25 Jahre nach seinem Tod ehrten am Mittwoch Angehörige, Weggefährten, Stammbesucher und Politiker Prof. Dr. Dr. hc. Heinrich Dathe (1910-1991). Auf dem evangelischen Friedhof an der Robert-Siewert-Straße in Karlshorst legten sie Kränze nieder und würdigten das Leben des Tierpark-Gründers. Von Marcel Gäding.

Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe (1910-1991). Foto: Fördergemeinschaft von Zoo und Tierpark
Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe (1910-1991). Foto: Fördergemeinschaft von Zoo und Tierpark

KARLSHORST. Zwischen dem kleinen Familiengrab der Familie Dathe und dem Tierpark Berlin sind es vielleicht 250 Meter Luftlinie. An diesem Vormittag steht der Wind günstig, hin und wieder kann man einige der vierbeinigen Bewohner von Europas größtem Landschaftstiergarten hören. Vor 25 Jahren fand Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe seine letzte Ruhe auf dem evangelischen Friedhof an der Robert-Siewert-Straße, ganz in der Nähe seiner einstigen Wirkungsstätte, die bis heute eng mit seinem Namen verbunden ist. Immerhin schuf der Zoologe 1955 rund um das Schloss Friedrichsfelde ein Refugium, das es in dieser Form – zumindest von der Größe her – kein zweites Mal gibt. Wenngleich der Tierpark Berlin in die Jahre gekommen ist, er ist nach wie vor der größte Landschaftstiergarten Europas.

Dass Dathes Verdienste bis heute einen festen Platz in den Köpfen seiner einstigen Wegbegleiter und der Tierpark-Stammbesucher haben, war am Mittwoch eindrucksvoll zu erleben. Anlässlich seines 25. Todestages hatte die Fördergemeinschaft von Zoo und Tierpark zu einer Gedenkveranstaltung an das Ehrengrab Dathes eingeladen, die ein wenig an ein Klassentreffen erinnerte. Unter den Gästen waren viele frühere Kollegen, seine Kinder, Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem, Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD). Auch die Schlagersänger Uwe Jensen und Angelika Mann legten Blumen nieder, genauso wie Rainer Bosse (DIE LINKE), Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung. Aus dem Bundestag kam Martin Pätzold (CDU), aus dem Berliner Abgeordnetenhaus Marion Platta (DIE LINKE).

„Professor Dathe war jemand, der sich seit seiner Kindheit interessiert hat für Tiere“, erinnerte Frank Henkel. Ihm und seinem damaligen Team sei es „in hervorragender Weise gelungen, den Tierpark zu gestalten, mit Leben zu füllen und ihn mit Attraktivität zu versehen“. Er sei froh, dass die Politik die Bedeutung dieses Tierparks erkannt hat, sagte der Innensenator mit Blick auf einst geführte Debatten darum, ob Berlin zwei Zoos braucht. „Es ist ihm zu verdanken, dass wir heute nach wie vor eine wunderschöne Parkanlage haben, die größte dieser Art in Europa.“ Berlin und der Bezirk Lichtenberg hätten Dathe viel zu verdanken, sagte BVV-Vorsteher Rainer Bosse. „Sein Tierpark ist der Schatz von Lichtenberg, den es zu hüten und zu entwickeln gilt.“ Und Dathes Sohn Falk, ebenfalls Zoologe, bedankte sich bei den Wegbegleitern seines Vaters: „Ohne Ihre Unterstützung hätte unser Vater dieses nicht leisten können.“

Schlagersänger Uwe Jensen, der viele Jahre das legendäre Tierparkfest moderierte, nannte Dathe einen großen, engagierten Menschen, „der immer 100 Prozent für die Sache gegeben hat“. Und Angelika Mann ist heute noch ganz angetan, dass Dathe in der Zeit seines Berufsverbots als Vogelstimmenimitator arbeitete und sich damit über die Runden schlug. Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem erinnerte sich am Rande der Gedenkveranstaltung an eine Führung, der er Dathe und anderen Zoodirektoren Ende der 1980er-Jahre als wissenschaftlicher Assistent im Zoo Duisburg gab. „Dathe war in der Zoowelt ein Name, den jeder kannte“, sagte Knieriem. Über den Berliner Rundfunk und das DDR-Fernsehen wurde Dathe schließlich republikweit populär.

Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe hatte den 160 Hektar großen Tierpark Berlin 34 Jahre geleitet. Im Dezember 1990 wurde er jedoch kurz vor seinem 80. Geburtstag in Rente geschickt, weil er für den öffentlichen Dienst im Westen bereits zu alt war. Nur wenige Tage blieben ihm, um das Feld zu räumen. Wegbegleiter sagen, dass er dies nicht verkraftete. Nach Dathe sind inzwischen ein Platz und eine Promenade in Friedrichsfelde und ein Gymnasium in Friedrichshain benannt.

Galerie: Gedenken an Heinrich Dathe

veröffentlicht am 6. Januar 2015

Einstiger Tierpark-Chef: kleiner Mann, ganz groß