Ein neuer Schulcampus in Marzahn: Lomonossow statt Gandhi

Kräne drehen sich an der Stelle, an der sich einst das Mahatma-Gandhi-Gymnasium befand. Jetzt entsteht in Marzahn der Lomonossow-Campus. Foto: Angelika Giorgis
Kräne drehen sich an der Stelle, an der sich einst das Mahatma-Gandhi-Gymnasium befand. Jetzt entsteht in Marzahn der Lomonossow-Campus. Foto: Angelika Giorgis

An der Allee der Kosmonauten entsteht ein internationaler Schulcampus auf einer einstigen Brache, an der sich mal das Mahatma-Gandhi-Gymnasium befand. Von Angelika Giorgis.

An der Allee der Kosmonauten drehen sich zwei Kräne. Jahrelang wucherte auf dem einstigen Gelände des Mahatma-Gandhi-Gymnasiums Unkraut. Im nebenan liegenden Erweiterungsbau gründete der Verein MITRA 2007 seine zweite Grundschule in Berlin. Sie ist nach dem russischen Wissenschaftler Michail Wassiljewitsch Lomonossow (1711-1765) benannt, der in seiner Zeit als Universalgelehrter galt. Auch die älteste und größte Universität Russlands trägt den Namen des Naturwissenschaftlers und Dichters. Bereits 2006 wurde der erste Standort in Tiergarten eröffnet. Das innovative pädagogische Konzept der Lomonossow-Schulen wurde im Dezember 2012 staatlich anerkannt.

Das Gebäude an der Allee der Kosmonauten ist bis zum kommenden Jahr eine Schulfiliale für 75 Mädchen und Jungen der ersten und zweiten Klassen. Seit Beginn des Schuljahres 2017/18 gehen nämlich die Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse in das denkmalgeschützte Gebäude auf dem Areal des ehemaligen Griesinger Krankenhauses am Brebacher Weg. Die meisten dieser 300 Lomonossow-Kinder kommen hauptsächlich aus Marzahn und Hellersdorf. Etwa 20 Prozent sind Lichtenberger.

„Unsere Schulen werden kontinuierlich über Jahre hinweg erweitert“, erzählt Alexander Ott, der Schulkoordinator im Verein MITRA. „Ab kommendem Schuljahr gibt es in Marzahn wieder drei erste Klassen, zwei davon in der Allee der Kosmonauten.“ Dann werden etwa 550 bis 560 Kinder die beiden Lomonossow-Schulen in Berlin besuchen. Im vergangenen Jahr gab es erstmals den Mittleren Schulabschluss. Alle Kinder haben den Sprung in die gymnasiale Oberstufe geschafft. Sie erhielten nun Ende Juni ihre Zeugnisse der 11. Klasse.

Alexander Ott berichtet, dass viele Geschwisterkinder aufgenommen werden. Bundesweit gehen etwa 1.000 Kinder in die Kindergärten des Vereins. Sechs Kitas gibt es in Berlin, eine in Leipzig, eine in Potsdam und zwei in Köln. MITRA wäre bereit, das Kita-Angebot zu erweitern, wenn sich passende Gebäude oder Grundstücke fänden.

Die erste Bauphase an der Allee der Kosmonauten auf rund 1.000 Quadratmetern soll im Sommer 2021 beendet sein. Dann wird dort zuerst der Grundschulteil der internationalen Schule untergebracht. Etwa 160 Mädchen und Jungen lernen dann zweizügig (also in jeweils zwei Klassen eines Jahrganges) von der ersten bis zur vierten Klasse. „Jedes Schuljahr kommt eine Klassenstufe hinzu. Die Schule wächst quasi mit den Kindern“, erläutert Ott.

Anders als in den staatlichen internationalen Schulen sind nicht die Unterrichtsfächer nach Sprachen aufgeteilt, sondern jedes Kernfach wird in Russisch und Deutsch unterrichtet. Man hat die Fächer aufgeteilt: So wird beispielsweise Mathematik montags, mittwochs und freitags auf Deutsch und dienstags und donnerstags auf Russisch unterrichtet. Das Schulkonzept sieht vor, traditionelles Lernen mit modernen, zeitgenössischen Unterrichtsmethoden zu verbinden. Dazu gehört auch das Tragen von Schulkleidung, das von Eltern und Kindern der Grundstufe sehr gut angenommen wird. In der Sekundarstufe achtet man auf eine farbliche Anpassung: das obere Teil in Hellblau, das untere in Dunkelblau. Bei Festen wird oben Weiß gewählt. Und wichtig ist natürlich das PIN-Zeichen. „Jetzt in Corona-Zeiten und bei warmem Wetter sehen wir die Kleidungsvorschriften natürlich etwas lockerer“, sagt Alexander Ott. Die meisten Eltern kennen diese aus ihrer Jugend. Viele Familien haben ihren kulturellen Hintergrund in der ehemaligen Sowjetunion. Andere Kinder wachsen in bilingualen Familien auf.

An der Allee der Kosmonauten soll ein internationaler Schulcampus entwickelt werden. Neben der Grundschule sind auch ein bilingualer Kindergarten, eine weiterführende Schule bis zur 13. Klasse, zwei Internatsgebäude für ausländische und deutsche Oberschüler, die ein Studium an deutschen oder internationalen Hochschulen und Universitäten aufnehmen wollen, und eine Sporthalle geplant. Und mehr als 40 Parkplätze für die Lehrer und den kurzen Halt der Eltern, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen.

Um das alles Wirklichkeit werden zu lassen, braucht man nicht nur das nötige Geld – für den Bau des internationalen Campus sind ca. 15 Millionen Euro vorgesehen -, sondern auch Lehrer, Erzieher und technische Kräfte. Alexander Ott erzählt, dass neue Kollegen gesucht werden, sowohl russisch- als auch deutschsprachige. Das Prinzip heißt Immersion: Eine Kollegin oder ein Kollege spricht jeweils eine Sprache. Vor allem sind Grundschullehrer mit dem Ersten und Zweiten Staatsexamen rar. Es bieten sich hier aber auch Möglichkeiten für Quereinsteiger. Als erste Fremdsprache wird Englisch gelehrt. In der Grundstufe gilt Russisch als zweite Muttersprache, in der Sekundarstufe dann als zweite Fremdsprache. Für die private Bildungseinrichtung ist Schulgeld, pro Monat je nach Einkommen der Eltern zwischen 100 und 350 Euro, zu bezahlen.

Weitere Informationen: http://lomonossow-schule.de