Die als Schloss Biesdorf bekannte Fabrikantenvilla erstrahlt wieder im Glanz seiner besten Tage. Zum Tag des offenen Denkmals öffnet sie nach Jahren der Sanierung wieder ihre Pforten. Von Marcel Gäding.

Schloss Biesdorf: innen fertig, jetzt geht es an den Feinschliff an der Außenfassade. Foto: Marcel Gäding
Schloss Biesdorf: innen fertig, jetzt geht es an den Feinschliff an der Außenfassade. Foto: Marcel Gäding

BIESDORF. Dieser Blick hat es in sich. Bevor es die Stufen der Marmortreppe hinauf in den langen Flur geht, sollte der Besucher ein paar Minuten verharren. Ist jede Flügeltür geöffnet, sieht man ganz hinteren Ende den Gartensalon mit seinem imposanten Kronleuchter und der dahinter liegenden Terrasse. Kaum zu glauben, was Bauarbeiter hier in den vergangenen Monaten vollbracht haben. Aus einer Bauruine, die nach dem Zweiten Weltkrieg notdürftig wieder hergerichtet wurde, entstand ein herrschaftliches Haus, das wieder im Glanze seiner besten Tage erstrahlt: Schloss Biesdorf. Zum Tag des offenen Denkmals dürfen erstmals Besucher die Räume der zu großen Teilen wieder neu aufgebauten Fabrikantenvilla und die eigens für diesen Tag inszenierten Ausstellungen bewundern. Denn Schloss Biesdorf selbst geht erst im Herbst 2016 ans Netz – als Bilderschloss, Veranstaltungsort und Künstlerwerkstatt. Bis dahin nutzt es der Bezirk übergangsweise.

Vom ursprünglichen Schloss Biesdorf – 1868 als spätklassizistische Turmvilla erbaut – ist in der Substanz nicht viel übrig geblieben: Fassade, Turm und Erdgeschoss haben leidlich den Zweiten Weltkrieg überstanden. Ein Brand hatte 1945 große Teile des ehrwürdigen Hauses vernichtet. Das Obergeschoss krachte in sich zusammen. „Es muss eine wahnsinnige Hitze gegeben haben“, sagt Bauleiter Alexander Pechmann, der im Auftrag der Architektin Prof. Mara Pinardi die Arbeiten vor Ort koordiniert. „Die Steine glühten aus, dadurch wurden die Steinköpfe porös.“ Vielfach wurden die Wände nur durch den Putz zusammengehalten. Im Rahmen der im September 2013 gestarteten Bauarbeiten seien 20 Maurer viereinhalb Monate damit beschäftigt gewesen, die Steine auszutauschen – gut die Hälfte der Ziegel wurde als Bauschutt entsorgt und ersetzt. Bei den Arbeiten kamen auch andere Dinge zu Tage: Das übrig gebliebene Erdgeschoss erhielt ein Dach aus Altholz und Straßenbahnschienen sowie Stahlträgern aus Häusern, die dem Bombenhagel zum Opfer fielen. Die Treppe ins Schloss wurde von Bauschutt getragen. Alles in allem habe aber die Rettung der vorhandenen Bausubstanz sehr viel mehr Zeit in Anspruch genommen, berichtet Alexander Pechmann. Das brachte den Zeitplan durcheinander, sodass teilweise vier Gewerke gleichzeitig auf der Baustelle anzutreffen waren. „Heute sind wir stolz, dass wir den Zeitplan trotz aller Widrigkeiten eingehalten haben.“ Dafür wurden einfach die Abläufe verdichtet. Gut zwölf Millionen Euro kostete die Sanierung. Das Geld ist gut angelegt, wenn man das Ergebnis sieht und weiß, dass das Projekt im Zeitplan liegt. Beeindruckend ist, mit wie viel Liebe zum historischen Detail Mara Pinardi das Haus rekonstruierte, es dabei auf den neuesten Stand der Haustechnik und Haussteuerung brachte.

