Marzahn-Hellersdorf, der Landkreis Märkisch-Oderland und die Gemeinde Ahrensfelde wollen die Region gemeinsam als Standort für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus vermarkten. Dieses Netzwerk wäre bundesweit einmalig. Von Marcel Gäding.

Nach Brandenburg nur einen Sprung: Landesgrenze an der Bundesstraße 1. Foto: Marcel Gäding
Nach Brandenburg nur einen Sprung: Landesgrenze an der Bundesstraße 1. Foto: Marcel Gäding

MARZAHN-HELLERSDORF/ STRAUSBERG. Wer in der Region Marzahn-Hellersdorf unterwegs ist, bekommt oft nicht mit, dass er gerade eine Landesgrenze überschritten hat. Die U-Bahnlinie 5 ist so ein Fall: Sie ist die einzige Berliner U-Bahnlinie mit Endhaltestelle im Land Brandenburg. Ähnlich sieht es in Mahlsdorf-Süd aus, wo die Paul-Wegener-Straße oder die Pilsener Straße im brandenburgischen Waldesruh münden. In der Praxis sind Marzahn-Hellersdorf und die Umlandgemeinden des Landkreises Märkisch-Oderland längst zusammengewachsen. „Die Menschen in der Region nehmen die Landesgrenzen nicht mehr wahr“, sagt Marzahn-Hellersdorfs Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU). Es war daher nur eine Frage der Zeit, dass der Berliner Bezirk und der Brandenburger Landkreis gemeinsame Sache machen. Zumindest in Sachen Regionalmanagement gibt es jetzt eine Art kleine Länderfusion.

Künftig wollen Marzahn-Hellersdorf und Märkisch-Oderland sowie die Gemeinde Ahrensfelde (Barnim) die Region als gemeinsamen Wirtschaftsraum vermarkten. In Strausberg, am Standort der regionalen Wirtschaftsförderung STIC an der Garzauer Chaussee, soll das „Regionalmanagement Marzahn-Hellersdorf / Märkisch-Oderland“ seinen Sitz in Form einer Geschäftsstelle haben. Zwei Regionalmanager und ein Assistent werden drei Jahre lang Unternehmen zusammenbringen, konkrete Projekte ausarbeiten und auch das Netzwerk zwischen den Wirtschaftsförderungen auf Berliner und Brandenburger Seite beleben. 750.000 Euro Fördergeld aus dem Etat „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ wurden beantragt. Es ist so gut wie sicher, dass die Summe genehmigt wird.

„Die Kernaufgabe wird darin bestehen, Unternehmen auf beiden Seiten zusammenzubringen und Potenziale auszuloten“, sagt Christian Gräff. Viele Anknüpfungspunkte gebe es bei Fragen der Fachkräftegewinnung und -sicherung und des Tourismus. Konkret bemühen sich sowohl Marzahn-Hellersdorf als auch Märkisch-Oderland darum, Industriestandorte auszubauen und weiterzuentwickeln, das Image der Region zu verbessern und die Infrastruktur zu optimieren. Gemeinsamkeiten gibt es reichlich: Jeder zweite Bewohner ist im Metropolenraum erwerbstätig, die Arbeitslosenquote liegt bei rund 10 Prozent. Die meisten Beschäftigten sind im Gesundheits- und Sozialwesen tätig, gefolgt von Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen, dem Baugewerbe und dem verarbeitendenden Gewerbe. Während 50.000 Menschen jeden Morgen aus Umlandgemeinden wie Strausberg, Dahlwitz-Hoppegarten oder Neuenhagen zur Arbeit nach Berlin fahren, zieht es in die umgekehrte Richtung 14.000 Berliner Richtung Märkisch-Oderland.

Sich untereinander zu vernetzen ist zumindest für die Brandenburger nicht neu. Dort gibt es bereits den „Zukunftsraum Östliches Berliner Umland (ZöBU)“ – ein Zusammenschluss der Städte und Gemeinden im östlichen Berliner Speckgürtel. Neu ist aber, jetzt mit Berlin an Projekten zu arbeiten. Bewusst habe man sich entschieden, die Geschäftsstelle des gemeinsamen Regionalmarketings in Strausberg anzusiedeln – quasi auf halbem Weg zwischen der Marzahn-Hellersdorf und der östlichen Landkreisgrenze, die an der Oder endet. Unter welchem Namen das neue Regionalmanagement arbeitet ist noch offen.

Die Aufgaben des Regionalmanagements sollen ausgeschrieben werden. „Hierfür werden wir uns einen Dienstleister suchen“, sagt Christian Gräff. Kontrolliert wird die Arbeit von einem Beirat, dem die Verwaltungen genauso angehören werden wie Wirtschaftsverbände und die Industrie- und Handelskammern Westbrandenburg und Berlin. „Die Region hat wahnsinnige Chancen“, sagt Christian Gräff. „Unsere zentrale Botschaft soll daher lauten, dass wir der Zukunftsraum in der Metropolenregion Berlin/ Brandenburg sind.“

veröffentlicht am 14. April 2015

Weitere Informationen:

Wirtschaftsförderung Marzahn-Hellersdorf

Wirtschaft rückt am östlichen Stadtrand zusammen