Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle: schuldenfrei in den Ruhestand

Dagmar Pohle (Die Linke) geht nach 19 Jahren Bezirkspolitik in den Ruhestand. Noch ist nicht klar, wer ihren Posten als Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf übernimmt. Archivfoto: Marcel Gäding
Dagmar Pohle (Die Linke) geht nach 19 Jahren Bezirkspolitik in den Ruhestand. Noch ist nicht klar, wer ihren Posten als Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf übernimmt. Archivfoto: Marcel Gäding

Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle geht am 16. Oktober in Rente. Demnächst will sie erst einmal erholsame Tage im Warmen verbringen. Von Marcel Gäding.

Eine Dienstberatung hier, eine Abstimmung dort – und zwischendurch wird aufgeräumt und aussortiert. Ein paar Utensilien hat Dagmar Pohle bereits aus ihrem Büro geschafft, darunter sind auch Bilder von Künstlern aus Marzahn-Hellersdorf. Nach 19 Jahren verlässt die Bezirksbürgermeisterin das Rathaus und verabschiedet sich mit nunmehr 68 Jahren in den Ruhestand. Ihr letzter offizieller Termin im Kalender findet im bezirklichen Informationszentrum an der Hellersdorfer Straße statt. Dort kann, wer möchte, sich jeder noch einmal persönlich von der linken Kommunalpolitikerin verabschieden.

„Es gibt noch ein Stück normale Arbeit, die nach Wahlen stattfindet“, sagt Dagmar Pohle wenige Tage vor ihrem Ruhestand. Denn noch sei das alte Bezirksamt im Amt. Nach dem 16. Oktober gibt es dann eine für einen Berliner Bezirk eher ungewöhnliche Situation. Bis zur Neuwahl des Bezirksamtes durch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) übernimmt Bezirksstadträtin Juliane Witt (Die Linke) als dienstältestes Bezirksamtsmitglied die Geschäfte im Rathaus. Pohles Stellvertreter Thomas Braun (AfD) schied bereits am 8. September aus dem Bezirksamt aus, weil er das Rentenalter erreicht hatte. Dass Dagmar Pohle über ihren 65. Geburtstag hinaus Bezirksbürgermeisterin bleiben durfte, ist auf eine Entscheidung der BVV zurückzuführen. „Für mich ist es sehr angenehm, dass es ein selbstbestimmtes Ende ist“, sagt Dagmar Pohle.

2002 wurde Dagmar Pohle als Bezirksstadträtin ins Bezirksamt gewählt und wechselte vom Berliner Abgeordnetenhaus in die Kommunalpolitik. 2006 wurde sie Bezirksbürgermeisterin, verlor den Posten aber nach den Wahlen 2011 und wurde Vize-Bezirksbürgermeisterin. 2016 reichten die Stimmen aus, um den Chefposten erneut zu besetzen. Damals übernahm Pohle das Rathaus in schwierigen Zeiten: Der Bezirk litt unter einer millionenschweren Schuldenlast. Geld, um eigene Projekte voranzubringen, war zunächst nicht vorhanden. Doch im Laufe der Wahlperiode konnte sie als zuständige Finanzstadträtin die Schulden abbauen und sogar ein Plus auf der Einnahmeseite vermelden. Dadurch sei wieder finanzieller Freiraum entstanden, um unter anderem in die soziale Infrastruktur des Bezirks zu investieren. „Es ist uns gelungen, mehr Personal einzustellen, die Jugendfreizeiteinrichtungen besser auszustatten und viele Projekte im Straßen- und Grünflächenbereich auf den Weg zu bringen“, resümiert Pohle. Damit konnte man aktiv ein Stück weit das Wachsen und Neugestalten des Bezirks voranbringen. Besonders freue sie sich darüber, dass es wieder Wohnungsbau gebe und Schulen, Kitas sowie soziale Einrichtungen saniert werden konnten. „Unser Bezirk ist nach wie vor der grünste im Bezirk trotz zahlreicher Bauvorhaben.“

Auch wenn Dagmar Pohle sagt, dass sie mit gutem Gewissen in den Ruhestand gehen kann, gibt es Vorhaben, die sie nicht zu Ende bringen konnte. Doch Projekte wie die Tangentialverbindung Ost, die Verkehrslösung Mahlsdorf oder die Entwicklung des Geländes rund um das Kino Sojus seien auf einem guten Weg. „Es ist nie alles abgearbeitet“, sagt Dagmar Pohle. Sicher sei sie auch, dass die Seilbahn Bestand habe und dem Bezirk erhalten bleiben wird.

Gern hätte sie Juliane Witt als ihre Nachfolgerin gesehen. Doch mit der Wahl am 26. September reichte es für die Linke nur noch für den dritten Platz. Bedauerlich sei, dass insbesondere in der Großsiedlung die Wahlbeteiligung so gering gewesen sei. Wer auch immer neuer Bezirksbürgermeisterin oder Bezirksbürgermeister werde: „Mir war immer wichtig, dass das BA als Kollegialorgan geführt wird und nach außen mit einer Stimme gesprochen wird.“ Ihr Rat an ihren Nachfolger beziehungsweise Nachfolgerin lautet daher: „Eine Bezirksbürgermeisterin trägt eine hohe Verantwortung und ist zuallererst den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet.“ Erleichtert ist sie darüber, dass die AfD Verluste hinnehmen musste. „Diese Partei ist aus meiner Sicht nicht demokratisch.“ 

So ganz wird Dagmar Pohle die Beine im Ruhestand aber nicht hochlegen. Ja, sie freue sich darauf, nun auch mal bis 7.45 Uhr schlafen zu können. Doch die nächsten Vorhaben stehen bereits auf der Liste: An der „Berlin School of Public Health“ habe sie eine Gasthörerschaft beantragt und wird demnächst Zeit im Hörsaal verbringen. „Ich werde mich mit Dingen beschäftigen, mit denen ich bereits in der Politik zu tun hatte.“ Groß ist auch die Freude, wieder mehr private Zeit zu haben. So will Dagmar Pohle das im Sommer in ihrem Garten geerntete und tiefgekühlte Obst nun zu Marmeladen und Chutneys verarbeiten. Und dann steht da noch eine ganz große Reise auf die Malediven an, sobald es die Pandemiesituation erlaubt. „Dann erwarten mich Wärme, Wasser und Sonne.“