Die Gärten der Welt sind vom Grau des Winters befreit. Derzeit platzen die Knospen von Zierkirschen und Magnolien. Das ist erst der Anfang. In diesen Tagen beginnen die wohl schönsten Wochen an der Eisenacher Straße. Von Marcel Gäding.

Kathrin Buhe ist die Parkmanagerin der Gärten der Welt. Fotos: Marcel Gäding
Kathrin Buhe ist die Parkmanagerin der Gärten der Welt. Fotos: Marcel Gäding

MARZAHN-HELLERSDORF. Dieser Wind. Nein, der hätte jetzt wirklich nicht sein müssen. Auf den Wegen und in den Beeten liegen Äste, auf der Terrasse des Chinesischen Gartens hat es gleich mehrere Sonnenschirme umgerissen. „Dabei hatten wir alles so schön hergerichtet“, sagt Kathrin Buhe, die Parkmanagerin der Gärten der Welt. Also greift sie am Tag nach dem offiziellen Start in die neue Saison mehrmals bei ihrer Tour durch die Anlage zum Telefon, informiert Kollegen oder hebt abgebrochene Zweige auf. Dass es zuweilen auch noch frisch und kühl ist, verdirbt aber keineswegs die Stimmung bei den Mitarbeitern in den Gärten der Welt. Ganz im Gegenteil: So wie es aussieht, werden pünktlich zum traditionellen Kirschblütenfest am 12. April die Bäume in ihrer schönsten Pracht erstrahlen. Eine Punktlandung. „Es gab Jahre, da sind die Blüten zum Kirschblütenfest entweder erfroren oder wegen der milden Witterung bereits wieder verwelkt gewesen“, erinnert sich die Parkmanagerin“

Einen Monat lang haben die Gärtner in den Gärten der Welt alles auf Grün gestellt: Altes Laub wurde beseitigt, Rasenflächen abgeharkt und vom grauen Filz des Winters befreit und dazu noch 32.000 Hornveilchen, Goldlack, Stiefmütterchen und Gänseblümchen in die Erde gebracht. Die Gärtner schnitten Stauden zurück und entfernten altes Gehölz. Die im Herbst gesetzten Blumenzwiebeln sorgen jetzt für einen bunten Teppich an Tulpen und Narzissen. Im Japanischen Garten bilden die Knospen der Japanischen Zierkirsche bereits einen ansehnlichen roten Schleier, hier und da sind auch schon Blüten zu sehen. Die Stammbesucher können es kaum erwarten. „Wie in jedem Jahr rufen sie derzeit auch immer wieder an und erkundigen sich, wann die Kirschen blühen“, sagt Kathrin Buhe.

Im Orientalischen Garten blühen die Magnolien.
Im Orientalischen Garten blühen die Magnolien.

Richtig viel zu tun gab es aber auch in den Themengärten wie dem Orientalischen Garten: Hier wurden die Dattelpalmen von ihrer Haube befreit. Über den Winter hinweg hatten es die Pflanzen dank einer besonderen Heizspirale schön warm. Noch im Depot bleiben aber die mediterranen Kübelpflanzen wie Oleander, Zitrone oder Wandelröschen. Sie werden erst wieder ab Mai zu bewundern sein. „Bis dahin kümmert sich ein Kollege der Parkgärtnerei Britz um die wärmeliebenden Pflanzen“, sagt Kathrin Buhe. Die größte Sorge der Gärtner ist aktuell, dass der Winter zurückkommt und der Frost den Pflanzen zusetzt. Aber auch der trockene März war eine Gefahr für die Flora, mehrfach mussten bereits die Grünanlagen gewässert werden, weil es kaum regnete. In diesem Jahr müssen sich Besucher in den Gärten der Welt jedoch auf die eine oder andere Einschränkung einstellen. Überall in dem 43 Hektar großen Park sind Bauzäune zu sehen, die nicht direkt mit den Vorbereitungen für die Internationale Gartenausstellung IGA 2017 zu tun haben. „Vielmehr setzen wir Teile unseres Masterplans um“, sagt Kathrin Buhe. Dazu gehöre, die in der DDR-Zeit asphaltierten Wege zu erneuern. Gut anderthalb Jahre werden diese Arbeiten dauern, sagt die Parkmanagerin. Gebaut wird abschnittsweise. „Der Zugang zu den Gärten ist aber jederzeit möglich.“

Park mit Geschichte

Geschichte: Die Gärten der Welt befinden sich auf dem Areal der am 9. Mai 1987 eröffneten Berliner Gartenschau als Geschenk der Gärtner an die 750 Jahre alte Stadt Berlin. Nach dem Fall der Mauer erhielt die Anlage den Namen Erholungspark Marzahn. Ab dem Jahr 2000 änderte die Anlage ihr Gesicht mit der Eröffnung des Chinesischen Gartens. Inzwischen gibt es mit dem Japanischen Garten, dem Balinesischen Garten oder dem Orientalischen Garten neun dieser Themengärten. Vergangenes Jahr besuchten 400.000 Menschen die Gärten der Welt, jeder zweite von ihnen war Besitzer einer Jahreskarte.

Öffnungszeiten/ Eintritt: Die Gärten der Welt an der Eisenacher Straße 99 sind bis Ende September täglich von 9 bis 20 Uhr und im Oktober von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro, Kinder von 6 bis 14 Jahren zahlen 1,50 Euro. In der Nebensaison (Mitte November bis Mitte März) kostet der Eintritt zwei, erm. 1 Euro. Jahreskarten kosten 30 Euro und berechtigen auch zum Eintritt in den Britzer Garten, den Natur-Park Schöneberger Südgelände sowie den Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow. Kinder zahlen für die Jahreskarte 15 Euro.

Buch zum Garten: Der Verein „Freunde der Gärten der Welt e.V.“ hat gerade sein erstes Buch veröffentlicht. Titel: „Von der Berliner Gartenschau zu den Gärten der Welt – Geschichte und Geschichten“. Auf 148 Seiten kommen 13 Autoren zu Wort, unter ihnen der frühere Marzahner Stadtbezirksbürgermeister Gert Cyske und der Ostberliner Chefarchitekt Roland Korn. Das Buch kann für 5 Euro unter
Tel. (030) 7 00 90 66 99 bestellt werden.

veröffentlicht am 10. April 2015

Gärten der Welt: Alles auf Grün in Marzahn