DIE LINKE will wieder in Lichtenberg regieren – mit einer Frau an ihrer Spitze. Am Wochenende nominierte die Partei ihre Spitzenkandidaten für die Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und zum Abgeordnetenhaus. Evrim Sommer konnte sich durchsetzen – allerdings mit einem eher dürftigen Ergebnis. 57,7 Prozent sollen für die Politikerin gestimmt haben. Offizielle Zahlen nennt die Partei nicht.

Evrim Sommer will Bürgermeisterin von Lichtenberg werden. Foto: Marcel Gäding
Evrim Sommer will Bürgermeisterin von Lichtenberg werden. Foto: Marcel Gäding

LICHTENBERG. Schon im Herbst hatte Sommer parteiinternen Unmut ausgelöst, weil sie sich für den Posten der Bezirksbürgermeisterin ins Spiel brachte und dies berlinweit über den Tagesspiegel kundtat. Michael Grunst, gemeinsam mit Sommer Chef des Lichtenberger Kreisverbandes der LINKEN, schmiss daraufhin seinen Hut in den Ring – ebenfalls mit der Absicht, Bezirksbürgermeister zu werden und intern ermuntert vom gegnerischen Lager Sommers, bestehend aus etlichen Kommunalpolitikern der Partei. Doch nun kommt alles anders: Grunst hat sich auf Platz 2 der BVV-Liste seiner Partei wählen lassen, Evrim Sommer auf Platz 1. Während DIE LINKE am Montag keine Zahlen nannte, sickerte zumindest aus Kreisen der Hauptversammlung das Votum für Evrim Sommer durch. Demnach stimmten gerade einmal 57,7 Prozent für Sommer, die keinen Gegenkandidaten hatte. Michael Grunst schnitt deutlich besser ab und teilte auf Facebook mit, dass er mit 84 Prozent auf Platz 2 gewählt wurde. Sommer und Grunst führen seit gut drei Jahren den Bezirksverband der Linken in Lichtenberg, dem mit 1.200 Mitgliedern stärksten Verband innerhalb der Partei. Während Sommer seit 1999 Mitglied des Abgeordnetenhauses ist, bekleidet Grunst seit Januar einem Jahr den Posten des Bezirksstadtrates für Jugend und öffentliche Ordnung in Treptow-Köpenick. Er war zuvor 16 Jahre lang Mitglied der BVV in Lichtenberg.

„Unser Ziel ist klar: Wir wollen die stärkste Fraktion in der BVV bleiben und die Bürgermeisterin von Lichtenberg stellen“, ließ Sommer am Montag mitteilen. Soziale Gerechtigkeit bleibe für die Partei die „zentrale Aufgabe unserer Kommunalpolitik“. Offenbar will Sommer aber nur mit einem Team antreten, das ihr nicht zu nahe kommt beziehungsweise ihre Arbeit kritisch sieht. Nachdem der einstige Lichtenberger Fraktionsvorsitzende Christian Petermann im sozialen Netzwerk das Wahlergebnis für Evrim Sommer erwähnte, schmiss diese ihn kurzerhand aus ihrer „Freundesliste“. Petermann bezeichnete im Nachgang das Ergebnis als „zugegebenermaßen sehr schlechtes, aber doch wahrheitsgemäßes und demokratisch zustande gekommenes“ Wahlergebnis. Dass Sommer ihm daraufhin zumindest virtuell die Freundschaft kündigte, quittierte Petermann bei Facebook verärgert: „Nun ja, es geht auch ohne, aber politische Kultur geht anders!“

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Auch für das Abgeordnetenhaus wurde nominiert. Für Wahlkreis 1 wurde BVG-Gesamtfrauenvertreterin Ines Schmidt nominiert, für Walhkreis 2 der Abgeordnete Wolfgang Albers, für Wahlkreis 3 die Abgeordnete Marion Platta, für Wahlkreis 4 der stellvertretende Kreisvorsitzende Sebastian Schlüsselburg, für Wahlkreis 5 die Co-Fraktionsvorsitzende in der BVV, Hendrikje Klein und für Wahlkreis 6 Ex-Wirtschaftssenator Harald Wolf.

Überraschungen gab es auf den weiteren Plätzen bei der Platzierung der 38 Kandidatinnen und Kandidaten für die BVV: Claudia Engelmann, neu in der BVV, belegt Platz 3, der aktuelle Co-Fraktionsvorsitzende Daniel Tietze auf Platz 4, danach folgen Ingeborg Görsdorf, BVV-Vorsteher Rainer Bosse, Kerstin Zimmer, Norman Wolf, Ex-Kulturstadträtin Katrin Framke und Vize-Bezirksbürgermeister Andreas Prüfer. Auf Nachfrage teilte Co-Fraktionsvorsitzende Hendrikje Klein mit, dass sie nicht wieder für die BVV kandidiert. „Ich möchte mit 15 Jahren kommunalpolitischer Erfahrungen im Gepäck ins Abgeordnetenhaus für den Wahlkreis 5“, sagte sie. Berlins einstige Umweltsenatorin Katrin Lompscher hingegen taucht gar nicht mehr in den bislang veröffentlichten Listen auf. Auf Nachfrage sagte sie, dass sie für einen Wahlkreis im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf kandidieren möchte. Dort hatte sie vergangenes Jahr bereits ein Stadtbüro eröffnet, obwohl sie bislang in Lichtenberg einen Wahlkreis vertritt.

Derzeit ist die Linke in der BVV die zahlenmäßig stärkste Fraktion; das Amt der Bezirksbürgermeisterin wird aber von der SPD besetzt: Die Sozialdemokratin Birgit Monteiro ist seit Januar 2015 im Amt, gewählt mit den Stimmen ihrer Partei und denen von Grüne sowie CDU. (gäd.)

Die Liste der BVV-Kandidatinnen und Kandidaten der Partei DIE LINKE im Überblick:

1. Evrim Sommer; (Neu)
2. Michael Grunst;
3. Claudia Engelmann; (Neu)
4. Daniel Tietze;
5. Ingeborg Görsdorf;
6. Rainer Bosse;
7. Kerstin Zimmer;
8. Norman Wolf;
9. Katrin Framke;
10. Dr. Andreas Prüfer;
11. Marion Baumann; (Neu)
12. Jochen Rakowski; (Neu)
13. Ursula Beißig; (Neu)
14. Antonio Leonhardt; (Neu)
15. Saskia Wenzel; (Neu)
16. Prof. Jürgen Hofmann;
17. Silke Wenk;
18. Michael Niedworok;
19. Birgit Stenzel;
20. Peter Fischer;
21. Silke Mock;
22. Roman Veressov; (Neu)
23. Janneh Magdo;
24. Hans Pagel; (Neu)
25. Maja-Helen Feustel;
26. Uwe Schwenzer;
27. Julia Müller; (Neu)
28. Marko Frenzel; (Neu)
29. Antje Schiwatschev; (Neu)
30. Tinko Hempel; (Neu)
31. Petra Weitling;
32. Hartmut Zick; (Neu)
33. Anja Paasch;
34. Uwe Ziehm; (Neu)
35. Andrea Schacht; (Neu)
36. Sebastian Schild; (Neu)
37. Manfred Meineke; (Neu)
38. Bernd Ludewig; (Neu)

veröffentlicht am 18. Januar 2016, Stand: 13.45 Uhr, aktualisiert: 22. Januar 2016, 22.40 Uhr

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