Galeria Karstadt Kaufhof: Lichtenberg verliert seine einzigen Kaufhäuser

Schwarzer Freitag für die rund 100 Beschäftigten in den Galeria Karstadt Kaufhof im Ring-Center sowie im Linden-Center: Übereinstimmenden Medienberichten zufolge will sich die Betreiber-Holding von den Warenhäusern trennen. Damit verliert der Bezirk seine beiden einzigen Kaufhäuser. Ein tags zuvor von der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung einstimmig gefasster Beschluss zum Erhalt der Standorte dürfte sich damit erledigt haben. Von Marcel Gäding.

Seit Jahren kämpfen die großen Warenhäuser in Deutschland ums Überleben, und nun scheint die Corona-Krise den erst jüngst fusionierten Marken Kaufhof und Karstadt schwer zuzusetzen: Deutschlandweit werden nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di 62 Filialen geschlossen, 6.000 Beschäftigte verlieren ihren Job. „Für Abfindungen bei Entlassungen finden die von den Betriebsräten ausgehandelten Sozialpläne Anwendung. Die von Filialschließungen Betroffenen werden auf ihren Wunsch für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft zur Beschäftigung und Qualifizierung überführt, in die sich der Gesellschafter einbringt“, teilte die Gewerkschaft am Freitag mit. Am 1. April hatte die Galeria Karstadt Kaufhof vor dem Amtsgericht Essen einen Antrag auf Einleitung eines sogenannten Schutzschirmverfahrens gestellt. Der Wirtschaftsexperte Arndt Geiwitz wurde daraufhin mit der „Restrukturierung“ beauftragt. Eigenen Angaben zufolge verlor der Warenhauskonzern mit der am 18. März angeordneten behördlichen Schließung seiner Filialen jede Woche rund 80 Millionen Euro. Mit der Schließung von Filialen soll die gesamte Warenhauskette vor einer möglichen Insolvenz bewahrt werden.

Kampf um Kaufhof-Standorte in Lichtenberg

Nach Informationen des Handelsblattes sind in Berlin sechs von elf Standorten von den Schließungen betroffen, darunter die Filialen im Ring-Center an der Frankfurter Allee sowie im Linden-Center am Prerower Platz in Hohenschönhausen. Ein Beschluss, der am Donnerstagabend einstimmig von den Mitgliedern der Bezirksverordnetenversammlung gefasst wurde, die Standorte zu erhalten, dürfte kaum Wirkung zeigen. Am Freitag hatten sich Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) und Bezirksstadtrat Kevin Hönicke (SPD) mit Vertretern des Betriebsrates zu einem ersten Gespräch getroffen. Eine Schließung könne der Bezirk nicht hinnehmen, teilte Grunst nach dem Treffen mit. „Die Warenhäuser sind für die Anwohnenden und Gäste seit Jahren ein identitätsprägender Bestandteil beider Center.“ Hönicke sprach von einem fatalen Signal, das mit der Schließung gesendet werde: „Viele Menschen – gerade ältere, die bereits lange im Kiez leben – kennen ihren Galeria Kaufhof schon seit Jahrzehnten. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben alles für die Standorte gegeben und viele Einschnitte mitgetragen. Dieser Einsatz der Belegschaft darf nicht ignoriert werden.“

Kaufhof hatte seine neuen Flächen im Ring-Center 2007 bezogen, war davor am Anton-Saefkow-Platz ansässig; die Filiale im Linden-Center in Hohenschönhausen gibt es seit 1995.