Neues Konzept für das Kulturforum Hellersdorf

Nach zweijähriger Sanierung nähern sich die Bauarbeiten dem Ende. Der Bezirk will das Haus künftig selbst betreiben. Von Marcel Gäding.

Bauzäune hier, Sandberge dort: Noch haben im Kulturforum Hellersdorf und auf den Außenanlagen die Bauarbeiter das Sagen. Seit Mai 2018 wird das beliebte Kulturhaus in der Carola-Neher-Straße 1 saniert. 2,2 Millionen Euro investiert der Bezirk in das Projekt, wie Kulturstaatssekretär Dr. Torsten Wöhlert (Die Linke) auf eine schriftliche Antwort des Kaulsdorfer Abgeordneten Sven Kohlmeier (SPD) sagte. Kulturstadträtin Juliane Witt (Die Linke) teilte mit, dass die Sanierung im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein soll.

Vom alten Kulturforum bleibt bis auf die markante, u-förmige Architektur kaum etwas übrig – denn das gesamte Haus wird einmal auf links gedreht: neue Fenster, Türen, Fußböden, Innenwände, WC-Anlagen und Heizungen sowie Elektroleitungen stehen auf der Agenda. Viele Arbeiten sind bereits erledigt. Doch in den kommenden Wochen gibt es für die bauausführenden Firmen noch einiges zu tun. Unter anderem entsteht außen eine Klinkerfassade, während im Hauptsaal das Parkett verlegt wird. Zum Schluss sind die Maler an der Reihe und die neue Haustechnik wird „endmontiert“.

Nach Angaben des Kulturstaatssekretärs halten sich die Baukosten im Rahmen. Die veranschlagte Summe von 2,2 Millionen Euro wird nicht überschritten. Allerdings gab es im Bauablauf einige Schwierigkeiten, wie Wöhlert einräumt. „Die Bauverzögerung hat sich aufgrund erhöhter gesetzlicher Vorgaben bei der Schadstoffsanierung ergeben, die zum Zeitpunkt der Planung noch nicht bekannt waren und aufgrund von Schwierigkeiten bei der Auftragsvergabe, da ausführende Firmen momentan zu stark beansprucht werden“, teilt Wöhlert mit. „Die Sanierung des Hauses mit Mitteln aus dem Stadtumbau Ost Programm läuft langsamer als erwartet, soll aber zum 3. Quartal 2020 abgeschlossen sein“, erklärte Juliane Witt (Die Linke), Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Kultur, Soziales und Facility Management in Marzahn-Hellersdorf, noch vorm Jahreswechsel.

Kulturring in Berlin ist nicht mehr Betreiber

Der Verein Kulturring allerdings kehrt nicht mehr als Betreiber des Kulturforums zurück. Er hatte das Haus 15 Jahre lang als Kultur- und Veranstaltungsstätte genutzt. „Nach Abschluss der Sanierung soll das Kulturforum als bezirkliche Einrichtung durch den Fachbereich Kultur des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf betrieben werden“, sagt Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert. Geplant ist eine „Mehrfachnutzung“, Marzahn-Hellersdorfs Kulturamtsleiter Jan Frontzek spricht von einem kommunalen Kulturhaus: So zieht die Jugendkunstschule ins Gebäude, darüber hinaus will der Bezirk das Kulturforum für Veranstaltungen Dritter öffnen. Das bislang von der Jugendkunstschule genutzte Gebäude am Kummerower Ring hingegen dient künftig als Ausweichstandort für die Volkshochschule, deren Campus ab dem kommenden Jahr um- und ausgebaut wird.

Im Kulturforum verdoppelt sich hingegen die Nutzfläche der Jugendkunstschule nahezu von 375 Quadratmeter am Kummerower Ring auf künftig rund 700 Quadratmeter in der Carola-Neher-Straße. Geplant ist nach Angaben des Bezirksamtes ein „Ort für kulturelle Bildung“ mit Kursen und Workshops für Kinder und Jugendliche. Mit dem Ballett- und Theatersaal würden die Raumstrukturen optimiert. „Rechnerisch sind durch die parallele Nutzung der Säle jährlich rund 4.500 Kursstunden allein im Tagesformat möglich. Dazu kommt das Erweiterungspotenzial bei mobiler Teilung des großen Saals um jährlich ca. 1.500 Stunden zusätzlich“, heißt es in der Antwort auf die schriftliche Anfrage.

Ideen werden öffentlich gesammelt

Wie konkret das Kulturforum künftig auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann, soll dem Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung zeitnah mitgeteilt werden, erklärt der Bezirk. „Zur Entwicklung und Umsetzung des geplanten Kulturangebotes im Kulturforum wird es, voraussichtlich bereits im Jahr 2020 einen öffentlichen Aufruf zur Ideensammlung geben.“ Dieser Aufruf richte sich sowohl an Privatpersonen als auch an Träger, an erfahrene und etablierte ebenso wie an neue Initiativen und engagierte Bürgerinnen und Bürger.

„Das Kulturforum wird einerseits dem erweiterten Angebot der Jugendkunstschule Marzahn-Hellersdorf ausreichend Platz und zusätzlich an den Abenden und Wochenenden wieder Raum für Nutzende aller Altersgruppen aus dem Kiez, dem Bezirk und der Region für Veranstaltungen in den Sparten bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater und Literatur bieten“, erklärt Jan Frontzek. Juliane Witt sagt: „Mehrere Vereine und Partner aus dem Stadtteil haben sich bereits im Kulturamt gemeldet und ihr Interesse geäußert, u.a. soll die Kinderoper Marzahn, die derzeit noch im mietpflichtig im Freizeitforum beheimatet und damit auch gefährdet ist, hier eine Heimat finden.“

Mit Spannung sieht Lutz Wunder, der Vorstandsvorsitzende des Kulturrings in Berlin e.V., dem öffentlichen Aufruf zur Ideensammlung entgegen. Es sei zwar traurig, „dass man ein so erfolgreich geführtes Haus verliert“, sagt Wunder auf Nachfrage des Bezirks-Journals. Andererseits verstehe sich sein Verein als Partner des Bezirks. „Nun muss man erst einmal abwarten, wie die Vorstellungen des Bezirks sind.“ Verärgert darüber, dass das Haus nicht mehr von einem freien Träger wie dem Kulturring betrieben wird, ist Wunder nicht. „Bis 2002 waren wir auch nur Mitnutzer des Kulturforums“, sagt er.

Hintergrund: Einst als Jugendclub geplant

Das Kulturforum in der Carola-Neher-Straße 1 ist nach Darstellung des Bezirks­amtes die größte Kultureinrichtung in Hellersdorf. Es wurde zu DDR-Zeiten als Jugendclub geplant und von 1990 bis 1992 gebaut. Eröffnung war am 15./16. Februar 1992. Seither diente das Kulturforum als Kultureinrichtung für Veranstaltungen und Ausstellungen. 15 Jahre lang nutzte der Verein Kulturring die Einrichtung. Im Mai 2018 begann der Bezirk mit der Sanierung des Gebäudes, die umfassend ist: So wurden Sanitäranlagen erneuert, die Fassade gedämmt, Fenster und Lüftungsanlagen ersetzt. Die gesamte Haustechnik ließ der Bezirk auf den neuesten Stand bringen. Zudem wurden Wände, Decken und Bodenbeläge erneuert.