Seit Jahren ist Schloss Biesdorf unter Planen und Baugerüsten versteckt, in zwei Wochen hat das ein Ende. Dann sollen sowohl das Gerüst als auch das Wetterschutzdach abgebaut werden, wie Bauleiter Alexander Pechmann am Montag sagte. Vor Ort erläuterte er Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen und Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (beide SPD) den Baufortschritt. Im August soll das Haus dem Bezirk übergeben werden. Von Marcel Gäding.

Bauleiter Alexander Pechmann, Bürgermeister Komoß und Finanzsenator Kollatz-Ahnen im Schloss Biesdorf. Foto: M. Gäding
Bauleiter Alexander Pechmann, Bürgermeister Komoß und Finanzsenator Kollatz-Ahnen im Schloss Biesdorf. Foto: M. Gäding

BIESDORF: Noch versperren die Bauplanen den Blick nach draußen, die frühlingshafte Sonne allerdings bahnt sich bereits ihren Weg ins Innere von Schloss Biesdorf und sorgt an diesem regnerischen Tag zwischendrin für viel Licht. Zwei Wochen noch, dann kann man von den großen und hohen Räumen mit den Rundfenstern wieder nach draußen schauen. Schon im August werden auch die Ausbauarbeiten in der Turmvilla beendet sein. Dann sollen die Räume für die spätere Nutzung als Galerie hergerichtet werden.

„Schloss Biesdorf ist eine unserer großen Baustellen“, erklärt Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister Stefan Komoß dem sichtlich interessierten Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen. Im August 2016 soll das Haus, das 1868 erbaut wurde, der Öffentlichkeit übergeben werden. Derzeit laufen die Arbeiten alle nach Plan, auch wenn die ursprünglich auf acht Millionen Euro veranschlagten Sanierungskosten inzwischen bei zehn Millionen Euro liegen. Bei Arbeiten an den historischen Mauern offenbarte sich unter dem Putz das Übel: Ein Drittel der Außenwände wurde bei einem Bombenangriff 1945 so stark beschädigt, dass die Steine ausgetauscht werden mussten. „Wir haben Steine gefunden, die völlig kaputtgelüht waren“, berichtet Bauleiter Alexander Pechmann. An die 200 Kubikmeter Steine mussten entsorgt und durch neue Steine ersetzt werden. Einige Wände waren mit Bauschutt gefüllt, die Haupttreppe lag lose auf Schutt. Dennoch sei man im Plan und werde das Haus planmäßig an den Bezirk übergeben können. Demnächst wird noch eine Laterne aus Sachsen geliefert, die im Turm des Schlosses installiert wird.

Finanzsenator Kollatz-Ahnen sieht mit Freude, dass es in Berlin Bauprojekte gibt, die pünktlich fertig werden. Zweieinhalb Stunden weilte er am Montag im Bezirk, zunächst, um mit dem Bezirksbürgermeister über Fragen der Bezirksfinanzen zu sprechen. Anschließend ging es zum fast fertig erschlossenen CleanTech Business Park. „Der Bezirksbürgermeister bestand darauf, mir das Schloss als Gegenpart zu zeigen.“ Komoß wiederum geht davon aus, dass das Schloss mit der künftigen Ausstellung von DDR-Kunst jährlich an die 80.000 Besucher anziehen wird. „Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten spielt der Tourismus in Berlin eine große Rolle“, sagt Kollatz-Ahnen. „Davon bekommt Marzahn-Hellersdorf leider nur einen Teil ab.“ Er hofft aber, dass durch Projekte wie die IGA2017 oder das Schloss Biesdorf noch mehr Touristen auf den Bezirk aufmerksam werden.

Schloss Biesdorf war einst als spätklassizistische Turmvilla gebaut worden, unter anderem von Martin Gopius. Das denkmalgeschützte Haus und der dazugehörige Schlosspark sollen 2017 in die Internationale Gartenschau IGA integriert werden. Die Sanierungskosten in Höhe von zehn Millionen Euro werden aus EU- und Lottomitteln sowie dem Bezirkshaushalt finanziert. Während vom Sommer an das Haus eingerichtet wird, werden die aufwändigen Arbeiten an der Stuckfassade noch bis 2016 dauern. Derzeit verlegen die Handwerker die Elektrik und den Fußboden, Heizungen und Türzargen sind bereits montiert.

veröffentlicht am 30. März 2015

Schloss Biesdorf: Baugerüste in zwei Wochen Geschichte
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