WIRTSCHAFT: Karsten Heidelbach ist der ganze Stolz eines Unternehmens aus Lichtenberg. Gerade schloss er seine Ausbildung mit der Note 1,0 ab. Das ist bundesweit ein seltener Spitzenwert. Von Marcel Gäding.

Karsten Heidelbach mit seiner Ausbilderin Heike Meyer. Foto: Marcel Gäding
Karsten Heidelbach mit seiner Ausbilderin Heike Meyer. Foto: Marcel Gäding

LICHTENBERG. Stolz präsentiert Heike Meyer eine Kopie von Karsten Heidelbachs Zeugnis. Sie hat das Zertifikat des Oberstufenzentrums Bürowirtschaft II eingerahmt, und das hat einen guten Grund. Denn Karsten Heidelbach hat nach dem Ende seiner dreijährigen Ausbildung in jedem Fach einen Einser, der Gesamtnotendurchschnitt liegt bei 1,0. Bundesweit schaffen dieses Ergebnis nur wenige. Karsten Heidelbach gehört dazu. „Ich habe viel Freude bei der Arbeit, die ich mache“, sagt Karsten Heidelbach, Ex-Azubi der BSB-Saugbagger und Zweiwegetechnik Stefan Mattes GmbH & Co. KG. „Er hat immer mehr gemacht als wir erwartet haben“, fügt Heike Meyer, seine Ausbilderin, hinzu.

Karsten Heidelbach war nicht der typische Azubi. Erst mit 30 Jahren entschied er sich, was Handfestes zu lernen, das er mit einem anerkannten Abschluss krönen kann. Nach dem Abitur hatte er zunächst auf Lehramt studiert, wollte Mathe- und Physiklehrer werden. Am Ende scheiterte es an einem einzigen Schein. Heidelbach beendete das Ganze und ging zunächst ins Ausland. Er machte sich selbstständig. Als er schließlich seine Frau kennenlernte und später mit ihr auch Kinder bekam, sortierte sich der junge Berliner neu. Plötzlich musste er nicht nur für sich, sondern auch für seine kleine Familie Verantwortung übernehmen. Also entschied er sich, eine Ausbildung zum Bürokaufmann anzufangen. „Bei Zahlen liegt schon mein Interesse“, sagt er. Seit Jahren ist der gläubige Christ in seiner Kirchengemeinde, der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ Finanzsekretär. 60 Bewerbungen schrieb er, meist kamen Absagen. „Bei meiner jetzigen Firma aber hatte ich irgendwie ein gutes Gefühl“, blickt Heidelbach zurück. Doch Ausbilderin Meyer sagt, anfangs hätten ihre Kollegen und sie gezögert – unter anderem wegen des Alters. Am Ende aber entschied sich das Lichtenberger Industrieunternehmen dafür, Heidelbach einen Ausbildungsvertrag anzubieten. „Heute kann ich sagen: Er ist eine Bereicherung für unser Unternehmen.“

Dass es Karsten Heidelbach auf einen solchen Abschluss bringt, führt er unter anderem auf seine Selbstdisziplin zurück. Nach jeder Klausur habe er sich eine Zusammenfassung erarbeitet, alle zwei Tage eine halbe Stunde daheim die Unterlagen studiert. Alte Prüfungsbögen nutzte er, um die Fragen darin zu beantworten. „Viel hat mir aber auch gebracht, dass ich mich aktiv am Unterricht beteiligt habe.“ Als er nach dem ersten Semester sein erstes Zwischenzeugnis erhielt, das bis auf zwei Zweien alles Einsen aufwies, packte ihn der Ehrgeiz: „Ich wollte in allen Fächern eine Eins“, sagt der junge Familienvater. Parallel zur Berufsschule durchlief Heidelbach alle Abteilungen der BSB-Saugbagger und Zweiwegetechnik Stefan Mattes GmbH & Co. KG. Dort konnte er seine theoretischen Kenntnisse gleich praktisch anwenden. Er schrieb unter anderem Rechnungen, buchte Zahlungseingänge, half dabei mit, Lohnzahlungen vorzubereiten. Die finale Prüfung ließ Heidelbach dann ohne Stress angehen. „Ein Tag vorher habe ich mir eine Lernpause gegönnt und mich einfach nur etwas erholt“, sagt der Azubi mit Bestnote.

Heidelbachs Chef Stefan Mattes lobt seinen Ex-Azubi in höchsten Tönen. „Herrn Heidelbach zeichnet aus, dass er Interesse am Beruf gezeigt hat.“ Zehn Azubis hat das 60 Mitarbeiter starke, 1994 gegründete Unternehmen, das sich auf Saugbagger spezialisiert hat, die wie eine Art Großstaubsauger Sand und Erde ansaugen. Auftraggeber sind unter anderem die BVG und die Deutsche Bahn AG. Seine Maschinen baut das Unternehmen mit Sitz in der Vulkanstraße seit 15 Jahren selbst.

Um seine Zukunft muss sich Karsten Heidelbach keine Sorgen machen. Er hat schon seinen Anstellungsvertrag in der Tasche. Ausruhen will er sich nicht. Ihm schwebt vor, sich demnächst fortzubilden und als Controller beziehungsweise Bilanzbuchhalter zu arbeiten. „Vielleicht studiere ich auch noch einmal parallel“, sagt Heidelbach, der in Marzahn-Hellersdorf lebt.

veröffentlicht am 4. September 2015

Einer der besten: Lichtenberger Azubi schafft eine 1,0