Biesdorfer Baggersee: Bezirksamt legt Badegästen Steine in den Weg

Der Mitarbeiter eines Gartenbauunternehmens verfrachtet am Donnerstag, 25. März, große Steine ans Ufer des Biesdorfer Baggersees. Foto: Marcel Gäding
Der Mitarbeiter eines Gartenbauunternehmens verfrachtet am Donnerstag, 25. März, große Steine ans Ufer des Biesdorfer Baggersees. Foto: Marcel Gäding

Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf legt Badegästen am Biesdorfer Baggersee im wahrsten Sinne des Wortes Steine in den Weg: Mitarbeiter eines brandenburgischen Landschaftsbauunternehmens haben am Ufer des kleinen Gewässers massive Steinbrocken aufgehäuft. Und es ist nicht die einzige Veränderung. Von Marcel Gäding.

Mit einem Schaufelbagger transportiert der Mitarbeiter eines brandenburgischen Landschaftsbauunternehmens eine Ladung Steine nach der anderen ans Ufer des Biesdorfer Baggersees. Es dauert nur wenige Stunden, da ist der Zugang zu dem kleinen Gewässer versperrt. Die Brocken erinnern an ähnliche Bollwerke an der Ostsee. Nun sollen sie beratungsresistente Badegäste davon abhalten, in dem kleinen Gewässer Abkühlung zu suchen und zu baden. Auch der einst leicht abfallende Strand sieht jetzt ganz anders aus – vor allem deutlich steiler. Nachdem dort Mutterboden aufgetragen wurde, wird der Hang bepflanzt. „Im Nachgang sollen durch gezielte Nachpflanzungen die Randbepflanzung des Uferbereichs geschlossen werden“, erklärt die zuständige Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic (CDU).

Vor allem Anwohner, die derzeit die ersten warmen Frühlingstage nutzen, um am See spazieren zu gehen, begrüßen die Arbeiten. „Dass hier etwas passiert, ist längst überfällig“, sagt ein älterer Herr. Die Gesamtkosten liegen nach Aussage von Nadja Zivkovic bei rund 90.000 Euro. Kurzum: Wer dieses Jahr im Biesdorfer Baggersee baden will, muss schon sportlich geschickt sein, einen Zugang zum Wasser zu bekommen.

Der gut 7,6 Hektar große Biesdorfer Baggersee ist – wie berichtet – kein natürliches Gewässer. Vielmehr handelt es sich um eine frühere Kiesgrube, die sich nach der Stilllegung nach und nach mit Regenwasser füllte. Das ist bis heute der Fall: Über Rohre gelangen die Niederschläge aus der Umgebung ungefiltert in den Baggersee. Und genau das ist das Problem: Rückstände im Wasser können für Badegäste zu unangenehmen Hautreaktionen und Entzündungen führen. Dennoch zog es bislang jeden Sommer Tausende zum Baden an den Biesdorfer Baggersee. Vergangenes Jahr eskalierte die Situation sogar, weil viele Berlinerinnen und Berliner ihre freien Tage in der Stadt verbrachten und den Baggersee oft zum Ziel ihrer Ausflüge machten. Weit und breit gibt es im Bezirk keine öffentlichen Freibäder. Pläne für ein Schwimmbad in Marzahn-Hellersdorf werden seit Jahren diskutiert. Immerhin ist sich die Bezirkspolitik inzwischen einig, dass zwei Standorte für ein neues Freibad in Frage kommen. Dazu gehören der Jelena-Santic-Friedenspark an der Ecke Hellersdorfer Straße und Alte Hellersdorfer Straße sowie ein Areal am Biesdorfer Friedhofsweg. Allerdings dürfte es noch einige Jahre dauern, bis das mehrere Millionen Euro teure Projekt umgesetzt wird. Vor allem seitens der Partei Die Linke und der SPD war gefordert worden, den Baggersee zum Baden zu ertüchtigen. Anwohnende wiederum sind sichtlich genervt von den unzähligen Badegästen, vom Lärm bis in die späten Abendstunden sowie vom Müll rund um den See.

Biesdorfer Baggersee: massive Beschwerden von Anwohnern

Die für Grünflächen zuständige Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic aber teilte zu Beginn des Jahres mit, den Zugang zum Biesdorfer Baggersee „unattraktiver“ zu machen. Unter anderem sagte sie, dass die Qualität des Wassers nicht ausreiche, um bedenkenlos baden gehen zu können. Außerdem habe es massive Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben. „Gleichzeitig ist der Biesdorfer Baggersee auch ein Notauslass des Abwasserpumpwerks, so dass, im Falle eines Starkregenereignisses bei gleichzeitigem Stromausfall, ungefiltertes Abwasser in den See gelangt“, erklärte Umweltstaatssekretär Stefan Tidow (Bündnis 90/ Die Grünen) erst Mitte Februar im Zusammenhang mit einer Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus. Hinzu kommen Naturschutzaspekte, den Baggersee in Biesdorf vor Badenden „zu schützen“. Unter Berufung auf Informationen aus dem Bezirksamt sagte Tidow: „Durch die Trittzerstörung der Gehölze und der Wiesenvegetation ist eine Artenvielfalt nicht gegeben, da auch der Zeitraum der Regeneration zu gering ist. Die Lebensbedingungen für Amphibien und Reptilien sind durch die Zerstörung des Böschungsbereichs in Mitleidenschaft gezogen.“

Die SPD Marzahn-Hellersdorf spricht von einem „Eiertanz“, was den Rückbau von Strand und Imbissbude betrifft und wirft dem Bezirk vor, finanzielle Mittel zu verschwenden. „Nachdem in der letzten Legislaturperiode die bauliche Ausgestaltung rund um den See mit zwei Sandstränden, einer Liegewiese, einem Beachvolleyballfeld, einem Imbissstand und einem Toilettenhäuschen nicht nur die Menschen aus unserem Bezirk zum Baden anlockte, soll dies nun nach Plänen der zuständigen Stadträtin großenteils zurückgebaut werden und ein striktes Badeverbot durchgesetzt werden“, erklärt die Kreisvorsitzende Iris Spranger. Die Mittel, die dafür nötig seien, „könnten wir an anderer Stelle im Bezirk gut gebrauchen“.

Die Pläne des Bezirksamtes kamen überraschend, räumt Pascal Grothe von den Bündnisgrünen in Marzahn-Hellersdorf ein. Doch es sei grundsätzlich positiv zu bewerten, dass das Bezirksamt endlich tätig werden will. Und dennoch hat Grothe einige Kritik am Vorgehen: „Im Bezirksparlament wird um die beste Lösung noch gerungen. Das hindert die Stadträtin nicht daran, plötzlich im letzten Jahr der Legislatur tätig zu werden. Die dabei vorgesehenen Maßnahmen gehen an den Bedürfnissen der Anwohnenden vorbei.“ Seine Forderung: „Der Naturraum soll erhalten werden, Sicherheit vor Ort ist zu gewährleisten und unter Beteiligung der Anwohnenden sollte ein langfristig akzeptiertes Gesamtkonzept erarbeitet werden. Nur so lässt sich eine wirksame Antwort auf die andauernde Lärmbelästigung finden.“