Berlin will zwei neue Kombibäder bauen. Das steht im neuen Bäderkonzept des Senats. Marzahn-Hellersdorf findet in dem Papier keine Erwähnung. Unterdessen soll der Tierpark Berlin ein Freizeitbad bekommen. Von Marcel Gäding.

Blieb im einst beliebten Wernerbad zurück: Skulptur von Knautschke. Foto: Marcel Gäding
Blieb im einst beliebten Wernerbad zurück: Skulptur von Knautschke. Foto: Marcel Gäding

MARZAHN-HELLERSDORF. Düstere Aussichten für alle, die im Sommer gerne unter freiem Himmel schwimmen wollen: Allem Anschein nach wird Marzahn-Hellersdorf auch in den kommenden Jahren auf ein Freibad verzichten müssen. Zumindest, wenn es nach den Autoren des Bäderkonzepts geht, das die Berliner Bäderbetriebe vorgelegt haben. Dieses Papier sieht zwar den Erhalt aller Schwimmhallen und Freibäder in Berlin vor. Und selbst zwei Neubauten sind in der Planung enthalten. Doch Marzahn-Hellersdorf geht in dieser Hinsicht leer aus. „Wir können davon ausgehen, dass bis 2025 in unserer Region kein Freibad geplant ist“, sagt der haushaltspolitische Sprecher der Linksfraktion, Klaus-Jürgen Dahler.

Von den ursprünglich vier geplanten neuen Freibädern in Berlin sind im Konzept nur noch zwei vorgesehen – eines in Pankow und eines in Mariendorf. „Das ist nicht das, was wir uns als Bezirk vorgestellt haben“, räumt auch Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) ein. Er sitzt im Aufsichtsrat der Bäderbetriebe und war selbst überrascht, was im neuen Berliner Bäderkonzept steht. „Mitte letzten Jahres wurde ein ganz anderes Konzept vom Aufsichtsrat beschlossen“, sagt Komoß. Damals sei von vier neuen Bädern die Rede gewesen. Die jetzige Konzeption sei aus seiner Sicht unbefriedigend. Da es sich zunächst um ein Senatskonzept handele, schöpft Komoß Hoffnung: „Ich glaube nicht, dass die Debatte beendet ist.“ Denn auch das Abgeordnetenhaus und der Aufsichtsrat der Bäder-Betriebe müssen noch grünes Licht für das aktuelle Konzept geben. Komoß sagt, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Bislang stehen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit seinen 256.000 Einwohnern lediglich die Schwimmhallen am Helene-Weigel-Platz, im Freizeitforum Marzahn und in Kaulsdorf zur Verfügung. Hinzu kommt eine Wasserplantsche an der Max-Hermann-Straße. Das einst sehr beliebte Wernerbad in Mahlsdorf wurde vor zwölf Jahren geschlossen. Pläne, den Elsensee zum Baden freizugeben, wurden seinerzeit verworfen. „Es bleibt also dabei, dass die Bürger in den Schutzzonen des Trinkwasserschutzgebiets des Butzer Sees baden“, stellt Klaus-Jürgen Dahler ernüchternd fest. Der See liegt wie der Habermannsee in Kaulsdorf und wird im Sommer zum Baden genutzt.

Unterdessen dürfen die Marzahn-Hellersdorfer hoffen, im Nachbarbezirk Lichtenberg baden gehen zu können. Sowohl der Berliner Bäder-Chef Ole Bested Hensing als auch Tierpark-Chef Andreas Knieriem sprachen sich jetzt beim ersten Tierpark-Dialog der Berliner SPD-Fraktion für ein solches Vorhaben aus. „Europaweit wäre ein solches Projekt einzigartig“, sagt Hensing, einst Chef des Spaßbades Tropical Island in Brandenburg. Tierpark-Direktor Knieriem hat „kein Problem, dass Schwimmbadbesucher einen famosen Blick auf den Tierpark haben werden“. Stefan Komoß fordert Knieriem und Hensing auf, sich zusammenzusetzen und an einem Konzept zu arbeiten. Ein Tag später ist das schon wieder Geschichte – da wird bekannt, dass Hensing die Bäderbetriebe auf eigenen Wunsch im Sommer verlassen wird.

Die Bündnisgrünen im Bezirk lehnen „aus verschiedenen Gründen“ ein Spaßbad weiter ab, wie Fraktionsmitglied Nickel von Neumann betont. Auch ein Freibad am Elsensee komme nicht in Frage. „Natürlich sind wir für ein Freibad, wenn dafür ein geeigneter Ort gefunden wird.“ Bjoern Tielebein, Chef der Linksfraktion, sagt: „Marzahn-Hellersdorf hat auf Landesebene keine Lobby.“ Für ihn bleibe die Frage: „Was nun?“ Er schlug in der Februarsitzung der Bezirksverordnetenversammlung eine überparteiliche Initiative vor und könnte sich eine Art Arbeitsgruppe zum Thema vorstellen. „Wir müssen wohl oder übel zusammenstehen“, sagt Tielebein in Richtung von CDU, Grüne und SPD. Einzelinitiativen seien an dieser Stelle wenig hilfreich.

Hoffnungen, dass der Wernersee in Mahlsdorf wieder zum Baden freigegeben wird, gibt es indes nicht. „Uns geht es nicht darum, dass Baden dort wieder zu erlauben“, sagt Nickel von Neumann. Seit der Schließung hat sich rund um das Gewässer ein einzigartiges Biotop entwickelt. „Das soll aus unserer Sicht auch erhalten bleiben.“ Dem widerspricht Marzahn-Hellersdorfs Stadtentwicklungsstadtrat Christian Gräff (CDU) nicht. „Der Wernersee bleibt als See erhalten“, sagt er. Das Areal gehört dem Land Berlin. Dort sollen Wohnhäuser für an Demenz erkrankte Menschen entstehen.

veröffentlicht am 25. März 2015

Marzahn-Hellersdorf: Ein eigenes Freibad ist nicht in Sicht