Der geplante Abriss der Achard-Schule ist vorerst vom Tisch. Das bestätigte SPD-Fraktionsvorsitzender Gordon Lemm Freitagvormittag nach einer Sitzung des geschäftsführenden Kreisvorstandes seiner Partei, an der auch Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) teilnahm. Ursprünglich sollten bereits am 20. Januar das scheinbar marode Schulgebäude im Marzahn-Hellersdorfer Ortsteil Kaulsdorf abreißen. „Der Termin ist gestorben“, sagte Lemm gegenüber dem Bezirks-Journal und lichtenbergmarzahnplus.de. Von Marcel Gäding.

Die Franz-Carl-Achard-Grundschule an der Adolfstraße in Kaulsdorf. Foto: Lutz Neumann
Die Franz-Carl-Achard-Grundschule an der Adolfstraße in Kaulsdorf. Foto: Lutz Neumann

KAULSDORF. Aufatmen bei 360 Schülern, ihren Eltern und Lehrern: Die Franz-Carl-Achard-Grundschule wird nicht abgerissen – vorerst nicht. Hintergrund ist ein vor wenigen Tagen veröffentlichter Prüfbericht eines Potsdamer Sachverständigen. Dieser kommt zu dem Schluss, dass es zwar bauliche Mängel in dem 1911 und 1913 eröffneten Gebäudeensemble gebe und die zur Schule gehörende Turnhalle auch nicht mehr standsicher ist. Im Großen und Ganzen lässt sich die Schule aber erhalten und sanieren. „Wenn man einen neuen Sachstand hat, muss man auch konsequent sein und diesen ernst nehmen“, erklärte der Marzahn-Hellersdorfer SPD-Fraktionschef das Umlenken seiner Partei. Bislang stützten sich die Sozialdemokraten auf ein internes Gutachten des Bezirksamtes, das wegen der baulichen Mängel an Holzbalken und Dachkonstruktionen den Abriss und einen Neubau empfahl. Der jüngste Prüfbericht jedoch brachte Bewegung in die Sache, die jetzt zum Stopp des geplantes Abrisses führt. „Die Entscheidung zum Abriss auf Grund anderer Tatsachen ist damit zum Glück vom Tisch“, lautete am Freitag das Fazit der beiden SPD-Abgeordneten Sven Kohlmeier und Iris Spranger.

Der geplante Abriss der Franz-Carl-Achard-Grundschule war am späten Donnerstagnachmittag auch Thema im Schul- und Sportausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Dort hatte Bezirksbürgermeister Stefan Komoß erklärt, dass der Abriss bis zur Neubewertung der baulichen Situation durch alle beteiligten Ämter abgesagt wurde. So wie es aussieht, können die Schüler – sie werden zurzeit in der Marcana-Schule unterrichtet  – bereits mit Beginn des neuen Schuljahres nach Kaulsdorf zurückkehren. „In der Zeit bis Ende 2019 kann die Sanierung der Franz-Carl-Achard-Grundschule geplant und vorbereitet werden“, erklärte die SPD am Freitag nach einer Sitzung des geschäftsführenden Kreisvorstandes.

-ANZEIGE-

Click und Mix 300 x 250

Neben der Freude über den Stopp des Abrisses gibt es auch Verwunderung. Die FDP Marzahn-Hellersdorf sprach von einem Zickzackkurs des Bezirksbürgermeisters. „Die Frage die wir uns stellen müssen, ist doch die, wie es in der Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt überhaupt dazu kommen konnte, dass Schulen abrissreif werden können“, sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Peter Kastschajew. Die LINKE in der BVV zeigte sich erfreut über die Entscheidung. „Ich freue mich, dass es gelungen ist den Bürgermeister mit massivem Druck der Eltern, Kaulsdorfer*innen und den Fraktionen von LINKE und Piraten (im Bezirk und im Land) zur Vernunft zu bringen und den Abriss der über 100 Jahre alten Schule vorerst auszusetzen“, schrieb ihr Fraktionsvorsitzender Bjoern Tielebein am Freitag auf Facebook.

Die SPD kündigte an, „kurzfristig eine langfristige Lösung zu finden“, wie Fraktionsvorsitzender Gordon Lemm sagte. „Mit dem neuen Kenntnisstand können wir nun eine sinnvolle Alternative zum Abriss finden.“

veröffentlicht am 8. Januar 2016

 

 

Kaulsdorf: Abriss der Achard-Schule vorerst vom Tisch
Markiert in: