Dr. Martin Pätzold gehört mit seinen 31 Jahren zu den jüngsten Bundestagsabgeordneten. Vor zwei Jahren zog er ins Parlament. Zeit für eine erste Zwischenbilanz und ein Gespräch über einen Terminmarathon im Wahlkreis, Erlebnisse der besonderen Art und beachtliche Zahlen.

Dr. Martin Pätzold (CDU) vor dem Plenarsaal des Deutschen Bundestages. Foto: Marcel Gäding
Dr. Martin Pätzold (CDU) vor dem Plenarsaal des Deutschen Bundestages. Foto: Marcel Gäding

MITTE. Viel ist derzeit nicht los in der zweiten Etage des Bundestagsgebäudes an der Dorotheenstraße in Mitte. Es sind Parlamentsferien, Abgeordnete sucht man hier derzeit meist vergeblich. Zu den wenigen Parlamentariern, die auch in der Sommerpause fast täglich ins Büro fahren, gehört Dr. Martin Pätzold. Der 31-jährige Christdemokrat wurde 2011 in den Bundestag gewählt und nutzt die warmen Monate, um Vereine in seinem Wahlkreis zu besuchen, Abgeordnetenkollegen zu treffen oder liegen gebliebene Themen aufzuarbeiten. Für das Bezirks-Journal zieht Pätzold eine Zwischenbilanz seiner Bundestagsarbeit.

Der Parlamentsbetrieb startet erst wieder Ende August und wir treffen Sie hier in Ihrem Büro. Haben Sie schon Urlaub gemacht?
Ja, anderthalb Wochen waren wir in Bad Saarow. Ich habe die Zeit genutzt, Sport zu treiben, Tennis zu spielen oder einfach mal ausgiebig zu frühstücken. Wir waren viel spazieren und haben uns einfach gut erholt. Das Telefon blieb weitestgehend aus, denn mein Leben ist ja nicht nur die Politik. Aber einen Großteil der Parlamentsferien nutze ich, um mir Studien durchzulesen, mit Abgeordnetenkollegen Gespräche zu führen oder liegen gebliebene Themen aufzuarbeiten. Gleichzeitig widme ich meine Zeit meiner Arbeit als CDU-Kreisvorsitzender.

Vor wenigen Tage haben Sie Ihre aktuelle Dialog-Tour durch Lichtenberg beendet. Worum ging es dabei?
Ich habe zwei Wochen lang Vereine und Einrichtungen im Bezirk besucht, mich vor Ort in Lichtenberg und Hohenschönhausen mit den Menschen unterhalten. Bei diesen Gesprächen ist es mir wichtig herauszufinden, was gerade ein Thema ist oder auf die Agenda genommen werden muss. Täglich habe ich bis zu sieben Einrichtungen aufgesucht, bin dort ins Gespräch gekommen. Ich habe Hinweise mitgenommen, etwa auf mögliche neue Kriminalitätsschwerpunkte oder sanierungsbedürftige Toiletten in einer Turnhalle. Ich halte es mit Sokrates, der sagt: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Ihr Programm war ambitioniert: 70 Termine in zwei Wochen. Welche Erlebnisse sind Ihnen nach diesen zwei Wochen im Kiez besonders in Erinnerung geblieben?
Ich denke da beispielsweise an das Haus des Ehrenamts des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das mich sehr beeindruckt hat. Ich finde es bemerkenswert, wie viele Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Bei einer Qualifizierungsgesellschaft erfuhr ich, wie junge Menschen, die es im Leben nicht leicht hatten, umgeschult werden. Und dann denke ich noch an meinen Termin im Selgros-Großmarkt zurück, wo ich mich einfach mal an die Kasse gesetzt habe. Ich kann Ihnen sagen: Das ist da ganz schön anstrengend. Eine ziemlich harte Arbeit. Ich finde: Jede Arbeit, egal welche, sollte wertgeschätzt werden. Übrigens: Gut 250 Euro, die ich an diesem Tag an der Kasse eingenommen habe, hat Selgros für den Hospiz- und Palliativ-Dienst der Malteser gespendet. Ich habe gesehen, wie vielfältig Lichtenberg ist. Mein Ziel ist es, meine Neugierde zu behalten und weiterhin mit offenen Augen durch den Bezirk zu gehen. Ich bin auch schon mal mit der Polizei Streife gefahren und war bei der Feuerwehr im Einsatz. Jeder Termin ist für mich etwas Besonderes.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus den Terminen vor Ort mit für Ihre parlamentarische Arbeit?
Viele! Als Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales treffen wir ja umfassende Entscheidungen, deren Auswirkungen ich direkt vor Ort nachprüfen kann. Mein Anspruch ist es daher auch, das neue Lichtenberg positiv mitzugestalten. Und da habe ich als Bundestagsabgeordneter relativ viel Spielraum.

