Nach dem großen Erfolg von „Prinzessin auf der Erbse“ inszeniert Regisseurin Birgit Letze-Funke mit Laien ein weiteres Stück von Hans Christian Andersen: „Des Kaisers neue Kleider“. Premiere ist am 31. Januar um 16 Uhr im Arndt-Bause-Saal des Freizeitforums Marzahn. Von Marcel Gäding.

Das Ensemble des Amateurtheaters. Fotos: Brigit Letze-Funke
Das Ensemble des Amateurtheaters. Fotos: Brigit Letze-Funke

MARZAHN. So langsam steigt die Anspannung. Spätestens ab dem kommenden Montag werden Birgit Letze-Funke und das Ensemble des Amateurtheaters am Freizeitforum täglich aufeinander treffen, um für ihre nächste große Premiere zu proben. Denn schon am 31. Januar ist Premiere von „Des Kaisers neue Kleider“ – und da müssen auch bei einem Amateurtheater jeder Satz und jede Szene sitzen.

Wie schon beim Stück „Die Prinzessin auf der Erbse“ greift Letze-Funke für ihr neues Stück auf Material des Autors Hans Christian Andersen (1805-1875) zurück, das 1837 veröffentlicht wurde und die Geschichte von einem in sich verliebten Kaiser erzählt, der auf zwei Räuber hereinfällt. Die versprechen ihm, Kleider zu schneidern, die nur er und Angehörige seines Standes sehen können. Tatsächlich aber erhielt der Kaiser nie neue Kleider, sondern ging den Betrügern auf den Leim. Doch die Menschen am Hofe lassen den Kaiser glauben, dass er neue Kleider besitzt – obwohl weder der Kaiser, noch die Vasallen diese jemals gesehen haben. Am Ende stolpert der Kaiser über seine Leichtgläubigkeit. Er hofft, im besten Glanze vor den Menschen zu stehen, und hat doch nichts zu präsentieren…

Asuka Tovazzi spielt in dem Stück den Kammerherren Mottentot.

„Dieses Stück hat an Aktualität nicht verloren“, sagt Birgit Letze-Funke. Das eher dürftige Manusprikt dieses kurzen Märchens vom sich blenden lassenden Kaiser hat sie in unterhaltsame 60 Minuten gepackt. Die Personen im Stück tragen skurrile Namen. Der Kammerherr, der neue Kleider besorgen soll, heißt Mottentot; der Räuberhauptmann trägt wird „Fabula“ genannt. Das dürfte vor allem die kleinen Zuschauer – das Stück ist für Menschen ab 5 Jahren konzipiert – erfreuen. Die größeren Theaterbesucher hingegen sollen mit dem einen oder anderen Gedanken die Vorstellung verlassen: Kleider machen Leute, ja… Aber entscheidend ist immer noch der Mensch, der in den Kleidern steckt.

Inszeniert wird „Des Kaisers neue Kleider“ im Rahmen des zweiten Kinder-Saal-Winters. Und wie im wahren Leben finden sich auch im Ensemble des Amateurtheaters am Freizeitforum Darsteller unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters. Auch Nichtdeutsche sind darunter und ein Rollstuhlfahrer. Die jüngste Schauspielerin ist gerade einmal elf Jahre alt, die ältesten Darsteller hatten schon vor einigen Jahren ihren 80. Geburtstag. Sie alle haben sich in der Gruppe kennen und schätzen gelernt. „Hier geht es ja nicht nur um das Theaterspielen“, sagt Birgit Letze-Funke. Auch der soziale Aspekt spiele im Amateurtheater eine große Rolle. „Das ist lebensnahe Integration“, sagt die Regisseurin, die vergangenes Jahr das Jugendtheaterstück „Selektion“ inszenierte.

Aufführungen „Des Kaisers neue Kleider“:

  • 31. Januar, 16 Uhr (Premiere)
  • 2./3./4. Februar jeweils um 10 Uhr
  • 6. Februar, 16 Uhr

Karten kosten 5, erm. 3 Euro und können unter Tel. 030 5427091 bestellt werden.

Ort: Freizeitforum Marzahn, Marzahner Promenade 55, 12679 Berlin

veröffentlicht am 20. Januar 2016

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