„Außerordentliche Leistung“: Beate Kitzmann bekommt den Berliner Naturschutzpreis

Beate Kitzmann vor der Streuobstwiese in Falkenberg. Sie engagiert sich dafür, dass alte Obstsorten erhalten bleiben. Foto: Marcel Gäding
Beate Kitzmann vor der Streuobstwiese in Falkenberg. Sie engagiert sich dafür, dass alte Obstsorten erhalten bleiben. Foto: Marcel Gäding

Die Stiftung Naturschutz würdigt das Engagement der Diplom-Biologin Beate Kitzmann, die unter anderem in Malchow einen Naturhof aufgebaut hat. Sie erhält den diesjährigen Berliner Naturschutzpreis.

Beate Kitzmann hat wohl einen der schönsten Jobs in der Stadt: Neben ihrem Arbeitsplatz auf dem Naturhof im Lichtenberg Ortsteil Malchow verantwortet sie Beweidungsprojekte in der Barnimer Feldmark, Streuobstwiesen in Falkenberg und Umweltbildungsprojekte. Seit 27 Jahren engagiert sich die Diplom-Biologin unaufgeregt, aber beharrlich für die Belange des Umwelt- und Naturschutzes im Nordosten Berlins. Nun erhält sie dafür den Berliner Naturschutzpreis.

Wer zu Beate Kitzmann ins Büro will, muss zunächst einen mit Kopfsteinpflaster gestalteten Hof passieren, kommt an einem kleinen Hofladen vorbei und kann einen Blick auf ein Süßwasseraquarium werfen. Im Sommer werden Besucher mitunter vom Klappern der Störche begrüßt, die auf einem Schornstein residieren.

„Für Beate Kitzmann ist ihr Beruf Berufung. Sie kämpft, sie streitet, sie ist – wie sie selbst von sich sagt – eine Besessene“, schreibt die Stiftung Naturschutz in der Begründung, warum der 32. Berliner Naturschutzpreis in diesem Jahr an die Diplom-Biologin geht. Mit dem Preis werden außerordentliche Leistungen für den Natur- und Umweltschutz gewürdigt. „Als Geschäftsführerin des Naturhofs Malchow arbeitet Beate Kitzmann weit über das übliche Maß hinaus daran, die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu verstehen, zu schützen und das wertvolle Wissen weiterzugeben.“ Die Umweltbildung sei hierbei ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. „Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass die Naturschutzstation Malchow sich von einer zubetonierten Liegenschaft der Staatssicherheit der DDR zu einer wichtigen und anerkannten Umweltbildungseinrichtung entwickelt hat.“

Wenn man so will, ist dieser 9.800 Quadratmeter große Naturhof das Lebenswerk von Beate Kitzmann, die allerdings nicht müde wird darauf hinzuweisen, dass das alles nur mit den vielen Menschen möglich geworden ist, die sie über all die Jahre ihres Wirkens begleitet haben. Wo früher die Stasi Garagen nutzte, befinden sich nun eine Naturschutzscheune mit einer Ausstellung, das Storchencafé und das Süßwasseraquarium, in dem die Fischwelt des nahe gelegenen Malchower Sees studiert werden kann. Ein alter Stall beherbergt den Naturhofladen mit heimischen und regionalen Spezialitäten. Der große Garten lädt zu vielen hautnahen Naturerlebnissen ein: Bienenhaus und Vogelbungalow, Schmetterlingshaus und Sinnesgarten, Fledermausbeet und Storchennest – für jede Altersgruppe und zu jeder Jahreszeit ist es hier spannend. Derzeit besteht das Team des Vereins aus 32 Mitarbeitern und 60 Vereinsmitgliedern. „Ohne Team und Vereinsmitarbeiter ist man ja gar nichts“, sagt Beate Kitzmann.

Mit der einstigen Naturschutzstation Malchow, die seit einigen Jahren Naturhof heißt, wurde auch der Grundstein für weitere Projekte des Vereins „Naturschutz Berlin Malchow“ gelegt, dessen Geschäftsführerin Beate Kitzmann ist. Der Verein betreibt unter anderem das Naturschutzzentrum Schleipfuhl in Marzahn-Hellersdorf sowie das Umweltbüro Lichtenberg. Jedes Jahr interessieren sich rund 30.000 Menschen für die Veranstaltungen rund um Naturschutz, Umwelt, Arten- und Biotopschutz, Landwirtschaft und Ökolandbau. Ganz neu sind die beiden Koordinierungsstellen Umweltbildung, die der Verein im Auftrag der Bezirksämter Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg betreibt. Ihr Motto: „Raus in die freie Wildbahn.“ Kinder sollten draußen in der Natur Erfahrungen sammeln und ein Bewusstsein für eine intakte Natur entwickeln. „Wir brauchen Menschen wie Frau Kitzmann, die beharrlich für den Natur- und Umweltschutz wirken, deren Begeisterung ansteckend wirkt und die dazu beitragen, künftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen“, sagt Stefan Tidow (Bündnis 90/ Die Grünen), Umweltstaatssekretär und Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz.

Sie habe den Berliner Naturschutzpreis in besonderem Maße verdient, sagt Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). Er kennt Beate Kitzmann noch aus seiner Zeit als Bezirksverordneter. Einige Jahre saß Kitzmann für die Bündnisgrünen im Bezirksparlament. „Gern erinnere ich mich an unseren gemeinsamen Kampf gegen den Neubau eines Steinkohlekraftwerks in Rummelsburg.“ Der Bezirk sei stolz, Beate Kitzmann als wichtige Partnerin an der Seite zu haben, sagt Umweltstadtrat Martin Schaefer (CDU): „Der gesamte Bezirk und das Bezirksamt profitieren von ihrer unermüdlichen Arbeit für den Natur- und Umweltschutz.“

Weil die Preisverleihung coronabedingt ohne Publikum stattfand, hat sich die Stiftung Naturschutz Berlin für eine besondere Form der Anerkennung entschieden: In einem Film, moderiert von RBB-Umweltjournalist Helmuth Henneberg, kommen nicht nur Wegbegleiter zu Wort. Dort ist auch das vielfältige Engagement der Biologin und ihres Teams zu sehen. Der Film ist online unter https://youtu.be/hp2CgIFgIPo abrufbar.

Ans Aufhören denkt Beate Kitzmann noch lange nicht. „Ich habe nichts Weiteres vor, als die Welt zu retten“, sagt sie in dem Film. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch und viele weitere erfolgreiche Jahre für die Stadtnatur! (gäd.)