Nennen Sie uns doch mal einige Beispiele.
Spontan fällt mir das Thema Arbeit ein. Als Angela Merkel 2005 Bundeskanzlerin wurde, lag die Arbeitslosenquote in Lichtenberg bei 17,3 Prozent. Das waren gut 25.000 Menschen ohne Job. Inzwischen beträgt die Quote rund 9,5 Prozent, was umgerechnet rund 14.000 Erwerbslosen entspricht. Ich führe dies auch auf eine gute Bundespolitik zurück. Vor Ort stehe ich in engem Kontakt zu den verschiedenen Akteuren im Bezirk. Ich sage: Arbeit ist nicht nur da, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Arbeit dient auch der gesellschaftlichen Teilhabe. Auf Bundesebene habe ich mich auch für die Mütterrente engagiert, weil ich denke, dass es wichtig ist, die Erziehungsleistung der Frauen anzuerkennen. Als Bundestagsabgeordnete können wir für viele Dinge die Rahmenbedingungen schaffen.

Bis zur nächsten Bundestagswahl sind noch gut zwei Jahre. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?
Bisher habe ich acht Reden gehalten, die meisten vollkommen frei ohne ausformuliertes Redemanuskript. Mir ist es gelungen, gemeinsam mit unserem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder 137.000 Euro für die Sanierung der Koptischen Kirche aus dem Bundeshaushalt zu erhalten und Bundesmittel für den Verein „Publicata“ zu akquirieren. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir es im Bund geschafft haben, keine neuen Schulden zu machen. Gern hätte ich, auch in Verantwortung für die nach uns folgenden Generationen einst aufgenommene Schulden getilgt. Seit ich Bundestagsabgeordneter bin, haben mich 3.300 Menschen aus dem Wahlkreis hier im Bundestag besucht und sind mit mir ins Gespräch gekommen. Mir ist es wichtig, für die Leute da zu sein.

Wo möchten Sie am Ende der Legislaturperiode stehen?
Schöne wäre es, wenn die Menschen sagen würden, dass der Pätzold etwas für Lichtenberg bewegt hat und mein Engagement bei der nächsten Bundestagswahl würdigen, in dem sie mir ihre Stimme geben. Ich habe ganz klar das Ziel, in Lichtenberg das Direktmandat zu holen.

Das Gespräch führte Marcel Gäding.

 

Sechs Fakten über Dr. Martin Pätzold

  1. Einer von hier: Martin Pätzold wurde 1984 in Moskau geboren, wuchs jedoch in Hohenschönhausen auf. Er machte dort 2004 sein Abitur am Barnim-Gymnasium.
  2. Politisch von Anfang an: Mit 18 Jahren tritt Martin Pätzold in die CDU ein. 2007 wird er Ortsvorsitzender von Hohenschönhausen. Seit 2011 ist er Kreisvorsitzender von Lichtenberg
  3. Sportlich seit der Jugend: Martin Pätzold treibt gerne Sport, darunter Tischtennis. Alle zwei Tage geht er joggen. Er ist zudem Vize-Chef des Bezirkssportbundes.
  4. Im Bundestag seit zwei Jahren: 2013 zog der inzwischen promovierte Wirtschaftswissenschaftler Martin Pätzold über die Landesliste in den Deutschen Bundestag.
  5. Engagiert im Bezirk: Pätzold sammelt regelmäßig Kleidung und Essen für Hilfsbedürftige und engagiert sich in Vereinen, unter anderem im TuS Hohenschönhausen.
  6. In den Ausschüssen aktiv: Als Mitglied des Deutschen Bundestages ist Martin Pätzold in den Ausschüssen Arbeit und Soziales sowie für die Angelegenheiten der Europäischen Union aktiv.

Infos: www.martinpaetzold.de

„Mir ist es wichtig, für die Leute da zu sein“