Totgesagte leben länger: Die Betreiber des Zentrums Helle Mitte vermelden einen Vermietungsstand von 99 Prozent. Gerade hat der Bezirk seinen Mietvertrag für das Rathaus vorfristig bis 2027 verlängert. Andere Mieter expandieren. Derzeit werden gut fünf Millionen Euro investiert. Die Botschaft der Betreiber: Es geht voran. Von Marcel Gäding.

Die Helle Mitte in Hellersdorf: Rund um den Fritz-Lang-Platz gibt es Geschäfte, Kinos, Kliniken und Wohnungen. Fotos: Marcel Gäding
Die Helle Mitte in Hellersdorf: Rund um den Fritz-Lang-Platz gibt es Geschäfte, Kinos, Kliniken und Wohnungen. Fotos: Marcel Gäding

HELLERSDORF. An diesem Freitagvormittag strahlt der Himmel über dem Fritz-Lang-Platz in schönstem Blau. In den Straßencafés und Kneipen sitzen vereinzelt Gäste, Palmen vermitteln ein südländisches Flair. In frischen Farben erstrahlen die Werbefahnen, die an den Gebäuden rund um den Platz hängen. „Helle Mitte. Meine City“ steht darauf. Und in der Tat gibt es hier im Karree zwischen Stendaler Straße, Hellersdorfer Straße und Janusz-Korczak-Straße alles, was ein Stadtzentrum ausmacht: ein Rathaus, ein Kino, eine Hochschule, Restaurants, Geschäfte, ein SB-Warenhaus, kleine Shoppingmalls sowie viele Arztpraxen und Kliniken. Doch in den vergangenen Monaten hat der Ruf von „Helle Mitte“ gelitten: Seit dem Auszug von C&A und dem Weggang von Saturn auf der anderen Straßenseite der Hellen Mitte ist vielfach vom Niedergang des neuen Hellersdorfer Zentrums die Rede. Und so lädt Dr. Wilhelm Pfaffenhausen an diesem schönen Freitag im August die lokale Presse ein um zu beweisen, welches Potenzial die „Helle Mitte“ hat und zu verkünden: „99 Prozent unserer Flächen sind vermietet.“

Pfaffenhausen ist der Geschäftsführer der „Mega 4 Management GmbH“, die vier Gebäudekomplexe in „Helle Mitte“ mit einer Mietfläche von 44.000 Quadratmetern bewirtschaftet und damit den größten Teil der Verantwortung für das neue Hellersdorfer Zentrum trägt. 1997 war nahe des U-Bahnhofs eine der größten Brachflächen im Bezirk bebaut worden – ähnlich wie seinerzeit der Potsdamer Platz. Die modernen, vier- bis fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshäuser hoben sich nicht nur architektonisch von den Plattenbauten aus DDR-Zeiten ab. Mit der Hellen Mitte entstand auch gleichzeitig das nie fertiggestellte Zentrum von Hellersdorf. Doch wenige Jahre danach geriet die neue City am Rande der Stadt in die Schlagzeilen. Der einstige Investor meldete Insolvenz an, große Mieter packten ihre Kisten. Aber: Seit 2005 flossen mehr als sieben Millionen Euro in Umbauten, in den nächsten Monaten folgen weitere fünf Millionen Euro Investitionen von Mietern, die fest an den Standort glauben.

Zu den größten Büromietern gehört der Bezirk Marzahn-Hellersdorf, der 8.500 Quadratmeter nutzt und kürzlich seinen Mietvertrag in „Helle Mitte“ bis Ende 2027 vorfristig verlängert hat. Allerdings zu neuen Konditionen: So zahlt der Bezirk bis 2018 jedes Jahr rund 200.000 Euro weniger. Hätten sich Bezirk und Vermieter nicht geeinigt, wäre womöglich ein Rathaus-Neubau an der Riesaer Straße entstanden. „Ich freue mich unglaublich über dieses positive Signal für den Standort“, sagt Wilhelm Pfaffenhausen. Nach Angaben von Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) habe man einen Zehn-Jahres-Vertrag mit der Option auf Verlängerung um weitere fünf Jahre ausgehandelt. „Wir machen das, weil wir glauben, dass der Standort für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger gut erreichbar ist“, sagt Komoß. Nicht zuletzt habe man auch ein Zeichen setzen wollen zur Stabilisierung des Wirtschaftsstandortes. Langfristig soll die Miete an das Niveau der Umgebung angepasst werden. Auf Dauer wird der Bezirk daher jährlich Geld einsparen. Um wie viel Komoß die Betreiber „heruntergehandelt“ hat, lässt der Bezirksbürgermeister auch auf Nachfrage offen.

Sören Sydow vom Bergwerk Berlin plant eine neue Kletterattraktion für Kinder zwischen drei und fünf Jahren.
Sören Sydow vom Bergwerk Berlin plant eine neue Kletterattraktion für Kinder zwischen drei und fünf Jahren.

Mehr Fläche werden auch private Mieter nutzen: So wird die Synexus Clinical Research GmbH die Fläche ihres Prüfzentrums von derzeit 280 auf knapp 600 Quadratmeter zu erweitern. Grund ist der große, wachsende Zulauf an Patienten. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Studien im Auftrag der Pharmaindustrie und testet anhand von Patienten die Wirksamkeit von Medikamenten. „Die Zahl der Arbeitsplätze wird auf zwölf erhöht“, sagt Thorsten Michael, der Leiter der Klinischen Forschung. Das Fitness-Center „FIT T9“ erweitert ebenfalls auf insgesamt 2.500 Quadratmeter und wird vor allem den Frauenfitness-Bereich ausbauen. Allerdings: Nur wenige Meter weiter, in der leer stehenden C&A-Filiale, plant der Betreiber einer weitere Fitnesskette einen neuen Standort zu eröffnen. Einfluss darauf hat die Mega 4 Management GmbH nicht. Das Gebäude gehört einem anderen Eigentümer. Mehr Platz wird auch das vor drei Jahren eröffnete Bergwerk Berlin beanspruchen: Das Indoor-Kletterparadies nutzt einen Großteil des Cinestar-Kinos und eröffnet Mitte Oktober im früheren Kinosaal 1 das „Bergwerk mini“. Dort können Kinder zwischen drei und fünf Jahren in einer Märchenlandschaft klettern und spielen. „Das Bergwerk hat sich gut entwickelt“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Sören Sydow und verweist auf rund 150.000 Besucher, die teilweise auch aus anderen Bundesländern kommen. „Wir haben uns hier unseren Marktanteil erobert“, erklärt Sydow ganz sportlich.

Peter Kastschajew (FDP), Initiator der Bürgerinitiative „Rettet unsere Helle Mitte“, ist erfreut über die Entwicklung. Er sagt: „Ziel muss es sein, den Fritz-Lang-Platz und den Alice-Salomon-Platz zu beleben, dann reguliert sich auch der Einzelhandel.“ Wichtig sei, dass die Politik der Entwicklung keine Steine in den Weg lege. Wilhelm Pfaffenhausen betont, dass die „Helle Mitte“ zu einem urbanen Zentrum weiter entwickelt wird. „Dafür haben wir sehr an den Strukturen gearbeitet.“

veröffentlicht am 21. August 2015

Frischer Wind für das Hellersdorfer Zentrum
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