranstaltung einen Überblick darüber verschaffen, wie es um die einzelnen Lichtenberger Einkaufszentren bestellt ist. Hönicke geht davon aus, dass sich die Center von Einkaufstempeln hin zu Kiez-Centern entwickeln – mit sozialen und medizinischen Angeboten. Dadurch könnte die Besucherfrequenz für die verbliebenen Händler erhöht werden, glaubt, Kevin Hönicke. Eine wichtige Rolle könnte so auf das Bezirksamt zukommen, das seit Jahren immer wieder Flächen unter anderem für Kindertagesstätten benötigt. „Wir bauen für viel Geld neu, dabei gibt es Platz in den Centern“, gibt Hönicke zu bedenken. Die Verwaltung muss seiner Meinung nach Signale setzen – etwa im Linden-Center. Dort befindet sich seit der Eröffnung im Jahr 1995 die bezirkliche Anna-Seghers-Bibliothek. Seit einiger Zeit gibt es Pläne, dass die Einrichtung in ein bezirkseigenes Kulturzentrum zieht, das in der Wartenberger Straße geplant ist. Auf einen Schlag würde das Linden-Center einen weiteren wichtigen Mieter verlieren. „Solche Entscheidungen müssen wir gut diskutieren“, sagt Hönicke.