Das Bezirksmuseum würdigt mit seiner neuen Ausstellung 62 Persönlichkeiten, die in Marzahn und Hellersdorf lebten oder dort ihre Spuren hinterließen. Darunter sind edle Lehnherren ebenso wie ausgezeichnete Komponisten. Von Marcel Gäding.

Die Porträts von einstigen Marzahnern und Hellersdorfern hängen von der Decke des Bezirksmuseums. Foto: Marcel Gäding
Die Porträts von einstigen Marzahnern und Hellersdorfern hängen von der Decke des Bezirksmuseums. Foto: Marcel Gäding

MARZAHN-HELLERSDORF. Es ist nicht überliefert, ob Lampert Distelmeyer (1522-1588) sächselte. Doch es ist zu vermuten, denn der einst bedeutende brandenburgische Kanzler erblickte in Leipzig das Licht der Welt. Damit dürfte er einer der ersten Sachsen gewesen sein, die es in die Region Marzahn und Hellersdorf zog und dessen Biografie einen schönen Bogen spannt zu den Marzahnern und Hellersdorfern, die zu DDR-Zeiten der Arbeit wegen von Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Dresden und Görlitz in eine der gerade fertiggestellten Plattenbauwohnungen zogen. Distelmeyer wurde 1583 Lehnsherr des Dörfchens Mahlsdorf und damit Oberhaupt der Bauern. Zu seinem Vermächtnis gehört unter anderem eine Dorfordnung, die das gesellschaftliche Zusammenleben in Mahlsdorf regelte.

Der Name Distelmeyer ist heute nur noch in Archiven zu finden – und in der neuen Ausstellung des Bezirksmuseums Marzahn-Hellersdorf mit dem Titel „MenschenLeben – LebensWerke. Marzahn-Hellersdorfer Porträts. Anderthalb Jahre begab sich das Team um Museumsleiterin Dorothee Ifland auf eine Spurensuche mit dem Ziel, Biographien von Menschen aufzuarbeiten, die das Leben in Marzahn und Hellersdorf prägten. Erzählt werden 62 Geschichten von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können. Bauern sind darunter, Schmiede, Pfarrer, Hebammen und Widerstandskämpfer, Künstler genauso wie Komponisten und Politiker. Herausgekommen ist eine sehenswerte Schau, die auf langatmige Texte verzichtet und eher einer Installation gleicht: In drei Räumen hängen die Porträts der Persönlichkeiten von der Decke – Foto, Text und in den meisten Fällen ein Gegenstand aus Nachlässen oder der jeweiligen Epoche. Einige Namen reichen bis ins Mittelalter, andere bis in die Zeit von heute.

„Wir wollten nicht nur Biografien von Promis haben“, sagt Museumsleiterin Dorothee Ifland. Der Anspruch sei eher gewesen, Menschen quer durch alle Epochen und alle Ortsteile zu porträtieren. Das Ergebnis ist ein Querschnitt, den es in dieser Art im Bezirksmuseum noch nicht zu sehen gab. Unter den eher Unbekannten finden sich die Geschichten von Menschen wie Emma Döltz (1866-1950), Sozialdemokratin und Schriftstellerin, Minna Erb (1883-1944), Hebamme, und Frieda Hirsekorn (1898-1970), Fabrikbesitzerin. Zu den Prominenten gehören der Schriftsteller Ludwig Renn (1889-1979), der Komponist Kurt Schwaen (1909-2007) und der Chefarchitekt von Marzahn-Hellersdorf, Heinz Graffunder (1926-1994).

Während es von den Persönlichkeiten zwischen Mittelalter und 19. Jahrhundert oft nur spärliche Quellen gab, konnten die Heimatforscher bei den Personen des 20. Jahrhunderts aus den Vollen schöpfen. „Das liegt daran, dass es deutlich mehr Material zu den Personen gibt“, sagt Dorothee Ifland.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 2. Oktober. Teile davon werden anschließend in die Dauerausstellung integriert. Ort: Bezirksmuseum, Haus 1, Alt-Marzahn 51, 12685 Berlin. Öffnungszeiten: Mo-Fr und So 11-17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

veröffentlicht am 18. Februar 2016

 

Geschichte: Bezirksmuseum würdigt 62 historische Persönlichkeiten
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