Alles im grünen Bereich: Lichtenberg nutzt verstärkt Sonnenenergie

Doreen Eccarius, Leiterin der Brodowin-Grundschule an der Liebenwalder Straße, Bezirksbürgermeister Michael Grunst sowie Stadtwerke-Geschäftsführerin Dr. Kerstin Busch (v.l.n.r.) bei der Einweihung der neuen Photovoltaikanlage. Foto: Marcel Gäding
Doreen Eccarius, Leiterin der Brodowin-Grundschule an der Liebenwalder Straße, Bezirksbürgermeister Michael Grunst sowie Stadtwerke-Geschäftsführerin Dr. Kerstin Busch (v.l.n.r.) bei der Einweihung der neuen Photovoltaikanlage. Foto: Marcel Gäding

Der Bezirk Lichtenberg setzt auf klimafreundlichen Strom, den die Sonne liefert: Am Mittwoch wurde auf dem Dach der Brodowin-Grundschule an der Liebenwalder Straße eine weitere Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Bis Ende des Jahres könnten neun weitere folgen.

Bevor Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) eine stolze Bilanz präsentiert, müssen einige Hürden überwunden werden: Über eine Alu-Leiter klettert der Kommunalpolitiker auf das Dach der Brodowin-Grundschule in Alt-Hohenschönhausen. Oben angekommen, muss er zunächst warten, bis alle aus dem Tross – Hausmeister, Vertreter der Berliner Stadtwerke, Presseleute, Lehrer und Mitarbeiter des Bezirksamtes – einzeln durch die Luke steigen. Draußen wartet ein schöner Blick über den grünen Lichtenberger Ortsteil mit intakter Stadtnatur.

Klimaneutraler Strom für die Grundschule

Die Kulisse könnte für dieses Thema nicht besser sein: Gemeinsam mit Dr. Kerstin Busch, Geschäftsführerin der Berliner Stadtwerke, eröffnet Michael Grunst eine weitere Photovoltaikanlage. Auf dem Dach der Brodowin-Grundschule wurden bereits im November vergangenen Jahres Solarmodule installiert, welche das Licht der Sonne in Strom umwandeln. Mit der dort und auf einem benachbarten Schulgebäude produzierten Energie kann die Schule einen Großteil ihres Strombedarfs decken. Schulleiterin Doreen Eccarius ist hoch erfreut darüber, denn nicht umsonst trägt ihr Haus den Namen des berühmten brandenburgischen Ökodorfs Brodowin. Ihre Schule hat schon mehrere Umweltpreise gewonnen, in den Pausen gibt es Ökomilch. „Wir wollen unsere Kinder auf ökologische Denkweisen vorbereiten“, sagt die Pädagogin. Da passt es gut, dass der Strom nun klimaneutral und umweltfreundlich produziert wird.

Bezirk macht mit Stadtwerken gemeinsame Sache

Innerhalb der vergangenen 20 Jahre wurden auf 25 bezirkseigenen Gebäuden Photovoltaikanlagen installiert. Anfangs handelte es sich um kleinere Projekte, die über das Umweltentlastungsprogramm des Berliner Senats finanziert wurden. Später stellte der Bezirk Lichtenberg einen Teil seiner Schulen privaten Betreibern zur Verfügung. Seit Herbst vergangenen Jahres aber macht Lichtenberg mit den Berliner Stadtwerken gemeinsame Sache: Das landeseigene Unternehmen wurde 2014 gegründet und setzt auf Energie aus erneuerbaren Quellen, darunter Sonne und Wind. Vor allem auf den Dächern der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sowie von Dienstgebäuden, Schulen und Kitas sieht das kommunale Energieversorgungsunternehmen Potenzial.

„Lichtenberg hat in den vergangenen Jahren eine Vorreiterrolle eingenommen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführerin Dr. Kerstin Busch. Inzwischen stellt der Bezirk dem Energieversorger sechs Standorte zur Verfügung. Die Berliner Stadtwerke installieren die Anlagen, verpachten diese dann an den Bezirk. Allein durch die sechs Anlagen, die im vergangenen Jahr ans Netz gingen, werden 222 Kilowatt-Peak (kWp) Strom erzeugt, umgerechnet ergibt das eine Leistung von 192.445 Kilowattstunden und eine Ersparnis an klimaschädlichem CO2-Emmissionen in Höhe von fast 95.000 Kilogramm. Die beiden Photovoltaikanlagen an der Brodowin-Grundschule haben eine Leistung von rund 300 Kilowatt.

Nach Angaben der Berliner Stadtwerke sind derzeit die Hälfte der zwölf Berliner Bezirke „unter Vertrag“. Dazu gehören neben Lichtenberg auch Marzahn-Hellersdorf, Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Reinickendorf. „Das Projekt nimmt Fahrt auf“, sagt Dr. Kerstin Busch. In den vergangenen fünf Jahren investierten die Berliner Stadtwerke rund 57 Millionen Euro in erneuerbaren Energien und eigene Technik.

Für Bezirksbürgermeister Michael Grunst, der auch für die 260 bezirkseigenen Immobilien verantwortlich zeichnet, ist in Lichtenberg noch reichlich Potenzial vorhanden. „Wir schauen uns jedes Dach an“, sagt er. Das sei sinnvoll, da der Bezirk den produzierten Strom nutzen könne. „Eine Win-Win-Situation.“ Nach Angaben der bezirklichen Energiebeauftragten Ulrike Villain reiche der Strom der sechs Stadtwerke-Anlagen aus, um den Energiebedarf des Rathauses Lichtenberg zu decken. Noch in diesem Jahr könnten nach den Worten des Energiemanagers Till Nadolny neun weitere Gebäude mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. „Bis zu 50 weitere Gebäude sind unserer Einschätzung zufolge ebenfalls für Photovoltaikanlagen geeignet. (gäd.)