Dringend gesucht: ein/e Müller/in für die Marzahner Mühle

Die Marzahner Mühle ist das Wahrzeichen von Marzahn-Hellersdorf. Sie ist ein Nachbau jener Bockwindmühlen, die es über einige Jahrhunderte in der Region gab. Foto: Marcel Gäding
Die Marzahner Mühle ist das Wahrzeichen von Marzahn-Hellersdorf. Sie ist ein Nachbau jener Bockwindmühlen, die es über einige Jahrhunderte in der Region gab. Foto: Marcel Gäding

Nach zwei gescheiterten Anläufen soll es nun beim dritten Mal klappen. Der Verein AGRARBÖRSE Deutschland Ost e.V. sucht für die Marzahner Bockwindmühle eine Müllerin beziehungsweise einen Müller. Von Marcel Gäding.

Die Räder der Bockwindmühle von Marzahn stehen seit Ende vergangenen Jahres still, Getreide wurde schon lange nicht mehr gemahlen. Es fehlt schlichtweg an Personal, das Wahrzeichen von Marzahn-Hellersdorf am Rande von Alt-Marzahn zu betreiben. Erst kündigte im vergangenen Jahr der neue Müller. Und auch seine Nachfolgerin in spe machte aus privaten Gründen einen Rückzieher noch vor ihrem ersten Arbeitstag. Derzeit sieht es so aus, als könnte sich die Besetzung der vakanten Stelle noch Wochen, wenn nicht sogar Monate hinziehen.

Jahrelang lief es eigentlich rund in der Mühle, in der nicht nur Getreide nach alter Handwerkstradition gemahlen wird, sondern wo auch geheiratet werden kann oder Führungen für Kinder und Jugendliche stattfinden. Doch dann berichtete eine Wochenzeitung darüber, dass sich der langjährige Müller an einem Praktikanten des nahegelegenen Tierhofs vergangen haben soll, dies sogar einräumte. Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, bis dahin Arbeitgeber des Müllers, löste den Vertrag auf, der Müller musste seine nahegelegene Dienstwohnung am Marzahner Dorfanger räumen. Der Bezirk übertrug das Projekt schließlich an den Verein AGRARBÖRSE Deutschland Ost, der sich auch gleich auf die Suche nach einem Nachfolger machte. Der war schließlich schnell gefunden, doch genauso schnell wieder weg. Ein zweiter Anlauf, die Stelle zu besetzen, scheiterte ebenfalls. Nun aber soll es beim dritten Versuch klappen.

Andreas Plank ist der Geschäftsführer des Vereins AGRARBÖRSE Deutschland Ost, der allein in Marzahn und Hellersdorf zwölf Projekte betreibt. Das KulturGut ist darunter oder der Tierhof am Fuße der Mühle, seit gut einem Jahr aber auch die Mühle, die 1994 nach historischem Vorbild in Alt-Marzahn aufgebaut wurde. Zwölf Bewerbungen liegen bislang auf dem Tisch von Plank – allerdings kann er davon keine gebrauchen. Denn meist handelt es sich um Männer oder Frauen, die entweder viel zu hohe Gehaltsvorstellungen haben oder die schlichtweg nicht ins Stellenprofil passen.

Denn gesucht wird eine Müllerin oder ein Müller mit vielen Talenten. „Die Aufgaben sind vielschichtig. Wir suchen nicht nur eine Müllerin oder einen Müller, sondern auch Menschen, die es verstehen, in der Öffentlichkeit stehen, Führungen für Kinder und Erwachsene zu übernehmen und die über handwerkliches Geschick verfügen“, sagt Andreas Plank. „Die Mühle ist ein komplexes Holzbauwerk, da gibt es immer etwas zu tun.“ Daher wäre er froh, wenn sich Bewerberinnen oder Bewerber finden, die eine Ausbildung im Holzhandwerk nachweisen können. „Das Müllerhandwerk kann der oder die Bewerber/in dann mit Hilfe des Mühlenvereins beispielsweise in der Britzer Mühle erlernen.“ Von der künftigen Müllerin oder dem künftigen Müller wird zudem erwartet, dass wieder Getreide gemahlen wird und die Mühle entsprechend bewegt wird. Denn das Bauwerk lässt sich so drehen, dass der für das Mahlen benötigte Wind optimal ausgenutzt werden kann. Allerdings sollten Bewerber nicht allzu hohe Erwartungen an das Gehalt haben. Um die 2.600 Euro brutto beträgt die Facharbeitervergütung im Monat. „Wenn sich jemand bewirbt, braucht er oder sie eine Leidenschaft für das alte Handwerk – und die kann er bei uns ausleben“, sagt Plank. Er versprich „eine Spielwiese, wo er oder sie sich einbringen kann“. Allerdings sollten Bewerber auch keine Scheu davor haben, in der Öffentlichkeit zu stehen. Denn die Müllerin oder der Müller sind auch bei öffentlichen Auftritten gefragt.

Wer sich den Job zutraut, kann sich direkt bei Andreas Plank unter plank@agrar-boerse-ev.de oder telefonisch unter 030 53608526 melden.

Die Marzahner Mühle: noch ganz jung

Die Marzahner Bockwindmühle entstand zwischen November 1993 und Mai 1994. Seit 1997 ist sie an das Stromnetz angeschlossen, weshalb auch ohne Wind gemahlen werden kann. Seit 2010 finden in der Mühle auch Hochzeiten statt.

Die Flügel haben einen Durchmesser von 20,5 Meter, die Mühle selbst wiegt 45 Tonnen. Pro Tag können theoretisch 1.000 Kilogramm Weizenmehl produziert werden.

Weitere Informationen im Netz beim Marzahner Mühlenverein.