Ein Denkmal für das Sandmännchen in Mahlsdorf

„Das Sandmännchen“ soll noch in diesem Herbst ein Denkmal bekommen – Initiator Michael Wiedemann will es im November einweihen.

Als er das erste Mal das Sandmännchen im Fernsehen sah, war Michael Wiedemann drei Jahre alt. „Das war immer das gleiche Ritual: Abendessen, Zähneputzen – und um 18.50 Uhr vor dem Schlafengehen der Abendgruß vom Sandmännchen“, erinnert sich der 66-Jährige. Und wie Wiedemann dürfte es Millionen von Menschen gegangen sein, nicht nur in der Sandmännchen-Heimat diesseits der Elbe, sondern auch in den sogenannten alten Bundesländern. „Das Sandmännchen kennt jeder“, sagt Wiedemann, der seit 1993 in Mahlsdorf wohnt. Bis heute begeistert die Figur Kinder auf der ganzen Welt, „sogar in Australien, den USA und Argentinien“.

Wiedemann und seine Frau Elke wollen dem berühmtesten Marzahn-Hellersdorfer nun ein Denkmal setzen. Denn das Sandmännchen ist genau genommen ein waschechter Mahlsdorfer. Im Süden des Ortsteils wurden seit 1959 die Folgen für das DDR-Fernsehen produziert – zunächst in der frühere Gaststätte „Kiekemal“ an der Golzower Straße, später im einstigen Kino Lichtburg, das jedoch im Jahr 2000 Platz für einen Lebensmitteldiscounter machen musste. Mehr als 2.000 Folgen des Sandmännchens wurden bis zur Wende in den Trickfilmstudios produziert. Der Schöpfer der drolligen Figur ist Gerhard Behrendt (1929-2006), der in der Akazienallee wohnte und den Wiedemann noch selbst kennenlernen durfte. Ihn wundert sehr, dass es bis heute keinen Ort in Mahlsdorf gibt, der an das Sandmännchen erinnert. Und so starteten Elke und Michael Wiedemann vor einigen Monaten gemeinsam mit dem Verein Lyra e.V. eine Aktion, um der berühmtesten Figur des DDR-Kinderfernsehens eine späte Ehre zu erweisen. Geplant ist eine 1,20 Meter hohe Skulptur auf einen 30 Zentimeter hohen Sockel zu stellen – am liebsten auf dem Ullrichplatz unweit vom Wohnhaus der Familie Behrendt. Der aus dem uckermärkischen Prenzlau stammende Künstler Claus Lindner hat bereits eine Miniatur von dem künftigen Denkmal gegossen, mit der Wiedemann nun wie eine Art Wanderprediger unterwegs ist. Sein Ziel: Er will einen Teil des insgesamt rund 35.000 Euro teuren Kunstwerks über Spenden finanzieren. In vielen Mahlsdorfer Geschäften durfte Wiedemann Spendendosen aufstellen, außerdem bittet er über Plakate um Unterstützung. Mittlerweile ist bereits eine Summe von 11.500 Euro zusammengekommen, sagt Wiedemann. „Ich möchte den Leuten ein kleines Stück Identität zurückgeben“, erklärt der Kunstsammler. „Den kleinen Mann kennt jeder, und das Denkmal ist inzwischen für mich eine Lebensaufgabe, die ich verwirklichen will.“

Michael Wiedemann mit dem Denkmal in Miniatur-Form. Er will das Original unbedingt noch diesen Herbst einweihen. Foto: Marcel Gäding
Michael Wiedemann mit dem Denkmal in Miniatur-Form. Er will das Original unbedingt noch diesen Herbst einweihen. Foto: Marcel Gäding

Allerdings vermisst Wiedemann das Engagement des Bezirks. Zwar beschäftigen sich die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) derzeit mit zwei Anträgen der CDU-Fraktion, in denen es darum geht, Wiedemann bei der Standortsuche sowie der Finanzierung zu unterstützen. Doch das Prozedere zieht sich hin. „Vom Bezirk werden mir Steine in den Weg gelegt, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Wiedemann. „Ich dachte, das Projekt wird eine gemeinsame Sache.“ Denkmalinitiator Wiedemann will aber nicht mehr warten, „und daher ziehe ich das Ding selber durch“. Denn die Zeit drängt: Schon am 22. November 2022, dem 63. Jahrestag der ersten Sandmann-Sendung, will er im Beisein von Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey das Denkmal einweihen.

Johannes Martin, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der BVV, ist froh, dass es zumindest schon eine Mehrheit für das Thema generell gibt. Er fordert das Bezirksamt auf, sich zu positionieren und sich an der Finanzierung des Sandmännchen-Denkmals zu beteiligen. „10.000 Euro wären sicherlich nicht unmöglich“, sagt Martin. „Der Bezirk sollte seinen eigenen Beitrag leisten!“

Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD) ist über die Kritik Wiedemanns etwas verwundert. Von dessen Seite habe es keine offizielle Anfrage mit der Bitte um finanzielle Unterstützung gegeben. Der Haushalt für die Jahre 2022 und 2023 sei beschlossen. „Wenn wir Geld für zusätzliche Projekte ausgeben wollen, müssen wir es an anderer Stelle wegnehmen.“ Hinzu kommt, dass die Bedarfe auch in anderen Bereichen groß seien. Damit Lemm nicht missverstanden wird, schiebt er hinterher: „Das ist ein unterstützenswertes Projekt, das Identität schafft.“ Doch gebe es noch zu viele unbeantwortete Fragen. „Herr Wiedemann muss konkreter werden.“ Marcel Gäding

„Ein Denkmal für unser Sandmännchen“: Spenden erbeten

Für das Bronzedenkmal sowie eine Gedenktafel werden 35.000 Euro benötigt. Spenden können auf das Konto DE28 4306 0967 1091 3639 01 unter dem Verwendungszweck „Ein Denkmal für unser Sandmännchen“ beim Lyra Marzahn e.V. eingezahlt werden. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.sandmann.wirgemeinsam.de