Die Bezirksverwaltung von Lichtenberg denkt darüber nach, welche Alternativen es zum Auto gibt. Ein Experte soll mit den Angestellten und Beamten ein Mobilitätskonzept erarbeiten. Eine Vision: Künftig steht ein Fuhrpark aus Elektroautos zur Verfügung. Eine andere ist der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad. Auch Unternehmen aus Lichtenberg sollen für diese Idee gewonnen werden. Von Marcel Gäding.

Vize-Bezirksbürgermeister Dr. Andreas Prüfer und Klimaschutzbeauftragte Kirsten Schindler schauen sich interessiert das Dienstfahrrad von Michael Schramek an. Der Chef der EcoLibro GmbH hat in drei Jahren 20.000 Kilometer zurückgelegt. Foto: Marcel Gäding
Vize-Bezirksbürgermeister Dr. Andreas Prüfer und Klimaschutzbeauftragte Kirsten Schindler schauen sich interessiert das Dienstfahrrad von Michael Schramek an. Der Chef der EcoLibro GmbH hat in drei Jahren 20.000 Kilometer zurückgelegt. Foto: Marcel Gäding

LICHTENBERG. Seit einigen Monaten sind die Mitarbeiter der ostwestfälischen Stadt Paderborn mit Elektroautos, Fahrrädern und Elektro-Motorrollern unterwegs. Und nicht nur das: Viele Angestellte kommen jetzt mit Bahn und Fahrrad in die Verwaltung, lassen ihr privates Auto stehen. Im städtischen Fuhrpark befinden sich neuerdings zudem zwei strombetriebene Dienstfahrzeuge. Was in der 145.000 Einwohner zählenden Stadt bereits gut funktioniert, könnte bald auch auf den Berliner Bezirk Lichtenberg übertragen werden. Bis zum Sommer soll für die Bezirksverwaltung von Lichtenberg ein Mobilitätskonzept vorliegen.

Wie Vize-Bezirksbürgermeister Dr. Andreas Prüfer (DIE LINKE) am Montag sagte, wurde im Rahmen des bundesweiten Modellprojekts „Mobil.Pro.Fit“ eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen. Gut 13.000 Euro investiert der Bezirk mit finanzieller Unterstützung des Bundesumweltministeriums in die Erarbeitung eines Mobilitätskonzeptes. „Einerseits müssen die Angestellten irgendwie zur Arbeit kommen“, sagte Prüfer. Andererseits seien viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tagsüber dienstlich im Bezirk unterwegs. Im Jahr 2012 legten die Angestellten einer internen Statistik zufolge rund 140.000 dienstliche Kilometer zurück – entweder mit privatem Pkw oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Allein das bezirkliche Jugendamt kam in dem Jahr auf 3.700 Dienstfahrten innerhalb des Bezirks und Berlins.

Die EcoLibro GmbH aus Troisdorf bei Bonn soll nun herausfinden, wer wann welches Verkehrsmittel auf dem weg von und zur Arbeit sowie während des Dienstes nutzt – und im Ergebnis Vorschläge unterbreiten, wo man gegebenenfalls auf das Auto verzichten kann. Hintergrund ist das Lichtenberger Klimaschutzkonzept, in dem konkrete Vorschläge enthalten sind, wie man den CO2-Ausstoß nachhaltig reduzieren kann.

In einer ersten Erhebung fand Geschäftsführer Michael Schramek vergangene Woche bereits heraus, dass 392 der rund 1.000 Verwaltungsmitarbeiter im Umkreis von bis zu zehn Kilometern vom Rathaus oder einem der anderen beiden Verwaltungsstandorte an der Große-Leege-Straße (Alt-Hohenschönhausen) beziehungsweise Alt-Friedrichsfelde wohnen. Sie leben in „Radfahrentfernung“, wie Schramek sagt. Konkret heißt dies: Wer bislang mit dem Auto zur Verwaltung fährt, könnte seinen Weg auch auf zwei Rädern absolvieren. „Eine Studie belegt, dass Mitarbeiter, die mit dem Rad zur Arbeit kommen, ein Drittel weniger krank sind als Angestellte, die den Pkw nutzen.“ Außerdem seien Mitarbeiter, die sich auf dem Arbeitsweg körperlich betätigen, kreativer und innovativer. Schramek kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Er selbst nutzt ein faltbares Elektrofahrrad und legt damit täglich bis zu 30 Kilometer zurück.