Fotogalerie: Erste Blicke ins Schloss Biesdorf:

Marzahn-Hellersdorfs Kulturstadträtin Juliane Witt (DIE LINKE) präsentiert derzeit, wo sie nur kann, das neue, alte Kleinod. Schließlich ist sie die Hausherrin. Wer sie durch das denkmalgeschützte Haus begleitet, muss entweder die Schuhe ausziehen oder blaue Tüten über die Schuhe streifen. Im gesamten Haus – mit Ausnahme des Dachgeschosses – wurde Eichenparkett verlegt. Auf vier Etagen erstrecken sich die Ausstellungsräume, die Veranstaltungssäle und ein kleines Café. Kleine berührungsempfindliche Bildschirme dienen der Steuerung von Licht und Heizung. „Der Außenbereich wird im nächsten Jahr fertiggestellt“, kündigt Juliane Witt an. Am 9. September 2016 soll dann das Gesamtensemble öffnen. „Bis dahin befinden wir uns auf einer Baustelle“, sagt sie. Allerdings legt Bauleiter Alexander Pechmann wert darauf, dass es sich um eine Fassadenbaustelle handelt. Eine Firma aus Sachsen, spezialisiert auf Stuck und Fassade, wird Schloss Biesdorf auch äußerlich sein altes Antlitz zurückgeben.

Schon heute kann das Haus für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden, bevor es Anfang 2016 in die Regie der landeseigenen Grün Berlin GmbH übergeht. Die umtriebige Kulturstadträtin und ihre Mitarbeiter organisierten unter anderem einen Flügel und Stühle aus dem Internationalen Congress-Centrum in Charlottenburg, das gerade saniert wird. Instrument und Mobilar kommen dann erstmals zum Tag des offenen Denkmals zum Einsatz. „Auf dem Weg zum Bilderschloss“ lautet der Titel eines bunten Programms, das am 13. September geboten wird. Um 12 Uhr eröffnet Juliane Witt den Tag gemeinsam mit Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel und Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (beide SPD). Anschließend gibt es Konzerte, Vorträge und Führungen, in deren Mittelpunkt die wechselvolle Geschichte des Schlosses steht. Unter anderem wurden dafür namhafte Referenten gewonnen, darunter Dr. Oleg Peters, der sein jüngst erschienenes Buch dem Schloss-Architekten Heino Schmieden widmet. Prof. Dr. Johannes Bähr von der Goethe-Universität Frankfurt/Main ist mit seinem Vortrag „Die Schlossherren Werner und Wilhelm von Siemens: Erfinder und Pioniere der Elektrotechnik und des Verkehrswesens (u.a. die Luftschiffhalle in Biesdorf)“ zu Gast und bildet damit den Auftakt einer Vortragsreihe der Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V. und der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf. Ab 15.30 Uhr gibt es mit Mara Pinardi und ihrem Team Führungen durch das Haus. Um 16 Uhr wird die Ausstellung „Auf dem Weg zum Bilderschloss“ im Skulpturensaal eröffnet. Von 12 bis 18 Uhr versorgt das „Schloss-Café“ die Besucher.

 

Weitere Highlights zum Tag des offenen Denkmals:

Der„Tag des offenen Denkmals“ widmet sich dieses Jahr dem Thema „Handwerk, Technik, Industrie“ widmet. Eine Auswahl von lichtenbergmarzahnplus.de:

Angebote in Lichtenberg: Amalien-Orgel (Weseler Straße 6, 10318 Berlin): geöffnet am 13. September von 13 bis 17 Uhr. Geplant u.a. Konzerte. +++ Waldsiedlung Lichtenberg Gleyeweg/ Ecke Drosselstieg, 10318 Berlin: geöffnet am 13. September. 13 Uhr: Führung +++ Haus 22 – Ehemaliges Speisehaus des MfS, Ruschestraße 103, 10365 Berlin: geöffnet am 12.9. mit Führungen um  14 und 15.30 Uhr +++ Museum Kesselhaus Herzberge, Herzbergstr. 79 (Haus 29), 10365 Berlin: geöffnet am 13.9. von 11 bis 17 Uhr. 12 und 15 Uhr Führungen.

Angebote in Marzahn-Hellersdorf: Gründerzeitmuseum, Hultschiner Damm 333, 12623 Berlin: geöffnet am 13.09. von 10 bis 18 Uhr +++ Bockwindmühle, Hinter der Mühle 4, 12685 Berlin: geöffnet am 12. und 13.9. jeweils von 10 bis 17 Uhr +++ Haus Dittmar, Am Baltenring 24-25, 12621 Berlin:geöffnet am 12.9. zu den Führungen um 13, 14, 15, 16 und 17 Uhr.

Weitere Informationen im Internet:

http://bit.ly/denkmale-lichtenberg

http://bit.ly/denkmale-ma-he

veröffentlicht am 10. September 2015

Schloss Biesdorf: Auferstanden aus Ruinen
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