ABACUS Tierpark Hotel: Über Nacht im Notbetrieb

Karen Friedel in einem Zimmer, dessen Modernisierung gestoppt wurde. Foto: Marcel Gäding
Karen Friedel in einem Zimmer, dessen Modernisierung gestoppt wurde. Foto: Marcel Gäding

Das ABACUS Tierpark Hotel gehört zu den wenigen großen, inhabergeführten Beherbergungsbetrieben der Stadt. Wegen der Corona-Pandemie musste das Vier-Sterne-Haus auf einen Notbetrieb umstellen. Nichts ist dort mehr, wie es vorher war. Von Marcel Gäding.

Die Grünpflanze auf einem Tisch in der Lobby vom ABACUS Tierpark Hotel lässt die Köpfe hängen. Sie braucht dringend etwas Wasser. Karen Friedel hat sich gerade zum Gespräch auf einen der unzähligen freien Sessel gesetzt, als sie aufspringt und sich um das Dilemma kümmert. Den Concierge hinter der Rezeption bittet sie, die Pflanze zu gießen. So viel Zeit muss sein.

Karen Friedel ist die Direktorin des ABACUS Tierpark Hotel mit seinen 278 Zimmern. Seit mehr als 30 Jahren ist sie mit dem Haus verbunden, fing einst in der Gastronomie an und übernahm mit den Jahren immer mehr Verantwortung. Heute ist sie Chefin von rund 100 Mitarbeiterin, engagiert sich in den Wirtschaftskreisen von Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Karen Friedel ist umtriebig, man könnte sie auch als Energiebündel bezeichnen. Denn Kraft braucht es, ein Vier-Sterne-Hotel zu führen, das keiner Hotelkette angehört und das sich seit Jahren im hart umkämpften Berliner Hotelmarkt gegen die „Großen“ behaupten muss. „Die durchschnittliche Jahresauslastung beträgt um die 68 Prozent“, sagt Karen Friedel. In den vergangenen Jahren wurde das Hotel gegenüber vom Tierpark Berlin immer wieder modernisiert. Und bis vor acht Wochen lief es gut für das Hotel, das einem privaten Unternehmer gehört. Dann aber kam Corona, mit dem Virus eine Reihe von Verordnungen und über Nacht die Anweisung vom Land Berlin, das Haus für Touristen zu schließen und nur noch Geschäftsreisende und Handwerker zu beherbergen. Seit Wochen nun liegt die Auslastung bei gerade einmal 20 Prozent. Alle Beschäftigten, die Direktorin inklusive, sind in Kurzarbeit. Längst ist nicht mehr ausgeschlossen, dass es Kündigungen geben wird, ja sogar geben muss. Denn die wenigen Einnahmen decken kaum die Ausgaben. Es geht an die Substanz. Es geht ums Überleben.

Mongolische Touristen sitzen im ABACUS Tierpark Hotel fest

Die Küche im ABACUS Tierpark Hotel bleibt derzeit kalt. Foto: Marcel Gäding
Die Küche im ABACUS Tierpark Hotel bleibt derzeit kalt. Foto: Marcel Gäding

Das ABACUS Tierpark Hotel hat auf Notbetrieb umgestellt. Lobby, Flure, Restaurant, Wintergarten und Konferenzräume sind verwaist. „Wir sind zur Untätigkeit gezwungen“, sagt Karen Friedel. Und doch versuchen sie und ihre Mitarbeiter, das Hotel am Laufen zu halten. Dazu gehört auch, dass überall Ordnung herrscht, und sei es, dass die Pflanzen in der Lobby nicht die Köpfe hängen lassen. Ab und an checken Handwerker ein, die in Berlin auf Baustellen im Einsatz sind. Außerdem wohnt seit März eine 20-köpfige Delegation aus der Mongolei im ABACUS. Die Männer und Frauen waren zu einem Managerkongress angereist. Seit der Flugverkehr zum Erliegen gekommen ist, sitzen sie in Berlin fest. Für sie und die anderen Dienstreisenden hat man die Zimmer auf vier von insgesamt zehn Etagen offengehalten. Der Rest ist komplett gesperrt. Erst wenige Wochen vor der Corona-Pandemie ließ das Hotel weitere Zimmer renovieren. Die Arbeiten wurden dann mittendrin unterbrochen, die Bauarbeiter nach Hause geschickt. Seitdem ruht die Modernisierung.

„Noch am Freitag, den 13. März, hatten wir volles Haus“, erinnert sich Karen Friedel. Schon wenige Tage später jedoch trat die Eindämmungsverordnung des Landes Berlin in Kraft: Restaurants und Gaststätten mussten schließen, Hotels und Pensionen ihren Betrieb herunterfahren. Nahmen viele Unternehmer zunächst an, dass die Einschränkungen von kurzer Dauer sind, folgte mit jeder Ergänzung der Eindämmungsverordnung die Ernüchterung. Zwar werden die Einschränkungen nach und nach gelockert. Doch der Hotel- und Gastronomiebereich steht offenbar ganz unten auf der Liste der Prioritäten. „Wir warten jeden Tag auf klare Ansagen“, berichtet Karen Friedel. Seit wenigen Tagen ist klar, dass Hotels wieder vom 25. Mai an öffnen dürfen.

Leere Lobby des ABACUS Tierpark Hotel in der Franz-Mett-Straße. Foto: Marcel Gäding
Leere Lobby des ABACUS Tierpark Hotel in der Franz-Mett-Straße. Foto: Marcel Gäding

Auf den Hotel- und Gaststättenverband sei Verlass, auch auf die Berufsgenossenschaft mit ihren Informationsangeboten. Sonst aber habe sich niemand in dem Haus blicken lassen. Parallel musste Karen Friedel eine Reihe von Entscheidungen treffen, um das ABACUS Tierpark Hotel durch die schwierige Zeit zu bringen. „Wir arbeiten nicht kostendeckend“, sagt sie. Aktuell müsse ihr Haus auf Rücklagen zurückgreifen, mit denen normalerweise weiter in das Haus investiert werden soll. Ankündigungen der Politik, die Umsatzsteuer für Restaurants von 19 auf 7 Prozent zu senken, seien schön und gut. Doch das treffe nur auf Speisen zu. „Getränke, mit denen wir einen guten Umsatz machen können, fallen nicht darunter.“ Insofern sei die neue Umsatzsteuerregelung nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In keinem Fall aber kann das ABACUS Tierpark Hotel die Umsatzverluste der vergangenen Monate damit ausgleichen. Derzeit bleibt die Küche des Hauses ohnehin kalt. Lediglich Frühstück darf an die Gäste ausgegeben werden. Wer zu Abend essen will, muss sich etwas bestellen. „Die Lieferdienste geben sich hier die Klinke in die Hand“, sagt Karen Friedel.

Neben dem Notbetrieb sitzt die Direktorin regelmäßig mit ihren Führungskräften zusammen und überlegt, wie das Hotel wieder zur Normalität zurückkehren kann, wenn dies die Verordnungen erlauben. Es werden Pläne für den Konferenzbereich erarbeitet, wonach dort die Zahl der Plätze pro Seminarraum reduziert werden könnten. Auch denkt man darüber nach, wie Tische und Stühle im Restaurant mit dem angeschlossenen Wintergarten platziert werden können. Doch Karen Friedel macht sich nichts vor: Es wird Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern, bis das ABACUS Tierpark Hotel wieder dort sein wird, wo es vor der Krise war.