BUG Verkehrsbau AG: Vom Reichsbahner zum Vorzeigeunternehmer

Jubiläum: Die BUG Verkehrsbau AG feiert 30-jähriges Bestehen in Mahlsdorf. Von Uwe Lemm.

Was wäre wohl aus Martin Thomas geworden, wenn es nicht 1989 die Wende gegeben hätte? Vielleicht wäre der 1956 in Klausdorf − „liegt bei Zossen!“ − Geborene heute wieder bei der Reichsbahn, die er 1988 nach zehnjähriger Betriebszugehörigkeit als Haupttechnologe in der Bahnmeisterei Schöneweide verlassen hatte, oder bei der Interflug, für die er bis zu deren Abwicklung als Clubhaus-Manager tätig war. Die Antwort muss Spekulation bleiben. Ganz real aber stand erst einmal nach der Wende für den studierten Diplom-Ingenieur für Verkehrsbau eine Zeit der Arbeitslosigkeit an.

Doch Abwarten und Jammern war wohl schon damals keine Option für den heute in Köpenick lebenden Unternehmer. Der inzwischen geschiedene Vater eines erwachsenen Sohnes. bekennender Union-Fan und -Sponsor entschied kurzerhand für sich: „Schuster bleib bei deinen Leisten“ und meldete 1990 ein Gewerbe an, das er vor langen Jahren im Studium in Dresden von der Pieke auf gelernt hatte − die Geburtsstunde der Firma BUG Bau und Unterhaltung von Gleisanlagen GmbH hatte geschlagen.

Was vor 30 Jahren ganz bescheiden „mit sieben Mitarbeitern und einer Sekretärin“, so Thomas rückblickend, begonnen hatte, ist heute zu einer Unternehmensgruppe herangewachsen, die sich über den Bezirk Marzahn-Hellersdorf durchaus sehen lassen kann. So beschäftigt das Mutterunternehmen BUG allein ca. 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in der gesamten Firmengruppe sind es derzeit rund 570 Beschäftigte, die hier „in Lohn und Brot stehen“. Dazu zählen auch die 60 Azubis in drei Lehrjahren, die für die Herausforderungen ihres Berufslebens fit gemacht werden.

Martin Thomas hat dabei auf ein kontinuierliches Wachstum seines Unternehmens Wert gelegt: Durch Gründungen und Zukauf umfasst die Firmengruppe inzwischen neben der Mutter- auch sieben Tochterfirmen. Sie alle sind im weitesten Sinne mit Bau und Wartung des Schienennetzes und seiner Infrastruktur befasst. Dies reicht vom Erd- und Kabeltiefbau über die Errichtung von Stark- und Bahnstromanlagen bis hin zur Sicherung von Reparaturkolonnen bei Einsätzen im laufenden Bahnbetrieb. Größter Auftrag ist derzeit das Projekt „ESTW Elektronisches Stellwerk Lichtenberg“, bei dem die BUG von der Deutschen Bahn AG mit der Ausführung der Außenanlagen betraut wurde. Zu diesen Anlagen zählen neben Kabeln und Oberleitungen auch Gleise, Weichen und der Tiefbau. Die Gesamtsumme dieses Auftrags beläuft sich allein auf 25 Mio. Euro, verteilt auf drei Jahre.

Bekenntnis zum Technikdenkmal

Seit einiger Zeit gehört auch der ehemalige Lokschuppen des Bahnbetriebswerks Pasewalk zur Firmengruppe. „Damit wollen wir einen Beitrag zum Erhalt eines sehenswerten Technikdenkmals leisten und eine Brücke zu unserer eigenen Geschichte schlagen“, erläutert der passionierte Liebhaber von automobilen Oldtimern, der deshalb aber keineswegs realitätsfremd ist: „Das Ganze muss sich irgendwann einmal selbst tragen, etwa durch Eintrittsgelder oder Veranstaltung bzw. Tagungen in den vorhandenen Räumen.“

Mit einem Jahresumsatz von 100 Mio. Euro gehört die BUG zu den 30 größten Unternehmen im Feld der rund 175 Mitbewerber in Deutschland. „Doch was wie eine gradlinige Aufwärtsentwicklung aussehen mag, war gelegentlich von heftigsten Turbulenzen begleitet. Noch heute erinnere ich mich mit Schrecken daran, wie einmal Außenstände in Höhe von 3 Mio. Euro partout nicht bezahlt wurden“, verweist Thomas auf gemachte eigene (Horror-)Erfahrungen. Drei Jahre später wurden übrigens die offenen Rechnungen dann doch noch anstandslos beglichen.

Gibt es keine Sorgen im Jahr des 30. Jubiläums? „Uns fehlen wie in vielen anderen Berufsfeldern die Fachkräfte. Selbst mit unseren 60 Azubis können wir nicht mal die altersbedingte Fluktuation in unserem Unternehmen abdecken.“ Schon vor Jahren hat die BUG deshalb ein Bonusprogramm für die Anwerbung geeigneter Mitarbeiter und Auszubildender ins Leben gerufen. Bislang ohne nachhaltigen Erfolg, obwohl die Arbeit nichts mehr mit der stupiden, kräfteraubenden Tätigkeit des Schwellenlegens beim Bau der ersten Eisenbahnstrecken zu tun hat: Wer nur einmal neben der in Betrieb befindlichen riesigen, hochtechnologischen Universalstopfmaschine „Unimat 09-475/45-N Dynamic“ gestanden hat, wird dies sofort bestätigen können.

Hat Martin Thomas eine Zukunftsvision für sein Unternehmen? „Sicher doch. Ich möchte, dass die BUG, die ja für das umweltfreundliche Mobilitätskonzept Schiene arbeitet, selbst noch umweltfreundlicher, etwa beim Einsatz von regenerativen Energien, wird. Unsere Mitarbeiter − langjährige wie neue − sollen stolz darauf sein, in einer klimafreundlichen Firma zu arbeiten“, so der Firmengründer, dessen Sohn sich gerade in der BUG auf die Fortsetzung der Arbeit seines Vaters in ein paar Jahren vorbereitet. An Umweltschutz wie Nachfolge, versichert der (künftige Senior-)Chef glaubhaft, wird bereits nachhaltig gearbeitet.