Lichtenberg: Wenn der Balkon zur Loge wird

Liselotte und Daniela Steidle begeisterten die Bewohner/innen der Einrichtung Siegfriedshof. Foto: Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
Liselotte und Daniela Steidle begeisterten die Bewohner/innen der Einrichtung Siegfriedshof. Foto: Bezirksamt Lichtenberg von Berlin

Mit der Reihe „Hofkultur“ organisiert das Bezirksamt noch bis zum 17. Juni Konzerte für Bewohner von Pflegeeinrichtungen.

Volkslieder von Daniela und Liselotte Steidle auf Block- und Querflöte, Schunkel-Schlager vom inklusiven Generationenchor „FröSi“: Noch bis zum 17. Juni organisiert das Bezirksamt Lichtenberg Konzerte in den Gärten und Innenhöfen von 16 Lichtenberger Pflegeeinrichtungen. „Die Idee ist aus der Krise entstanden“, sagt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke).

Daniela Kaup ist seit Kurzem die neue Beauftragte für Menschen mit Behinderungen im Bezirksamt Lichtenberg. Foto: Marcel Gäding
Daniela Kaup ist seit Kurzem die neue Beauftragte für Menschen mit Behinderungen im Bezirksamt Lichtenberg. Foto: Marcel Gäding

„Die Krise“ bezieht sich auf die zahlreichen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Vor allem ältere Menschen lebten wochenlang zurückgezogen in ihren Wohnungen oder aber in einer der zahlreichen Pflegeeinrichtungen von Lichtenberg. Kurzfristig entschied man sich daher im Bezirksamt, ein wenig Lebensfreude zu den Senioren und Pflegebedürftigen zu bringen – die Reihe „Hofkultur“ war geboren. Lange musste die Verwaltung nicht nach Künstlern suchen. „Viele von ihnen waren froh, dass sie wieder auftreten dürfen“, sagt Daniela Kaup, die neue bezirkliche Beauftragte für Menschen mit Behinderungen. Los ging es am 6. Mai, das zunächst letzte Konzert in einem Garten beziehungsweise Hof ist für den 17. Juni angesetzt. Am Ende werden es 33 Veranstaltungen sein.

Das Repertoire ist dabei so bunt wie der Bezirk: Die kleinen Konzerte sind mal klassisch, mal amüsant. Unter den Künstlern finden sich auch viele Lehrkräfte der bezirklichen Musikschule, wie Bezirksbürgermeister Michael Grunst sagt. „Sie erhielten auch in der Krise weiter ihr Honorar, obwohl die Musikschule eine ganze Weile schließen musste.“ Aus der Not wurde eine Tugend: Proben, die sonst in den Schulräumen stattfanden, verlegte man kurzerhand in die Höfe und Gärten der Pflegeeinrichtungen. Dort nahmen die Bewohner entweder unter freiem Himmel Platz mit ausreichend Abstand oder hörten vom Balkon oder der Terrasse aus zu. Freie Künstler wiederum erhalten für ihren Aufwand eine Ehrenamtspauschale.

Auch wenn das Projekt „Hofkultur“ offiziell am 17. Juni endet, denkt man im Bezirksamt inzwischen über eine Fortsetzung nach. „Es macht durchaus Sinn, ein solches Angebot auch außerhalb von Krisenzeiten weiter zu führen“, sagt Daniela Kaup. Bestärkt wird sie durch die große Resonanz. „So etwas könnte man auf lange Sicht machen.“ (gäd.)