Konsum-Kaufhalle: hier verschwindet gerade ein Stück DDR

Stießen mit Rotkäppchen-Sekt auf den Abriss der DDR-Kaufhalle an: Hermann Günzel (Konsum-Mitglied), Erik Rambow (Vorstandsvorsitzender vom Konsum), Wolfgang Mey (Kiezbeirat), Jan Dräger (Netto Markendiscount) und Architekt Norbert Diehr. Foto: Marcel Gäding
Stießen mit Rotkäppchen-Sekt auf den Abriss der DDR-Kaufhalle an: Hermann Günzel (Konsum-Mitglied), Erik Rambow (Vorstandsvorsitzender vom Konsum), Wolfgang Mey (Kiezbeirat), Jan Dräger (Netto Markendiscount) und Architekt Norbert Diehr. Foto: Marcel Gäding

Rotkäppchen-Sekt für die vornehmlich älteren Nachbarn, dazu eine kleine Rede vom Chef der Konsum-Genossenschaft: In dieser Woche hat in der Wartenberger Straße der Abriss einer alten DDR-Kaufhalle begonnen. Die Gäste, die das Spektakel aus sicherer Entfernung beobachteten, kamen allerdings nicht, um der einstigen Konsum-Verkaufsstelle nachzutrauern. Ganz im Gegenteil. Von Marcel Gäding.

Erik Rambow hat Sekt und die passenden Gläser mitgebracht. Rambow ist der Vorstandsvorsitzende der Berliner Konsumgenossenschaft, die viele der anwesenden Männer und Frauen noch gut aus DDR-Zeiten kennen. Denn das Logo mit dem berühmten „K“ für Konsum befand sich an der Fassade vieler Lebensmittelgeschäfte und am Ende auch zahlreicher Kaufhallen. Die entstanden insbesondere mit dem Bau der Großsiedlungen im Osten der Stadt zahlreich und waren wichtige Nahversorger, die ähnlich funktionierten wie die Supermärkte um Westen. Einziger Unterschied: Das Sortiment an Waren entsprach der aktuellen Versorgungslage. Nach der Wende übernahmen Lebensmittelriesen wie Kaisers-Tengelmann oder die Metro-Gruppe die DDR-Standardbauten, die nach und nach aus dem Stadtbild verschwanden.

Nun also die alte Konsum-Kaufhalle in der Wartenberger Straße Ecke Anna-Ebermann-Straße: 1977 wurde sie eröffnet, 2009 aber geschlossen. Längst hatten in der Nachbarschaft modernere Märkte eröffnet. Die Kaufhalle hingegen war kaum den Ansprüchen an den neuzeitlichen Einzelhandel gewachsen. Seither verfiel daher das Gebäude, das immer noch zur Berliner Konsumgenossenschaft gehört. Pläne, das Gebäude abzureißen und an der Stelle einen neuen Discounter zu errichten, gab es ab 2012. Doch der Konsum hatte die Rechnung ohne den Bezirk gemacht. Das Areal samt Kaufhalle war inzwischen im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen. Es folgten jahrelange Auseinandersetzungen mit den Behörden, die schließlich in einem mühseligen Rechtsstreit endeten. Doch die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend eG setzte sich schließlich durch. Parallel begaben sich Anwohner in die Spur, allen voran Mitglieder des Kiezbeirats und der Volkssolidarität: Sie sammelten Unterschriften und ließen bei den zuständigen Kommunalpolitikern nicht locker. Ein neuer Lebensmittelmarkt wird nicht nur von den vielen älteren Bewohnern im Kiez sehnlichst gewünscht. Inzwischen sind auch zahlreiche Wohnanlagen in der Nachbarschaft entstanden, die Zahl junger Familien deutlich gestiegen.

„Das war ein großer, langer Leidensweg“, sagt Erik Rambow. Ausdrücklich bedankt er sich beim Kiezbeirat, bei der Volkssolidarität und bei den eigenen Mitgliedern seiner Genossenschaft, die nicht müde wurden, auf den Abriss sowie den Neubau zu pochen. Wolfgang Mey, Vorsitzender der Volkssolidarität-Ortsgruppe und Mitglied im Kiezbeirat, ist froh, dass nun endlich die Bagger rollen. „Unser Kampf hat sich gelohnt!“ Jan Dräger, zuständiger Expansionsleiter bei Netto Markendiscount für Berlin, hofft, dass Ende November der neue Markt auf einer Fläche von 800 Quadratmetern eröffnen kann. Der Neubau entstehe nach neuesten energetischen Gesichtspunkten. „Die alte Kaufhalle wäre in dieser Form nicht erweiterungs- oder modernisierungsfähig gewesen.“

Noch aber gibt es keine Baugenehmigung: Wegen der Corona-Pandemie kam es zu Verzögerungen. Erik Rambow rechnet aber damit, dass das entsprechende Papier in den nächsten Tagen beim Konsum eintrifft. Die Zeit nutzt die Genossenschaft, um die alte Halle Stück für Stück abzureißen.

 

Video: Abriss der DDR-Kaufhalle