Lichtenberg ist der einzige Berliner Bezirk, in dem Störche leben. Nachdem die Weißstörche bereits in den Ortsteilen Falkenberg und Malchow nisten, soll jetzt auch ein Storchennest in Wartenberg dazu kommen. Der Bezirk lässt sich das etwas kosten: 45.000 Euro. Von Marcel Gäding.

Heute gibt es bereits Störche in Wartenberg - allerdings in Bronze. Diese Skulptur steht an der Dorfstraße. Foto: Marcel Gäding
Heute gibt es bereits Störche in Wartenberg – allerdings in Bronze. Diese Skulptur steht an der Dorfstraße. Foto: Marcel Gäding

MALCHOW/ WARTENBERG. Gut möglich, dass die Kicker vom Wartenberger SV ab dem kommenden Frühjahr einige Dauergäste mehr haben – zumindest in der Zeit zwischen April bis September. Bis Ende November dieses Jahres soll direkt neben dem Sportplatz am Fennpfuhlweg ein Storchennest entstehen. Acht Meter hoch soll der dafür zu bauende Mast sein, dazu kommt ein Plateau, auf dem Meister Adebar und seine Gattin ihr Heim herrichten. „Die Arbeiten übernimmt ein Unternehmen aus Thüringen“, sagt Heike Gruppe vom bezirklichen Arbeitskreis Umwelt und Bildung. Ganz billig wird das Bauvorhaben nicht: 45.000 Euro werden für die Arbeiten veranschlagt.

Für Lichtenberg gilt es um nichts geringeres als darum, einen Ruf zu verteidigen. Denn der Bezirk bezeichnet sich selbst nicht nur als kinder- und familienfreundlich. Er ist auch der Einzige in Berlin, in dem Störche heimisch sind und eigentlich mit dem Prädikat „familien-, storchen- und kinderfreundlicher Bezirk“ werben könnte: Sowohl an der Dorfstraße im Ortsteil Falkenberg als auch in der Dorfstraße im Ortsteil Malchow befinden sich Storchennester. „Die Voraussetzungen sind unter anderem durch die landwirtschaftliche Nutzung der Gegend gegeben“, sagt die Diplom-Biologin Beate Kitzmann von der Naturschutzstation Malchow. Auf den Wiesen und Feldern finden die Weißstörche Nahrung – dazu gehören nicht nur Frösche, sondern auch Insekten. Die Naturschutzstation profitiert von den Störchen als Publikumsmagneten. Das Gelände beherbergt zwei Nester, die in diesem Jahr aber nur als Rastplatz und Stundenhotel dienen. Ein Nest wurde gar nicht als Brutplatz angenommen. Das andere Nest wurde von den brütenden Störchen nach dem Gerangel mit einem Artgenossen verlassen. Zurück blieben die Eier von drei Jungstörchen, die wegen der kühlen Frühlingstage erst gar nicht das Licht der Welt erblickten. Aktuell landet zuweilen ein Storch in Malchow, aber nur für eine kurze Pause. Und so bleibt Malchow dieses Jahr ohne Nachwuchs, während es in Falkenberg zwei kleine Störche geben soll. Prinzipiell sei 2015 ein „global schlechtes Storchenjahr“, erklärt die Biologin. Aus dem Storchenland Brandenburg kommen Meldungen, wonach es bei 40 Prozent der besetzten Storchenhorste keinen Nachwuchs gab. „Doch nach einem schlechten Storchenjahr kommt ein gutes“, sagt Beate Kitzmann.

Das gute Lichtenberger Storchenjahr kann schon im April/ Mai kommenden Jahres beginnen. Dann können die Störche in Wartenberg ihr Nest bauen. „Mit den Störchen hat Lichtenberg ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Heike Gruppe, die hauptamtlich als Sachbearbeiterin für Artenschutz im Bezirksamt Lichtenberg angestellt ist. Allerdings ist auszuschließen, dass die Neu-Wartenberger Dauergäste bleiben. In der Regel werden Storchennester von Jahr zu Jahr neu besetzt. Auch die Konstellation der Storcheneltern kann sich ändern. „Störche führen eine monogame Saisonehe“, berichtet Biologin Kitzmann.

veröffentlicht am 27. Juli 2015

Bezirk Lichtenberg baut ein neues Heim für Familie Adebar