Die Marzahner und Hellersdorfer finden zunehmend Gefallen daran, sich mit der Geschichte ihrer Region zu beschäftigen. Wie der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf am Mittwoch mitteilte, werden Vorträge, Führungen und Exkursionen inzwischen so gut angenommen, dass die Plätze für diese Veranstaltungen zuweilen knapp werden. Von Marcel Gäding.

Präsentierten am Mittwoch zwei neue Bücher zur Regionalgeschichte: Wolfgang Brauer, Dr. Christa Hübner und Claas Reise (v.l.n.r.) vom Heimatverein Marzahn-Hellersdorf. Foto: Marcel Gäding
Präsentierten am Mittwoch zwei neue Bücher zur Regionalgeschichte und die neue Vereins-Chronik: Wolfgang Brauer, Dr. Christa Hübner und Claas Reise (v.l.n.r.) vom Heimatverein Marzahn-Hellersdorf. Foto: Marcel Gäding

MARZAHN-HELLERSDORF. Wenn der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf zu einem Vortrag – etwa über Künstler oder bekannte historische Pesönlichkeiten – einlädt, kann es passieren, dass die Stühle nicht ausreichen oder sogar ein neuer, größerer Veranstaltungsort gesucht werden. Und das passiert in letzter Zeit immer häufiger. „Wir erfahren, dass das Interesse an Regionalgeschichte zugenommen hat“, sagt Wolfgang Brauer, der Vorsitzende des Heimatvereins – und erinnert sich beispielsweise an einen Vortrag, der vor einigen Monaten in der Heinrich-von-Kleist-Bibliothek gehalten wurde. „Da denkt man, dass dorthin die üblichen Interessierten kommen, und plötzlich ist die Hütte voll“, sagt Brauer. Für ihn und die 140 Mitglieder des Heimatvereins ist das ein Zeichen, dass das Interesse an Geschichte da ist.

Für die Mitglieder des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf ist die wachsende Begeisterung für regionale Geschichte ein Beleg dafür, dass sie mit ihren Projekten meist ins schwarze Treffen. Dieses Jahr blickt der aus dem „Heimatverein Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf“ und dem „Heimatverein Marzahn“ entstandene Zusammenschluss von Geschichtsfreunden auf sein 25-jähriges Bestehen zurück. Und die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Denn neben Führungen, Vorträgen und Exkursionen in das Berliner Umland richtet der Heimatverein jedes Jahr den „Tag der Regional- und Heimatgeschichte“ aus. Im Ergebnis wird die Schriftreihe „Beiträge zur Regionalgeschichte“ fortgeschrieben, in denen sich die Referate der Heimathistoriker und Ortschronisten wiederfinden.

Am Mittwoch präsentierte Vize-Vereinsvorsitzende Dr. Christa Hübner die Bände „Zur Sportgeschichte von Marzahn-Hellersdorf“ und „Besiedlung, Bevölkerung, Migration“, die ab sofort in den Buchhandlungen des Bezirks für sechs bzw. sieben Euro erhältlich sind. Vor allem das jüngste Büchlein über die Besiedlung von Marzahn und Hellersdorf ist hoch aktuell. „Als wir das Thema im Jahr 2014 aufgriffen, wussten wir nicht, welche Dimension und gesellschaftliche Brisanz es annehmen würde“, sagt Historikerin Hübner. In dem 200 Seiten starken Heft schlagen die Autoren einen Bogen von der Besiedlung vor 10.000 Jahren durch Slawen und Germanen bis hin zur jüngeren Vergangenheit, etwa der Ansiedlung von vietnamesischen Gastarbeitern in den 1980er-Jahren oder der Unterbringung von Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien kurz nach dem Fall der Mauer oder der Rückkehr der Spätaussiedler aus der früheren Sowjetunion. „Wichtig ist uns, die Diskussion um geflüchtete Menschen zu versachlichen und deutlich zu machen, dass das, was wir jetzt erleben, in Marzahn-Hellersdorf nichts Neues ist“, sagt Hübner. Stolz ist man beim Heimatverein auch über den im Frühjahr 2015 veröffentlichten Band zur Sportgeschichte von Marzahn-Hellersdorf – ein wissenswertes Kompendium, das es in dieser Form bislang nicht gab.

Unterdessen bereitet der Heimatverein seinen nächsten Tag der Regional- und Heimatgeschichte vor, der am 5. November von 10 bis 16 Uhr stattfindet und sich der Geschichte der Kirchen im Bezirk widmet. Eine genaue Tagesordnung und der Tagungsort selbst gibt es noch nicht. Für den 11. Juni ist zudem eine Exkursion nach Jüterbog und Wiepersdorf geplant. Dort wurde vor 499 Jahren der Grundstein für die Reformation gelegt.

Doch bei aller Freude über das zunehmende Interesse an Regionalgeschichte: Die Zahl der Mitglieder stagniert. Es sind vor allem ältere Menschen, die sich im Heimatverein engagieren. Wolfgang Brauer hofft daher sehnsüchtig, auch jüngere Leute in seinen Reihen begrüßen zu können. Dabei ist es nicht notwenig, unbedingt Geschichte studiert zu haben.

Mehr Informationen, Termine und Veröffentlichungen:

Heimatverein Marzahn-Hellersdorf im Internet

veröffentlicht am 24. Februar 2016

Heimatgeschichte: Verein freut sich über „volle Hütten“
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