Die Zahl der Wohnungseinbrüche sowie der  Autodiebstähle steigt in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Die Bezirke sind wegen ihrer Nähe zu Osteuropa besonders betroffen. Mit einer speziellen Ermittlungsgruppe steuert die Polizei dagegen – und das durchaus erfolgreich. Von Marcel Gäding

Autodiebstahl in Berlin: Begehrt sind längst nicht mehr Nobelkarossen. Foto: Marcel Gäding
Autodiebstahl in Berlin: Begehrt sind längst nicht mehr Nobelkarossen. Foto: Marcel Gäding

MARZAHN/ LICHTENBERG. Eine Zeit lang hielt sich der kleine Spaß, dass man als Marzahner, Hellersdorfer, Hohenschönhausener oder Lichtenberger fast schon in Polen wohnt. Das sorgte schnell für Gelächter. Doch klar ist: Keine Berliner Region ist näher dran an Polen und Osteuropa wie die östlichen Berliner Bezirke. Das schlägt sich dann auch vor allem beim Autodiebstahl nieder. Wurden in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg im Jahr 2012 insgesamt 896 Autodiebstähle gemeldet, waren es laut dem „Bericht zur Kriminalitätsbelastung in öffentlichen Räumen“ ein Jahr später bereits 1.127 Fahrzeuge. „Viele Fahrzeuge werden auf dem schnellsten Weg über Ausfallstraßen in Richtung Osten weggefahren“, berichtet Kriminalkommissarin Alexandra Nerger, Präventionsbeauftragte der Polizeidirektion 6. „Wir haben es mit einem besonders professionellen Vorgehen zu tun.“

Der Anstieg der Zahl geklauter Autos führte dazu, dass die für Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg zuständige Polizeidirektion 6 eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet hat. Die Ermittler pflegen einen intensiven Kontakt zu den Sicherheitsbehörden in Polen. „Wir können wesentlich schneller reagieren“, sagt Alexandra  Nerger. Der immense Ermittlungsdruck brachte sogar schon erste Erfolge – unter anderem wurden mehrere Männer festgenommen, die zu den Drahtziehern der Autoschieberei gehören. Vergangenes Jahr wurden zwei Täter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Das Vorgehen der Banden ist immer gleich: Sie erhalten den Auftrag, nach Autos bestimmter Marken Ausschau zu halten. Bei Nacht und Nebel schlagen die Täter in der Regel zu. „Betroffen sind Mittelklassewagen, vor allem von Audi, Volkswagen, Skoda und japanische Modelle“, sagt Alexandra Nerger. Hinzu käme ein Interesse an sogenannten Kleinlieferwagen. Die Polizei hat ihre Präsenz verstärkt, wenn auch nicht auf den ersten Blick sichtbar. Viele Beamte sind in zivil unterwegs. „Wer auf einem Parkplatz verdächtige Personen sieht, sollte sich nicht scheuen, sofort die Notrufnummer 110 der Polizei zu wählen“, sagt Alexandra  Nerger. Darüber hinaus sollte man sein Fahrzeug an hellen, beleuchteten Plätzen abstellen und gegebenenfalls mechanisch und elektrisch mit Diebstahlschutz nachrüsten. „Ich sollte versuchen, einem Täter so viel wie möglich entgegenzustellen“, sagt die Polizeibeamtin. Sobald sich eine Tat in die Länge zieht, brechen Täter in der Regel ab. Zu groß ist das Risiko, ertappt zu werden.

Ein großes Problem ist auch der Diebstahl von wertvollen Gegenständen aus Fahrzeugen heraus. Inzwischen benutzen die Täter Funkblocker: Mit ihrer Hilfe verhindern sie, dass ein Autofahrer die Türen seines Fahrzeuges mit der Fernbedienung verschließt. Viele wähnen sich nach dem Druck auf die Türverriegelung in Sicherheit. „In Wirklichkeit ist das Auto aber nicht abgeschlossen“, berichtet Alexandra  Nerger. Laptops, Handy oder Geldbörsen auf Rückbank oder Beifahrersitz wecken genauso das Interesse wie Einkaufstüten oder Taschen, in denen die Täter wertvolles Gut vermuten. „Daher solle man nie Wertsachen im Auto lassen, auch nicht im Kofferraum“, erklärt die Präventionsbeauftragte. Häufig beobachteten die Täter zunächst aus sicherer Entfernung, ob Taschen in den Kofferraum gepackt werden.

Erfreulich ist hingegen, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche im Einzugsgebiet der Direktion 6 abgenommen hat. 2012 weist die Statistik noch 1.089 Fälle aus, 2013 waren es 928. Vor allem Marzahn-Hellersdorf bildet mit der größten zusammenhängenden Eigenheimsiedlung Europas ein beliebtes Ziel für Einbrecher. Bereits ein angekipptes Fenster bedeutet eine Gefahr, weiß die Präventionsbeauftragte. Die Täter kämen häufig tagsüber. Beliebt ist der Einstieg über die Terrasse oder den Balkon. Eine gut funktionierende Nachtbarschaft gehöre zur Prävention. Auch sollte man den Notruf der Polizei wählen, wenn sich Personen verdächtig lange vor und um Grundstücken herum aufhalten. Häufig konnten alarmierte Polizeibeamte anschließend Täter dingfest machen.

veröffentlicht am 24. März 2015

Autodiebstahl in Ostberlin: Auf dem schnellsten Weg nach Polen
Markiert in: