Baumfällungen sorgen für Unmut bei AnwohnerInnen

Nur noch 60 Zentimeter hohe Stümpfe sind von acht Bäumen vor Wohnhäusern am Buckower Ring in Berlin-Hellersdorf übrig. Der Bezirk verspricht Nachpflanzungen. Foto: Marcel Gäding
Nur noch 60 Zentimeter hohe Stümpfe sind von acht Bäumen vor Wohnhäusern am Buckower Ring in Berlin-Hellersdorf übrig. Der Bezirk verspricht Nachpflanzungen. Foto: Marcel Gäding

Bis Ende Februar dröhnten überall im Bezirk Motorkettensägen, an vielen Orten gab es Baumfällungen. Gefällt wurde, was nicht standfest war oder neuen Bauvorhaben im Wege stand. Die Gründe für die Arbeiten sind vielfältig. Einige Beispiele aus Hellersdorf.

Jahrelang blickte Mathias Linke von seinem Fenster aus auf große Pappeln und eine Birke. Doch im Januar rückte ein Trupp von Baumfällern an. Innerhalb weniger Stunden waren die acht Bäume am Buckower Ring verschwunden. „Jetzt stehen hier acht Stümpfe wie Mahnmäler nach einem Bombenangriff und vermitteln ein wenig einladendes Bild“, schreibt Linke in einem offenen Brief an das Straßen- und Grünflächenamt von Marzahn-Hellersdorf, der dem Bezirks-Journal vorliegt. „Mal ganz davon abgesehen, dass nach Kabel-Verlegearbeiten im vergangenen Jahr der Rasen auf den Grünflächen nicht erneuert wurde und es einer Mondlandschaft gleicht. Systematisch wurde alles Grün innerhalb eines Jahres zerstört oder vernichtet!“, schreibt der Hellersdorfer. Ein guter Grund für das Bezirks-Journal, der Sache nachzugehen.

Bis Ende Februar dröhnten überall im Bezirk Motorkettensägen – und das hatte einen banalen Grund: Nach § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, „Bäume, die außerhalb des Waldes, […] stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen“. In der besagten Zeit sind Bäume und Sträucher für die heimische Tierwelt von besonderer Bedeutung. Daher sieht der Gesetzgeber hierfür einen besonderen Schutz vor. Und so nutzten öffentliche und private Auftraggeber die Wintermonate, um Bäume zu fällen und Sträucher zu beseitigen.

Im Fall der acht Bäume am Buckower Ring ging es um die „Stand- und Bruchsicherheit“, wie die zuständige Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) auf Nachfrage mitteilt. Dort und an drei weiteren Standorten mussten insgesamt 19 Pappeln gefällt werden. „Extreme Windbrüchigkeit und massive Wurzelhubschäden an den stark überalterten Pappelbeständen im Straßenland verpflichten den Fachbereich Grün zum Handeln und zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit.“ Die teilweise mehr als 35 Jahre alten Bäume galten als „überaltert“. Experten bescheinigten „Vitalitätsverluste“ in Form von Fäulnisherden an Stamm und Wurzel der Bäume. Dadurch seien Kronen und Äste ausgebrochen. „Dieser Zustand stellte eine unmittelbare, erhebliche Gefahr für Rechtsgüter wie Gesundheit und Leben, aber auch erhebliche Sachschäden dar.“ An gleicher Stelle sollen jedoch ab Herbst dieses Jahres neue Bäume gepflanzt werden.

Ganz anders stellt sich die Situation an der Gothaer Straße in Hellersdorf dar. Dort plant die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND ein neues Quartier mit 154 Wohnungen. Allerdings war die Fläche mit Bäumen und Sträuchern bewachsen, die nun gefällt wurden. Das ärgerte eine Anwohnerin so sehr, dass sie sich ans Bezirks-Journal wandte: „Heimische Vögel wurden verunsichert, suchten nach dem gewohnten Grün, das plötzlich verschwunden war.“ Schwierig wird es jedoch für die Tierwelt, in der Nachbarschaft Ausweichmöglichkeiten zu finden. Denn nur wenige Hundert Meter entfernt wurden rund um das frühere Gut Hellersdorf ebenfalls zahlreiche Bäume gefällt – teilweise von stattlicher Statur. Wie Nadja Zivcovic sagt, stünden die Baumfällungen im Zusammenhang „mit dem Abriss von Gebäuden und dem Rückbau von befestigten Flächen“. Die GESOBAU AG als Eigentümerin beabsichtige, Wohn-, Büro- und Geschäftshäuser zu bauen und bestehende, denkmalgeschützte Häuser in das Bauvorhaben einzubeziehen. „Die GESOBAU AG wird, soweit die Flächen ausreichen, entsprechend den Fällgenehmigungen Ersatzpflanzungen vornehmen oder bei fehlendem Platz die Ausgleichsabgabe leisten.“ (gäd.)