Mit dem Biesenhorster Sand entsteht zwischen Karlshorst und Biesdorf ein neuer Naturpark. Dort sollen Schafe weiden und Wege zum Spaziergang einladen. Ganz nebenbei bleibt der Lebensraum vieler seltener Pflanzen- und Tierarten erhalten. Von Marcel Gäding.

Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) am Biesenhorster Sand. Foto: Marcel Gäding
Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) am Biesenhorster Sand. Foto: Marcel Gäding

KARLSHORST. Dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, ist die Welt noch in Ordnung: In der Straße Am Heizhaus in Karlshorst werden die Straßen schmaler. Links und rechts säumen Kleingärten die Wege, gut zu sehen sind auch die alten Flugzeughallen, die bis in die 1920er-Jahre genutzt wurden. An einer Sackgasse endet die Straße schließlich – von hier aus geht es nur noch zu Fuß weiter. Bis 1994 war das Areal nicht zugänglich. Denn auf dem Biesenhorster Sand befanden sich große Teile des Rangierbahnhofs Wuhlheide. Danach wuchsen Büsche, Sträucher sowie wildes Gras und überdeckten die teilweise heideartige Landschaft. Der Bezirk will den Biesenhorster Sand nun zu einem Naturpark gestalten und ihn unter Landschaftsschutz stellen. Seine Helfer: 40 Schafe, die auf natürliche Weise für kurzes Gras sorgen.

Die ersten Arbeiten für den Naturpark sind bereits abgeschlossen: Zäune umgeben einen Großteil des 20 Hektar großen Areals, das sich direkt an der Grenze zum Bezirk Marzahn-Hellersdorf erstreckt und das zwischen dem U-Bahnhof Biesdorf und dem S-Bahnhof Wulheide liegt. Zwischen alten Kiefern gibt es dünn gewachsene Wiesen. „Sie sind ein wichtiger Lebensraum für viele bedrohte Arten“, sagt Lichtenbergs Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU). Bei einer Untersuchung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) kam zu Tage, dass im Biesenhorster Sand Insekten und Pflanzen leben, die lange als ausgestorben galten. Unter anderem wurden 388 Großschmetterlingsarten gezählt. Zwölf davon wähnte man bereits ausgerottet. Auch 22 Heuschreckenarten protokollierten die Naturschützer, unter ihnen das größte Berliner Vorkommen der „Blauflügeligen Sandschrecke“. Der Biesenhorster Sand ist außerdem Heimat von 33 Vogelarten, darunter sind die seltenen Haubenlerchen, der Steinschmätzer und der Bluthänfling.

Bereits heute informiert eine Schautafel über die Artenvielfalt im Biesenhorster Sand. Wege führen durch die weitläufige Anlage. „Unser Ziel ist es, diesen Zustand zu erhalten und den Leuten die Gelegenheit zu geben, einen Bezug zur Natur zu erhalten“, sagt Wilfried Nünthel. Dass der Bezirk eine hohe siebenstellige Summe in die Flächen investiert, verdankt er einem Investor. Der muss für den Bau von Wohnhäusern in der Gartenstadt Karlshorst Ausgleichszahlungen leisten. So sieht es das Bundesnaturschutzgesetz für den Fall vor, dass durch Neubauten Grünflächen „geopfert“ werden. Dieses Geld kommt nun dem Biesenhorster Sand zu Gute. „Langfristig soll das Areal Landschaftsschutzgebiet werden“, kündigt Wilfried Nünthel an. Allerdings ruht das dafür notwendige Verfahren. Geklärt werden soll auf Landesebene, ob die alten noch erhaltenen Bahnflächen unweit des Naturparks Reserveflächen für private Bahnbetreiber werden. Die bereits von der Natur zurückeroberten Bereiche sind davon jedoch nicht betroffen.

Bereits seit einigen Jahren übernimmt der NABU die Pflege des Biesenhorster Sandes. Eine Aufgabe, die jedoch die ehrenamtlichen Naturschützer überfordert. Daher werden in den kommenden Wochen Schafe auf das Areal ziehen und dafür sorgen, dass sich der Wildwuchs in Grenzen hält. „Allein kommt der NABU mit der Landschaftspflege nicht hinterher“, sagt Wilfried Nünthel. Fünf Koppeln wurden für die Paarhufer umzäunt.

Bis 1994 wurde der Biesenhorster Sand als Rangierbahnhof genutzt. Davor befand sich dort der einstige Flughafen Friedrichsfelde. Sechs mit Kuppeldächern versehene Hallen existieren heute noch und stehen unter Denkmalschutz. 1909 existierte dort auch eine Luftschiffhalle, die allerdings nur wenige Jahre kein Betrieb war.

veröffentlicht am 22. Juli 2015

Weitere Informationen: 

Informationen beim NABU

Karlshorst: Paradies für Schmetterlinge und Heuschrecken