Ärztliche Versorgung: Vereinigung will 130 Praxen besetzen

Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick gehören zu den Bezirken, in denen die meisten Hausarztpraxen fehlen. Foto: Marcel Gäding
Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick gehören zu den Bezirken, in denen die meisten Hausarztpraxen fehlen. Foto: Marcel Gäding

Die Kassenärztliche Vereinigung will die ärztliche Versorgung im Berliner Osten verbessern und kündigt Investitionen in Höhe von 21 Millionen Euro in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick an.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin will die Hausarztversorgung in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick verbessern. Die Organisation plant eine Investition von 21 Millionen Euro, um in den drei Bezirken Hausärzte anzusiedeln. „Dabei handelt es sich um das umfangreichste Förderprogramm zur Verbesserung der Hausarztversorgung, das in Berlin jemals aufgelegt wurde. Umso mehr freuen wir uns, dass uns die Vertragsärzteschaft bei den Vorbereitungen intensiv unterstützt und auch unsere Vertreterversammlung grünes Licht gegeben hat“, heißt es.

Starten soll das von der Vertreterversammlung der KV beschlossene Förderprogramm am 1. Januar kommenden Jahres. Es erstreckt sich über mehrere Jahre. Unter anderem sollen mit Hilfe regionaler Krankenkassen Ärzte finanziell unterstützt werden, die eine Praxis übernehmen oder neu eröffnen. Die Kassenärztliche Vereinigung plant zudem, eigene Einrichtungen zu betreiben, in denen Ärzte angestellt werden – mit der Option, dass die Mediziner die Praxen später übernehmen. „Die Etablierung von Eigeneinrichtungen ist ein Novum in der Geschichte der KV Berlin. Diese sollen in Bezirken betrieben werden, in denen ein Hausarztmangel festgestellt wurde. Dies ist aktuell in den Bezirken Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick der Fall. Die Eröffnung der ersten Eigeneinrichtungen ist für die zweite Jahreshälfte 2022 geplant.“ Derzeit sind in den drei Bezirken 130 Vertragsarztsitze offen.

„In einem vorbereitenden Gespräch zwischen uns und dem Vorstand haben wir eine enge Zusammenarbeit zwischen der KV und den Bezirksämtern verabredet und wir haben die notwendige Arbeitsstruktur geschaffen, um die Umsetzung des Programms in unseren Bezirken zu unterstützen“, erklären Dagmar Pohle, Bezirksbürgermeisterin in Marzahn-Hellersdorf, und Michael Grunst, Bezirksbürgermeister in Lichtenberg (beide Die Linke). Die Politiker begrüßen das neue Förderprogramm ausdrücklich, nachdem bereits unter Federführung des damaligen Gesundheitssenators Mario Czaja (CDU) Versuche gescheitert waren, Nachfolger für unbesetzte Hausarztpraxen zu finden.

Um den ärztlichen Nachwuchs früh an die Hausarztversorgung heranzuführen, unterstützt die KV darüber hinaus einmonatige Famulaturen in Hausarztpraxen und wird pro Jahr an je fünf Medizinstudierende aus Berlin und Brandenburg 3-Jahres-Stipendien in Höhe von monatlich 500 Euro vergeben. Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiaten, nach ihrer Weiterbildung in der Allgemeinmedizin in einem von der KV Berlin ausgewiesenen Fördergebiet für mindestens drei Jahre vertragsärztlich tätig zu sein.

Für die Betreibung der Eigenrichtungen wird die KV Praxis Berlin GmbH gegründet. Die Geschäftsführung wird Susanne Hemmen übernehmen. Sie ist seit 2018 als Referentin in der KV-Unternehmensplanung tätig.  Alle Fördermaßnahmen auf einen Blick: kvberlin.de/förderprogramm-niederlassung. (bzj.)