Das HELLEUM wächst – aber der Chef hört auf

Prof. Dr. Hartmut Wedekind war wissenschaftlicher Leiter des HELLEUM in Hellersdorf. Er wäre gerne weiter beratend tätig gewesen. Foto: Marcel Gäding
Prof. Dr. Hartmut Wedekind war wissenschaftlicher Leiter des HELLEUM in Hellersdorf. Er wäre gerne weiter beratend tätig gewesen. Foto: Marcel Gäding

Das HELLEUM an der Kastanienallee wächst: Am Freitag wurde mit viel politischer Prominenz der Grundstein für einen Neubau gelegt. Dessen geistigem Schöpfer, HELLEUM-Gründer Prof. Dr. Hartmut Wedekind, war jedoch nicht nur zum Feiern zumute. Mit viel Demut gab er seine Schlüssel ab – es war sein letzter offizieller Arbeitstag. Von Marcel Gäding.

Als der offizielle Teil beendet ist, steht Prof. Dr. Hartmut Wedekind an der Baugrube und blickt zufrieden auf die aus dem Boden ragenden Kellerwände. Wie sehr hat er sich auf diesen Tag gefreut, denn er ist ein weiterer Meilenstein im Leben des Mathematik- und Physiklehrers. Bis zum Herbst kommenden Jahres entsteht an der Kastanienallee in Hellersdorf das HELLEUM II, ein Jugendforscherzentrum. Auf drei Etagen können dort künftig Jugendliche ab der siebten Klasse naturwissenschaftliche Phänomene ergründen, experimentieren oder über ein Observatorium in den Sternenhimmel über Berlin blicken.

Bereits 2012 wurde nebenan das HELLEUM als Kinderforscherzentrum eröffnet. Geistiger Vater ist Prof. Dr. Hartmut Wedekind, der junge Menschen spielerisch für die Naturwissenschaften begeistern möchte und der das HELLEUM selbst als sein Lebenswerk bezeichnet. In den zehn Jahren seit der Eröffnung des HELLEUM kamen rund 50.000 Kinder und 20.000 Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Hellersdorf. Die Idee, in lockerer Atmosphäre zu tüfteln, zu basteln und zu experimentieren, wurde zum Exportschlager. In Asien wurde die Einrichtung eins zu eins nachgebaut, und auch die Bundesstadt Bonn plant mit dem neuen „Bonneum“ eine Lernwerkstatt für Kinder, die dem HELLEUM sehr ähnelt. Für Wedekind, heute 71 Jahre alt, war damals schnell klar, dass es nicht nur Angebote für Kinder im Grundschulter, sondern auch für Jugendliche ab der 7. Klasse geben muss. Und so strickte er mit seinem Team an einem Konzept. 2018 gab es den ersten symbolischen Spatenstich. Weil dann aber die Baukosten explodierten und immer wieder umgeplant werden musste, verzögerte sich die für 2019 geplante Eröffnung des HELLEUM II. Statt ursprünglich 2,7 Millionen Euro kostet das Projekt 6,4 Millionen Euro. Nun ist davon auszugehen, dass das HELLEUM II im August oder September kommenden Jahres in Betrieb geht.

Was am Freitag zur deutlich verspäteten Grundsteinlegung niemand der Gäste – darunter Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke), Bundestagsabgeordneter Mario Czaja (CDU) und Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD) – weiß: Es ist auch der letzte Arbeitstag von Prof. Dr. Hartmut Wedekind. „Das habe ich in meiner Rede ganz vergessen zu erwähnen, dass ich heute meine Schlüssel abgebe“, sagt der Wissenschaftler. Bis Ende vergangenen Jahres habe er noch einen Honorarvertrag gehabt, seit Januar arbeitet der langjährige wissenschaftliche Leiter des HELLEUM ehrenamtlich. „Ich kann nicht weiter die Verantwortung für dieses Projekt tragen.“ Den Tag der Grundsteinlegung verbinde er einerseits mit ganz großer Demut, andererseits mit einem sehr großen Glücksgefühl. „Es wärmt mein Herz zu sehen, wie dieses Haus wächst.“ Traurig sei er jedoch darüber, dass das Projekt zu wenig strukturell begleitet werde. Bis heute sei kein Nachfolger für ihn gefunden worden. Unklar ist auch, ob die in seinem Konzept festgeschriebenen neun Pädagogen im kommenden Jahr bereitstehen. Er selbst wäre gern weiter beratend tätig gewesen. Doch ein entsprechendes Angebot wurde ihm bislang nicht unterbreitet.

Gebaut wird das HELLEUM II nach den Plänen des Berliner Architekten Klaus Groth. Es wird eine auffällige Aluminium-Metall-Fassade haben, viele lichtdurchflutete Flächen und im Inneren Sichtbeton. Auf dem Dachgarten sticht nicht nur die Kuppel des Sternen-Observatoriums hervor. Dort soll auch ein Garten mit einer Bienenzucht entstehen. Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD) sieht im HELLEUM einen herausragenden Ort, „der neue Maßstäbe in der außerschulischen Bildungsarbeit setzt“. Die Einrichtung unterbreite ein niederschwelliges Angebot, Naturwissenschaften zu vermitteln.

Hartmut Wedekind hofft nach seinem Ausstieg, dass das von ihm mitentwickelte Konzept der Lernwerkstatt aufgeht. „Ich wünsche mir sehr, dass die Idee von Lehrern in die Schulen getragen wird.“

Das HELLEUM wird vom Bezirksamt, der Alice-Salomon-Hochschule Berlin und der Senatsverwaltung für Bildung betrieben. In den Bau der Einrichtung floss unter anderem Geld aus dem Stadtumbau-Programm der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Auch die Erweiterung wird mit einem Teil Fördermittel finanziert. 

Grundsteinlegung HELLEUM II am 25. März 2022

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(c) Marcel Gäding