Das Verkehrschaos ist programmiert: Im Laufe dieses Jahres, spätestens aber 2017 wird die Dorfstraße in Malchow Großbaustelle. Der 1,2 Kilometer lange Abschnitt soll grundhaft instandgesetzt werden. Vier Jahre werden sich die Arbeiten hinziehen, die durch Malchow verlaufende Bundesstraße 2 wird Richtung Autobahn und Bernau gesperrt. Die Folge: kilometerlange Umwege von der Berliner Innenstadt zur Autobahn A10. Von Marcel Gäding.

Die Dorfstraße in Malchow ist Teil der Bundesstraße 2. Foto: Marcel Gäding
Die Dorfstraße in Malchow ist Teil der Bundesstraße 2. Foto: Marcel Gäding

MALCHOW. Am Mittwochnachmittag ist es mal wieder voll auf der Dorfstraße in Malchow. In Richtung Norden geht es nur im Schneckentempo voran, es kommt immer wieder zu stockendem Verkehr. Fast 30.000 Autos quälen sich Tag für Tag über die zweispurige Straße, die den 560 Einwohner zählenden Ortsteil von Lichtenberg wie eine Schneise durchzieht. Eine lang geplante und immerhin bereits im Bundesverkehrswegeplan vorgesehene Ortsumfahrung könnte Abhilfe schaffen und das kleine Dorf entlasten. Doch noch ist unklar, wann dies soweit ist. Und so bleibt die Dorfstraße als Teil des Bundesstraße 2 ein wichtiger Zubringer zwischen der Berliner Innenstadt und der Bundesautobahn 10, auch als Berliner Ring bekannt. In einigen Monaten sollten Autofahrer jedoch einen Bogen, besser noch: einen ganz großen Bogen um Malchow machen. Der 1,2 Kilometer lange Abschnitt zwischen Ortnitstraße und Blankenburger Pflasterweg wird zur Großbaustelle. Was die Fachplaner technokratisch als „grundhafte Instandsetzung“ bezeichnen, bedeutet für Autofahrer und Anlieger das programmierte Chaos.

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Wann konkret die Arbeiten auf der Dorfstraße beginnen, ist noch nicht ganz klar. Losgehen könnte es schon in diesem Jahr, spätestens aber 2017 sollen die Bagger rollen. Die endgültige Entscheidung darüber trifft die Verkehrslenkung Berlin (VLB). Als erstes rücken die Berliner Wasserbetriebe an, um nicht nur einen Regenkanal zu bauen. Sie wollen auch die Trinkwasser-Hauptleitung und bis zu 90 Jahre alte Trinkwasser-Versorgungsleitungen erneuern. Planerin Eva Exner vom Büro p2mberlin sagt, dass die Straße dafür in acht bis neun Bauabschnitte eingeteilt wird. Danach geht es an den Straßenbelag, an die Radwege und an die insgesamt sechs Bushaltestellen im Dorf.

Quasi in einem Halbsatz wurde Mittwochabend auf einer Anwohnerversammlung in der Naturschutzstation Malchow deutlich, was den Malchowern und auch den Berlinern und Brandenburgern wirklich blüht. Über einen Zeitraum von vier Jahren kommt es auf der Dorfstraße immer wieder zu Sperrungen und zu Umleitungen. In Richtung Innenstadt wird die Dorfstraße zur Einbahnstraße. Schwieriger wird es für Autofahrer, die von der City Ost auf die Autobahn wollen. Sie werden über eine mehrere Kilometer lange Strecke über den Pankower Ortsteil Heinersdorf umgeleitet. So zumindest sehen es die bisherigen Planungen vor. Sonderrechte für Anwohner wird es nicht geben. Sie müssen mit Start der Bauarbeiten ebenfalls nervige Umwege in Kauf nehmen. „Das ist eine Zumutung“, empört sich ein Malchower auf der Einwohnerversammlung. „Irgendwie müssen wir ja hier aus diesem Nest wegkommen“, ergänzt eine Nachbarin. Gewerbetreibende – davon gibt es in Malchow etliche – sehen ebenfalls mit Sorge auf die geplante Baustelle. Sie befürchten, dass die Warenanlieferung gefährdet ist.

Fakt ist: Kaum ein Malchower war sich bislang bewusst, welche Ausmaße die Erneuerung der Dorfstraße vor allem für sie selbst nehmen wird. Und auch Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) zeigt sich überrascht. Immerhin: Er kündigt an, vor allem das Anliegerthema noch einmal auf die Agenda zu nehmen. Ob das etwas bringt, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass die Bauarbeiten in Malchow definitiv kommen werden.

veröffentlicht am 11. Februar 2016

Malchow: Dorfstraße wird vier Jahre zur Großbaustelle
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