Der Wohnungsmarktreport 2015 liegt vor und verdeutlicht einen Trend: Wer in Berlin eine Wohnung sucht, orientiert sich zunehmend in den Randbezirken. Dort steigen die Mieten deshalb erheblich. Das Bezirks-Journal hat sich den Report etwas genauer angeschaut. Von Marcel Gäding.

Wohnen im Osten ist noch günstig, die Mieten steigen jedoch auch hier. Foto: Marcel Gäding
Wohnen im Osten ist noch günstig, die Mieten steigen jedoch auch hier. Foto: Marcel Gäding

LICHTENBERG/ MARZAHN. Wer in Berlin eine neue Wohnung sucht, weicht immer häufiger auf die Stadtrandbezirke im Osten aus – was zu einem Anstieg der Mieten in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg führt. Das geht aus dem neuen Wohnungsmarktreport hervor, den das Bankhaus BerlinHyp und der weltweit agierende Immobiliendienstleister CBRE vorgelegt haben. „In den vergangenen Jahren konzentrierte sich der Mietanstieg auf besonders gefragte Innenstadtquartiere“, heißt es in dem 53 Seiten starken Papier. „Der Nachfragedruck verlagert sich von den Spitzenlagen in die Breite.“ Grundlage für die Untersuchung sind 64.170 ausgewertete Wohnungsangebote des vergangenen Jahres, die den 190 Postleitzahlgebieten Berlins zugeordnet wurden. Ergebnis ist eine tiefgründige Analyse, aus der hervorgeht, welche Wohnungen zu welchen Konditionen neu vermietet werden und die auch einen Überblick über Fakten wie Kaufkraft gibt.

Während sich die bereits ohnehin sehr hohen Mieten in der Innenstadt kaum noch nach oben bewegen, verzeichnen Stadtrandbezirke wie Marzahn-Hellersdorf oder Lichtenberg einen überdurchschnittlich hohen Anstieg der Mieten: Die Durchschnittsmiete in Lichtenberg stieg um 12,2 Prozent auf 7,98 Euro pro Quadratmeter und Monat. In Marzahn-Hellersdorf registrierte man einen Anstieg um 9,1 Prozent auf 5,96 Euro pro Quadratmeter und Monat. Damit liegen die Bezirke zwar immer noch weit hinter Bezirken wie Mitte (10 Euro pro Quadratmeter/ Monat) und Friedrichshain-Kreuzberg (10,39 Euro pro Quadratmeter/ Monat). Dennoch ist davon auszugehen, dass vor allem in Lichtenberg die Mieten in den kommenden Jahren weiter steigen werden. „Dieser Bezirk wird von Wohnungssuchenden zunehmend als Ausweichstandort genutzt, weil ihnen das Angebot innerhalb des S-Bahn-Rings zu knapp beziehungsweise zu teuer ist“, sagt Michael Schlatterer, Teamleiter Residential Valuation bei CBRE.

Grafik: Mietpreise in Berlin

Mietpreise Berlin 2015

Besonders günstig gibt es Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf noch rund um die Mehrower Allee und die Raoul-Wallenberg-Straße. In Lichtenberg werden vor allem in Friedrichsfelde-Süd, Wartenberg und Falkenberg niedrige Mieten aufgerufen. In Marzahn-Nord gibt es neue Wohnungen im günstigsten Fall für 4,28 Euro pro Quadratmeter, die höchsten Mietangebote für neue Wohnungen wurden in Kaulsdorf mit 12,25 Euro pro Quadratmeter im oberen Preissegment festgestellt. In Lichtenberg ist die Gegend rund um die Falkenberger Chaussee mit 4,71 Euro pro Quadratmeter im unteren Marktsegment festgeschrieben, während man in Rummelsburg bereits eine Durchschnittsmiete von 14,40 Euro oder in Alt-Lichtenberg von 13,04 Euro pro Quadratmeter im oberen Marktsegment zahlt. Spitzenreiter bei den mittleren Angebotsmieten in Lichtenberg ist jedoch Karlshorst, in dem Vermieter im Schnitt 8,81 Euro pro Quadratmeter bei Neuvermietungen kassieren. Die „8-Euro-Grenze“ überschritten haben in Lichtenberg laut Wohnungsmarktreport das Quartier um die Siegfriedstraße und Alt-Hohenschönhausen.

Marzahn-Hellersdorf wiederum bleibt der mit Abstand preisgünstigste Bezirk für Mieter, heißt es im Wohnungsmarktreport. „Dazu tragen sowohl seine sehr dezentrale Lage als auch der nüchternmonumentale Charakter der beiden großen Wohngebiete bei, die in den 1970er- und 1980er-Jahren hier entstanden.“ Für die Großsiedlung um die Mehrower Allee und die Raoul-Wallenberg-Straße konstatieren die Experten: „In beiden Quartieren ist die Kaufkraft zwar nur mäßig, aber die verlangte Miete fast die niedrigste in Berlin.“ Allerdings profitiert Marzahn-Hellersdorf von den hohen Mieten in der Innenstadt und den Zuzügen: „Es ziehen wieder Normalverdiener zu; sogar einzelne Künstler wurden schon gesichtet.“ Der lange Zeit stadtweit höchste Leerstand sei in jüngster Zeit deutlich gesunken. „Die zunehmende Anspannung des Berliner Wohnungsmarkts führt in Marzahn-Hellersdorf also nicht zu dem von manchem befürchteten sozialen Brennpunkt, sondern zu einer stärker gemischten und solideren Sozialstruktur.“

veröffentlicht am 28. Mai 2015

Report: Wohnen im Osten Berlins wird teurer
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