Die beiden Waschbären Luis und Luisa leben auf dem Gelände der Feuerwache in Marzahn. Die Feuerwehrleute kümmern sich liebevoll um ihre Dauergäste, die nicht mehr ausgewildert werden. Von Marc Eichholz.

Michael Skuthan mit Luis. In Gefangenschaft können Waschbären schon mal 20 Jahre und älter werden. Fotos: Marc Eichholz
Michael Skuthan mit Luis. In Gefangenschaft können Waschbären schon mal 20 Jahre und älter werden. Fotos: Marc Eichholz

MARZAHN. Neugierig schaut Luis durch das kleine Loch der Holzkiste. Für gewöhnlich ist jetzt Winterschlaf. Doch die Neugier lässt dem kleinen Waschbären keine Ruhe. Spätestens, als Michael Skuthan aus einer Tüte Wallnüsse herausholt, klettert Luis aus seinem Schlafgemach und greift zu.

Skuthan ist technischer Mitarbeiter der Feuerwache in Marzahn und bestens mit Luis und seiner Mitbewohnerin Luisa vertraut. Die beiden Waschbären leben seit sechs Jahren auf dem Gelände der Feuerwehr an der Märkischen Allee. Dass sie die Fürsorge der Berliner Feuerwehr in Anspruch nehmen dürfen, hat einen banalen Grund: Der handzahme Luis wurde bei einem Einsatz „aufgegriffen“, Luisa stieß drei Wochen später dazu. Sie war von einem Baum gefallen und ist seither gesundheitlich angeschlagen. „Hier bei uns hat sie sich prima erholt“, sagt Michael Skuthan. Sie komme gut mit den Folgen des Sturzes klar, der unter anderem zu Verletzungen am Kopf geführt hatte. Die Feuerwehrleute organisierten tierärztliche Hilfe und ließen die beiden zudem kastrieren. Andernfalls können Waschbären nämlich ungemütliche Hausgenossen werden: Vor allem in der Paarungszeit reagieren sie mitunter aggressiv auf ungebetene Gäste und schnappen auch schon mal zu.

Dass Luis und Luisa ihren Lebensabend in der Obhut der tierlieben Feuerwehrmänner und -frauen verbringen, ist eher ungewöhnlich. Denn Waschbären gehören zu den Wildtieren, für die eigentlich die Berliner Forsten zuständig sind – sie aber mangels Platz nicht unterbringen. Auch das Tierheim Berlin in Falkenberg nimmt hin und wieder Waschbären auf – häufig aus privater Haltung. In diesem Fall jedoch war gerade Platz für die beiden Waschbären auf dem Feuerwehrgelände. In Eigenleistung haben die Feuerwehrleute eine einstige Vogelvoliere um- und ausgebaut. „Dort befanden sich einst Wellensittiche“, erinnert sich Michael Skuthan. Nun gibt es einen beheizten Innenbereich und im Gehege Klettermöglichkeiten und einen Miniteich, an dem sich die Gäste der Marzahner Feuerwehr an wärmeren Tagen ausgiebig waschen. „Das sieht schon putzig aus“, sagt Michael Skuthan.

Waschbär Luis mag sehr gerne Wallnüsse.
Waschbär Luis mag sehr gerne Wallnüsse.

Den beiden ungewöhnlichen Gästen fehlt es an nichts. Ein fester Kern an Feuerwehrleuten schaut regelmäßig nach Luis und Luisa, wechselt das Wasser und füllt Futter nach. In der Regel gibt es Katzenfutter und viel Obst – darunter sind Weintrauben, Äpfel oder Möhren. Aber auch Nüsse nehmen sie liebend gerne aus den Händen der Feuerwehrleute. Die knacken sie mit ihren kräftigen Zähnen und verspeisen sie sofort. „Sie lieben es auch, Taschen auszuleeren“, weiß Skuthan. Und ehe er seinen Satz zu Ende gesprochen hat, klettert Luis in seine leicht geöffnete Jacke.

Längst gehören Luis und Luisa zur Feuerwache. Ab und an werden sie an einer Leine für Katzen über den Hof geführt oder erhalten Besuch von Kita-Kindern, die eine Führung durch die Feuerwache machen und ganz begeistert sind von den Vierbeinern. Von ihrem Holzstämmen aus können die Waschbären außerdem gut sehen, was vor ihrer Tür passiert. „Hin und wieder lässt sich auch mal ein Artgenosse blicken, der in freier Wildbahn lebt“, sagt Michael Skutha. Für Luis und Luisa kommt ein Leben in freier Wildbahn indes nicht mehr in Frage. Zu sehr sind sie an den Menschen gewöhnt, hätten in der Natur vermutlich Schwierigkeiten, sich selbst Futter zu organisieren. Marc Eichholz

veröffentlicht am 26. Januar 2016

Waschbären-Domizil hinter der Fahrzeughalle
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