Das OTA-Ausbildungszentrum aus Lichtenberg möchte Flüchtlingen den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt ebnen. Der Bedarf an Arbeitskräften ist vorhanden, sagen Wirtschaftsverbände. Von Marcel Gäding.

Paul Rehfeld vom BVMW sowie Margit Weiß-Tanyildiz und Erman Tanyildiz vom OTA-Ausbildungszentrum. Foto: Marcel Gäding
Paul Rehfeld vom BVMW sowie Margit Weiß-Tanyildiz und Erman Tanyildiz vom OTA-Ausbildungszentrum. Foto: Marcel Gäding

LICHTENBERG. Erman Tanyildiz ist ein Mann voller Visionen und Tatendrang. Während die Politik noch darüber diskutiert, wie man Flüchtlinge in der neuen Heimat integriert, hat Tanyildiz einen Plan. Einen sehr konkreten sogar. Er möchte geflüchteten Menschen dabei helfen, sich für den deutschen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Sein Unternehmen, das OTA-Ausbildungszentrum in der Lichtenberger Josef-Orlopp-Straße, hat sich gerade für ein entsprechendes Projekt des Job-Centers beworben.

Erfahrungen bei der Integration von Flüchtlingen hat Tanyildiz allemal: Seit mehr als 30 Jahren bildet er Menschen aus, die wegen ihrer Einschränkungen kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. Nach dem Fall der Mauer qualifizierte sein Unternehmen unter anderem frühere vietnamesische Vertragsarbeiter zu Montiererinnen in der Großindustrie und beteiligte sich daran, einstige bosnische Kriegsflüchtlinge auf ihrem Weg zurück in ihre vom Bürgerkrieg zerstörte Heimat zu begleiten. In Sarajevo baute er eigens dafür Schulen auf, in denen junge Menschen fit für das Berufsleben gemacht wurden. Derzeit bildet das gemeinnützige OTA Ausbildungszentrum an den Standorten Lichtenberg und Strausberg 400 junge Menschen in 18 Berufsrichtungen aus, die in der Regel ein Handicap haben. Stolz verkündet Tanyildiz die Quote von 91,5 Prozent bestandenen Prüfungen im handwerklich-technischen Bereich. Damit die Ausbildungsvoraussetzungen stimmen und die OTA-Schützlinge den Auszubildenden anderer Unternehmen in nichts nachstehen, gibt es im OTA-Ausbildungszentrum berufsvorbereitende Lehrgänge. Dort lernen die jungen Menschen verschiedene Berufe kennen und werden gezielt auf ihre spätere Ausbildung vorbereitet. Über ein gut funktionierendes Netzwerk kann das OTA Ausbildungszentrum die Jugendlichen in Praktikumsbetriebe vermitteln. „Darunter sind Unternehmen, mit denen wir seit 30 Jahren zusammenarbeiten.“

Ein ähnliches Konzept schwebt Tanyildiz für die Flüchtlinge vor, von denen er weiß, dass viele von ihnen gerne einer Arbeit nachgehen würden. Er sieht gute Chancen, geflüchtete Menschen für den deutschen Arbeitsmarkt fit zu machen und Fehler zu vermeiden, die man seinerzeit bei den unzähligen Gastarbeitern gemacht hat. „Heute können wir sagen: sie wurden schlecht integriert.“ Sein Unternehmen sehe sich in der moralischen Pflicht, diesen Weg zu gehen und einen Beitrag zur Integration geflüchteter Menschen zu leisten. Dabei gehe es nicht darum, Flüchtlingen perfektes Deutsch beizubringen, sondern „sie entsprechend ihren Fähigkeiten auf berufliche Tätigkeiten vorzubereiten“. Dafür genüge in erster Linie, dass die geflüchteten Menschen deutsche Fachbegriffe erlernen, die sie im Job benötigen. „Ich denke, die Chance ist gut, dass sie nach einem Jahr eine Anstellung finden werden und sei es nur in einem Helferberuf.“

Paul Rehfeld vom Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) hegt die Hoffnung, mit der Qualifizierung von Flüchtlingen dem Arbeitskräftemangel zu begegnen. „Man muss jedoch erst einmal schauen, in welche Branchen diese Menschen passen.“ Grundsätzlich sei die Bereitschaft bei den technischen und handwerklichen Unternehmen in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg vorhanden, Flüchtlinge einzustellen.

veröffentlicht am 20. Oktober 2015

Arbeitsmarkt: Eine Chance für Flüchtlinge
Markiert in: