Marzahner Knoten wird Langzeit-Baustelle

Die Zufahrt zum Gewerbepark Georg Knorr führt über eine innen liegende Rampe an der Landsberger Allee. Diese Rampe wird ersatzlos abgerissen. Foto: Sabine Flatau
Die Zufahrt zum Gewerbepark Georg Knorr führt über eine innen liegende Rampe an der Landsberger Allee. Diese Rampe wird ersatzlos abgerissen. Foto: Sabine Flatau

Fünf Straßenbrücken werden abgerissen, drei neue gebaut. Rund 82 Millionen Euro soll der Umbau des „Marzahner Knotens“ kosten. Von Sabine Flatau.

Zehntausende Autos rollen täglich über Landsberger Allee und Märkische Allee. Am Marzahner Knoten kreuzen sich die beiden großen Straßen. Fünf Brücken gehören zum Knoten und ein Fußgängertunnel. Dieser Bereich wird in den kommenden Jahren komplett erneuert. Die Brücken werden abgerissen und neu gebaut. Bis 2028 soll das anspruchsvolle Projekt dauern.

Die Senatsverkehrsverwaltung hat Bewohner aus der Umgebung bereits im Februar informiert. Auslöser für das Bauvorhaben sei der schlechte Zustand der Brücken und der Fahrspuren, sagte Arne Huhn, Leiter des Bereichs Brücken und Ingenieurbauwerke, im voll besetzten Saal 1 des UCI Kinowelt am Eastgate.

Doch der Marzahner Knoten genügt auch nicht den Anforderungen der modernen Mobilität. „Es fehlen durchgehende Rad- und Gehwege auf den Brücken. Das wollen wir ändern.“ Die Landsberger Allee habe in diesem Abschnitt den Charakter einer Schnellstraße. Der Verkehr rollt, es gibt keine Ampeln. In Bereichen, wo sich Autos in den Verkehr einfädeln müssen, kommt es zu Unfällen. Die Zufahrten zu den benachbarten Gewerbegebieten sind unübersichtlich. Viel Platz nehmen die innen und außen liegenden Rampen ein.

Der Marzahner Knoten sei 1977 errichtet worden, sagte Arne Huhn. Die Fertigteilträger der Brücken wurden aus sogenanntem Spannstahl erbaut. Er hat im Laufe der Jahre Risse gebildet, die man von außen jedoch nicht sehen kann. Deshalb sollen die Brücken ersetzt werden.

„Wir wollen den Verkehrsknoten komplett neu gestalten“, sagte Huhn. „Er soll enger zusammenrücken.“ Die Zu- und Abfahrten werden mit Ampeln geregelt. Statt der fünf Straßenbrücken soll es künftig nur noch drei geben. Die Vegetation, die sich im Umfeld entwickelt hat, soll möglichst erhalten werden. Der Grad der Versiegelung wird sich verringern. Erneuert werden auch der Fußgängertunnel und die Brücke, auf der die Straßenbahnen fahren. Die Kosten des Vorhabens sind mit insgesamt etwa 82 Millionen Euro veranschlagt.

Während der Bauarbeiten soll die Landsberger Allee eingeschränkt befahrbar sein. Umleitungsstrecken werden bereits an der A 10 ausgeschildert, um Pendler frühzeitig auf alternative Routen zu lenken.
Seit Mitte 2016 beschäftigt sich die Senatsverkehrsverwaltung mit dem Projekt. Vorgesehen ist, dass in diesem Jahr die Bauplanungsunterlagen für den Neubau des Marzahner Knotens fertig werden. Vorbereitende Arbeiten sollen 2021 beginnen. Dazu gehört die Verschiebung der Fernwärmeleitung. Ende 2022 geht es mit dem Abriss der Brücken los.

Die Bürogemeinschaft Eibs GmbH und Setzpfandt GmbH plant das Vorhaben im Auftrag der Senatsverwaltung. „Wir wollen einen sicheren, kompakten und klar verständlichen Knotenpunkt errichten“, sagte Büroleiter Matthias Ferber. Nördliche und südliche Fahrbahn der Landsberger Allee sollen dicht beieinander liegen. Drei Fahrstreifen pro Richtung bleiben erhalten. Auch die Grüne Welle soll bleiben.
An zwei Standorten sind Ampelanlagen auf der Landsberger Allee geplant: eine im Bereich der Gewerbegebiete, die zweite im Bereich der Märkischen Allee. Die Zufahrt von der Märkischen zur Landsberger Allee und die Abfahrt verlaufen über Parallelrampen. Auch an den neuen Zu- und Abfahrten entstehen Geh- und Radwege.

Während die neuen Straßenbrücken gebaut werden, fahren M6 und 16 auf der gewohnten Strecke. Danach wird die Brücke für die Straßenbahnen erneuert. Für diese Zeit werden die Gleise der Tram provisorisch über die neue Straßenbrücke geführt.

In kommenden Veranstaltungen will die Senatsverwaltung über einzelne Bauphasen und Verkehrseinschränkungen informieren. Die Arbeiten an den Brücken im Bereich der Bahngleise sollen nachts und am Wochenende geschehen, um den S-Bahn-Verkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Stefan Ziller, Grünen-Abgeordneter aus Marzahn-Hellersdorf, begrüßt das Vorhaben. „Es ist wie immer,“ so Ziller. „Es hätte früher losgehen können.“ Die jetzt vorgestellte Planung sei sinnvoll. Die Brückenbauwerke und die Verkehrsführung seien nicht mehr zukunftsfähig. „Unser Anliegen war immer, die Situation für Radfahrer in diesem Bereich zu verbessern. Derzeit ist es für sie unerträglich.“ Mit den geplanten Ampeln werde eine klare Verkehrsführung geschaffen. „Der Verkehr hat zugenommen, und das wird auch noch ein paar Jahre so bleiben.“ Es sei davon auszugehen, dass das Projekt teurer werde als derzeit angenommen. „Man wird bei einem dreistelligen Millionenbetrag landen. Das ist aber kein Grund, das Vorhaben nicht durchzuführen.“