Der Bezirk macht den Baggersee dicht

Der Biesdorfer Baggersee ist eigentlich ein Regenrückhaltebecken. Foto: Marcel Gäding
Der Biesdorfer Baggersee ist eigentlich ein Regenrückhaltebecken. Foto: Marcel Gäding

Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf will den Zugang zum Biesdorfer Baggersee „unattraktiver“ gestalten und reagiert damit auf Beschwerden von Anwohnern. Von Marcel Gäding.

Die Liegewiese ist verwaist, ein paar Enten drehen ihre Runden – hin und wieder sind Spaziergänger zu sehen: winterliche Ruhe am Biesdorfer Baggersee. Und wenn es nach dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf geht, wird das auch so bleiben. Das bezirkliche Straßen- und Grünflächenamt will den Zugang zum Uferbereich erschweren und hofft, damit das Badeverbot in dem Regenrückhaltebecken besser durchsetzen zu können. „Die Zugangsmöglichkeiten werden unattraktiver gemacht“, sagt die für Straßen und Grünflächen zuständige Bezirksstadträtin Nadja Zivcovic (CDU).

Noch sehr präsent sind die Bilder vom Sommer 2020: Damals gab es regelrechte Völkerwanderungen zu dem künstlichen Gewässer, das sich an der Debenzer Straße, der Brachfelder Straße und dem Gladauer Weg befindet. Viele Berlinerinnen und Berliner hatten den Baggersee genutzt, um sich an den heißen Tagen zu erfrischen oder sich am Ufer zu sonnen. Verhehlen konnte man den Erholungssuchenden dies nicht: Nach wie vor besitzt der Bezirk Marzahn-Hellersdorf kein eigenes Freibad. Und die umliegenden Freibäder ließen vergangenes Jahr wegen der Corona-Pandemie nur wenige Besucher hinein. Das führte dazu, dass die ruhige Siedlung um den Baggersee zugeparkt wurde, sich der Müll häufte und ein Badegast ertrank, weil es zum Zeitpunkt der Tragödie keine Rettungsschwimmer gab. „In dieser Zeit erhielten wir verstärkt Post von Anliegern, die den Zustand am Baggersee beklagten“, sagt Bezirksstadträtin Nadja Zivcovic. Einige der Schreiben enthielten konstruktive Vorschläge, die nun von der Verwaltung umgesetzt werden.

Nun ist es mitnichten so, dass die Bezirksverwaltung aus reinem Aktionismus reagiert. Sie führt vielmehr etliche Gründe an, warum das Baden im Biesdorfer Baggersee problematisch ist. So wird das Gewässer ausschließlich mit Regenwasser gespeist. Das ist auch der eigentliche Zweck, denn der Baggersee ist ein sogenanntes Regenrückhaltebecken. Untersuchungen ergaben, dass die Qualität des Wassers nicht ausreicht, um dort bedenkenlos Baden gehen zu können. „Gleichwohl entsteht durch die bauliche Ausgestaltung (zwei Sandstrände, eine Liegewiese, ein Beachvolleyballfeld, ein Imbissstand und bis vor Kurzem ein fest installiertes Toilettenhäuschen) der Eindruck eines Badesees“, räumt Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD) von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Iris Spranger (SPD) ein. „Vor allem die frei zugänglichen Sandstrände werden fehlinterpretiert und vornehmlich in den Sommermonaten als Badestellen genutzt.“

Den Bezirk stellt das vor große Herausforderungen. Denn gerade in den Sommermonaten landet in den Grünflächen rund um den Biesdorfer Baggersee viel Müll. Zudem muss das bezirkliche Ordnungsamt regelmäßig vor Ort sein – unter anderem wegen falsch parkender Autos. „Zu dieser Situation gab es ein Gespräch zwischen dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf und der Polizei Berlin. Im Ergebnis kommt eine Nutzung des Biesdorfer Baggersees als Badesee auch zukünftig nicht in Betracht“, erklärt Smentek. „Durch das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf wurde als langfristiges Ziel das Unterbinden des Badebetriebs am Biesdorfer Baggersee formuliert.“

Auf Nachfrage des Bezirks-Journals erklärt Bezirksstadträtin Nadja Zivcovic, dass es bereits konkrete Planungen gebe, um den Zugang zum See unattraktiver zu machen. In erster Linie werde das auf baulicher Ebene geschehen. Außerdem soll die erst vor einigen Jahren am See aufgestellte Imbissbude nicht mehr öffnen. Natürlich habe man sich auch mit der Frage beschäftigt, ob das Baden grundsätzlich möglich sei. „Doch einerseits gibt es die Wasserqualität nicht her, andererseits fehlt es an der notwendigen Infrastruktur, beispielsweise in Form von Parkplätzen“, sagt Nadja Zivcovic.

Damit dürften auch die Forderungen aus der Bezirksverordnetenversammlung vom Tisch sein, wonach das Baden im Biesdorfer Baggersee auf Initiative von Linke und SPD legalisiert werden sollte. Wir berichteten.