Anlieger fordern Grillverbot im Fennpfuhlpark

Die Grillplätze am Ufer vom Fennpfuhl sind für die Anwohner der umliegenden Großsiedlung ein Ärgernis. Lärm, Müll und Gestank zerren an deren Nerven. Foto: Marcel Gäding
Die Grillplätze am Ufer vom Fennpfuhl sind für die Anwohner der umliegenden Großsiedlung ein Ärgernis. Lärm, Müll und Gestank zerren an deren Nerven. Foto: Marcel Gäding

Müll, Vandalismus und lautstarke Partys sorgen zunehmend für Ärger am Fennpfuhlpark in lichtenberg. Der Bezirk zeigt Verständnis – und sucht jetzt nach Ideen, dem Problem zu begegnen. Von Marcel Gäding.

An diesem grauen Tag ist der Grillplatz am Fennpfuhl verwaist. Enten flattern über das kleine Gewässer, das dem Stadtteil zwischen Landsberger Allee und Weißenseer Weg den Namen gab. Ginge es nach Wolfgang Looß, dann könnte diese Idylle immer so sein. Doch der Unternehmer, der im Kiez die „Villa am Fennpfuhl“ als Veranstaltungsort betreibt, denkt jetzt schon sorgenvoll an die kommende warme Jahreszeit. „Dann zieht es die Leute wieder aus der ganzen Stadt hierher, um zu grillen, zu feiern und unseren Park zu vermüllen.“

Berlinweit gibt es nur wenige Bezirke mit öffentlich ausgewiesenen Grillplätzen. Das führt dazu, dass mit den ersten Sonnenstrahlen der Grillplatz im Fennpfuhl von zahlreichen Menschen belagert wird. „Vor allem im Sommer steigen dann Rauchschwaden auf“, berichtet ein Anwohner. Zudem werde mit lautstarker Musik gefeiert, oft bis in die Morgenstunden. Wer am nächsten Tag dann an der Stelle im Fennpfuhlpark, an dem drei Grills stehen, spazieren geht, sieht Müll – auf Wegen oder sogar im Wasser des stehenden Gewässers.

Im Jahr 2007 hat der Unternehmer Wolfgang Looß die „Villa am Fennpfuhl“ gekauft, hergerichtet und vermietet sie seitdem für Veranstaltungen wie Hochzeitsfeiern oder Tagungen. „Ich habe das Gebäude zu einer hochwertigen Location entwickelt“, sagt Looß. Mit der Zeit wurde es im Fennpfuhlpark, der die Villa umgibt, jedoch immer schlimmer. Seither verwahrlose die Grünanlage zunehmend. „Der Müll der Griller zieht Ratten an“, berichtet Looß. „Ich kann die Tür zur Villa nicht offenstehen lassen, weil ich Angst habe, dass die Nager ins Haus kommen.“ Täglich flitzen Ratten über das Grundstück.

Vergangenes Jahr gründete Looß mit anderen Anliegern eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Sauberer Fennpfuhl“. Deren Mitglieder sind genervt von den Zuständen im Park. Das größte Ärgernis stellt ihrer Meinung nach der öffentliche Grillplatz dar. „Es kann doch nicht das Ziel sein, den Park zu einer überregionalen Grillstation zu machen“, sagt Looß. Einen ersten kleinen Erfolg hat die Bürgerinitiative inzwischen erreicht: Im Herbst beschloss die Bezirksverordnetenversammlung einen Antrag mehrerer Fraktionen. Darin wird gefordert, dass das Bezirksamt bis Februar dieses Jahres gemeinsam mit Ordnungsamt, Polizei, der Stadtteilkoordination und dem Bürgerverein Fennpfuhl e.V. eine Lagebewertung vornimmt und noch rechtzeitig vor der neuen Saison Entscheidungen trifft. „Wir fordern klar, die Grillplätze zu schließen“, sagt Wolfgang Looß.

Der für die Grünflächen in Lichtenberg zuständige Bezirksstadtrat Martin Schaefer (CDU) sieht die Angelegenheit als eine Herausforderung. Er weiß um die Probleme im Fennpfuhl und berichtet, dass auch der Stadtpark an der Parkaue ein beliebter Ort ist, an dem sich Menschen im Sommer sammeln. Bei einer Begehung im vergangenen Jahr sah er, wie dort eine größere Gruppe ein ganzes Schwein grillte. Das Ausmaß der intensiven Nutzung werde meist nach den Wochenenden deutlich, wenn die Hinterlassenschaften der Griller überall herumliegen.

Für den Fennpfuhl habe man sich intern darauf verständigt, in den kommenden Wochen mit allen Akteuren einen Vor-Ort-Termin wahrzunehmen. „Allerdings ist im Fennpfuhl auch schon einiges passiert“, sagt Schaefer. Dazu gehöre unter anderem der Einsatz von Parkmanagern. „Die sprechen Passanten, die ihren Müll achtlos wegwerfen, an.“ Auch sei man in Sachen Öffentlichkeitsarbeit kreativ: So befinden sich am Ufer des Fennpfuhls Schilder, auf denen davor gewarnt wird, die Enten zu füttern. Reste des Brotes zögen Ratten an. Allerdings wendet sich Martin Schaefer gegen ein generelles Grillverbot. „Das wird nicht dazu führen, dass Leute aufhören, in Parkanlagen zu grillen.“ Er könnte sich vorstellen, Kiezgärten einzurichten. Solche umzäunten Anlagen gibt es bereits in der Heinrichstraße und am Münsterlandplatz. Über Vereine können sich Interessenten die Schlüssel für die Gärten besorgen und dort grillen. So etwas sei grundsätzlich auch in den Großsiedlungen wie dem Fennpfuhl denkbar. „Wir werden den Dialog mit Wohnungsbaugenossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften suchen“, kündigt Schaefer an. Ziel soll es sein, dass diese ihre Innenhöfe zu Kiezgärten umgestalten. Aus seiner Sicht muss aber eine berlinweite Lösung her. Im Ausschuss für Öffentliche Ordnung beim Rat der Bürgermeister wolle er das Thema einbringen.