Schneller mit dem Elektrofahrrad ans Ziel

Allerdings muss jetzt kein Verwaltungsangestellter befürchten, dass er auf das Fahrrad gezwungen wird. In erster Linie soll das zu erarbeitende Mobilitätskonzept der Verwaltung und deren Mitarbeitern Möglichkeiten und Alternativen aufzeigen. Dafür wird es neben statistischen Erhebungen auch Interviewrunden mit Angestellten sowie Workshops geben. „Mitunter ist man mit dem Fahrrad oder dem Elektrofahrrad schneller“, sagte Schramek. Im Fokus stehe einerseits die Gesundheitsförderung, andererseits sollen Kosten und der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid reduziert werden.

Nicht nur über die Anschaffung von Elektrofahrrädern wird im Bezirksamt laut nachgedacht. Eine Möglichkeit könnte auch sein, dass der Verwaltung ein Pool von Elektrofahrzeugen zur Verfügung gestellt wird und einige der rund 70 Benzin-Dienstfahrzeuge ersetzt. Verschiedene Anfragen an sogenannte Carsharing-Anbieter hätten ergeben, dass das Interesse an solchen Projekten groß ist, erklärte die bezirkliche Klimaschutzbeauftragte Kirsten Schindler am Montag. Vize-Bezirksbürgermeister Andreas Prüfer kann sich beispielsweise gut vorstellen, die bisherigen benzinbetriebenen Streifenwagen des Ordnungsamtes gegen E-Autos zu tauschen. Allerdings gibt es da ein Problem: „Momentan scheitern wir da am Geld, weil es keine vernünftigen, bezahlbaren Leasingangebote gibt.“ Derzeit seien die monatlichen Kosten für ein Elektroauto fünfmal so teuer wie für einen Benziner. Ein eigener Fahrzeugpool von Carsharing-Autos könnte den einen oder anderen Mitarbeiter überzeugen, sein privates Fahrzeug stehen zu lassen. Das Bezirksamt verfüge beispielsweise am Standort Große-Leege-Straße über ausreichend Platz für Autos und Ladestationen. Denkbar wäre auch, Abstellplätze für Elektrofahrräder einzurichten.

Bewusst will die Bezirksverwaltung von Lichtenberg mit gutem Beispiel vorangehen und andere Unternehmen animieren, ebenfalls ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten. Das SANA-Klinikum ist bereits mit dabei und hat großes Interesse daran, seinen Angestellten Alternativen zum privaten Auto aufzuzeigen – und das aus gutem Grund. Rund um das Krankenhaus an der Fanningerstraße fehlt es an Parkplätzen. Bereits im Frühjahr soll das Konzept für das SANA-Klinikum stehen; die Bezirksverwaltung möchte Ende Mai, Anfang Juni ein entsprechendes Papier präsentieren. „Das Konzept dient dazu, Mittel zu erschließen“, sagte Andreas Prüfer. Auch könne es die Verwaltung ermuntern, Mittel für Mobilität anders als bislang einzusetzen.

Lichtenbergs Klimaschutzbeauftragte Kirsten Schindler hofft, dass sich weitere Unternehmen an dem Projekt „Mobil.Pro.Fit“ beteiligen. Informationen hierzu gibt es bei ihr unter Tel. 030 90296-4205 oder per E-Mail unter kirsten.schindler@lichtenberg.berlin.de

Weitere Informationen zum Klimaschutz und zum Mobilitätskonzept gibt es im Internet:

Webseite der Lichtenberger Klimaschutzbeauftragten

veröffentlicht am 22. Februar 2016

Bezirksamt: Mit dem Elektroauto zum Termin