TVO in Biesdorf: eine Kreuzung auf drei Etagen

So soll die neue Brückenkonstruktion an der Kreuzung Märkische Allee und Alt-Biesdorf aussehen. Simulation: Kolb und Ripke Gesellschaft von Architekten mbH
So soll die neue Brückenkonstruktion an der Kreuzung Märkische Allee und Alt-Biesdorf aussehen. Simulation: Kolb und Ripke Gesellschaft von Architekten mbH

Damit sich Autos, Radfahrer und Fußgänger nicht in die Quere kommen, soll in Biesdorf eine neuartige Brückenkonstruktion entstehen. Sie ist Teil einer vierspurigen Schnellstraße durch Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf, über die seit der Wende gestritten wird.

Zum Feierabend wird es eng: Nur im Schritttempo stoßen Fahrzeuge von der Märkischen Allee auf die Straße Alt-Biesdorf vor, um auf die Bundesstraße 1 und 5 zu gelangen. An Tagen, an denen auf der Ausfallstraße Richtung Autobahn gebaut wird, geht es nur schleppend voran.

Knotenpunkt nennen Verkehrsplaner jenes Konstrukt, an dem sich die Märkische Allee (B 158) und die Straße Alt-Biesdorf (B 1/ B 5) kreuzen. Das Bauwerk stammt aus DDR-Zeiten, gebaut für die damaligen Verhältnisse. Doch inzwischen hat der Verkehr stark zugenommen. Daher soll zwischen dem Bezirk Treptow-Köpenick und der östlichen Stadtgrenze in Ahrensfelde die sogenannte Tangentialverbindung Ost (TVO) entstehen, die durch Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf führt. Die vierspurige Schnellstraße ist als Entlastung von Wohngebieten gedacht, die unter dem zunehmenden Verkehr leiden. Dazu gehören unter anderem die Köpenicker Straße in Biesdorf und die Treskowallee in Karlshorst. Die Pläne für die TVO gibt es schon seit mehr als 30 Jahren, seither wird gestritten. Größter Knackpunkt ist die Umfahrung von Ahrensfelde, wo der Stau auf der B 158 sowohl Richtung Innenstadt als auch zum östlichen Autobahnring lange zum Alltag gehört.

Zumindest für den Kreuzungsbereich Märkische Allee und Alt-Biesdorf aber scheint es mehr Konsens als Dissens bei Landes- und Bezirkspolitikern zu geben. Gerade hat die Senatsverkehrsverwaltung die Pläne für einen Brückenbau präsentiert, der den Verkehr auf drei Etage „dosiert“: Auf der unteren Ebene fließt der Autoverkehr der B 1 und B 5, während ebenerdig die TVO führt. Ganz oben ist Platz für Radfahrer und Fußgänger, die über vier Seiten auf die kreisförmige Brückenanlage gelangen. Von einer innovativen Lösung spricht die Senatsverkehrsverwaltung. Futuristisch ist das Bauwerk, das 155 Millionen Euro kosten wird, allemal. 2022 soll es ein Planfeststellungsverfahren geben, um verbindliche Vorgaben für das Projekt zu schaffen. Noch ist unklar, wann mit dem Brückenneubau begonnen werden kann.

Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) ist froh, dass nun an einem weiteren wichtigen Knotenpunkt die TVO-Planungen vorangehen. Die Entwürfe entsprechen „den Interessen eines großen Teils der Biesdorferinnen und Biesdorfer“. Das Bezirksamt werde die weiteren Prozesse konstruktiv begleiten und sich weiterhin dafür einsetzen, dass nicht nur die Straßen-TVO sondern auch die Schienen-TVO (Nahverkehrstangente) realisiert werde und die TVO einen begleitenden Radschnellweg erhalte.

Christian Gräff (CDU), Wahlkreisabgeordneter für Biesdorf, fragt sich jedoch, warum das Planfeststellungsverfahren erst im Jahr 2022 starten kann. „Die Situation in Biesdorf Süd und vor allem auf der Köpenicker Straße wird immer unerträglicher“, sagt er mit Verweis auf die gebotene Dringlichkeit. Gleichzeitig kritisiert er den Senat, spricht sogar von reiner Schikane: „Auch für eine Entlastung der Köpenicker Straße und der Anliegerstraßen vom Durchgangsverkehr, z.B. mit Tempo 30 gibt es kein Durchkommen bei der Senatsverwaltung für Verkehr.“ Er glaube, „es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir gemeinsam bis zum Bau der TVO über eine Klage gegen die Untätigkeit des Senats nachdenken müssen.“ (gäd.)