Uwe Lehmann kickte unter anderem beim Köpenicker SC, bei den Reinickendorfer Füchsen, beim BFC Dynamo und bei Hertha BSC. Der junge Trainer spielte einst selbst für Lichtenberg 47. Seit anderthalb Jahren ist er der Trainer der Fußballmannschaft. Von Benedikt Paetzholdt.

Uwe Lehmann, Trainer von Lichtenberg 47. Foto: Paetzholdt
Uwe Lehmann, Trainer von Lichtenberg 47. Foto: Paetzholdt

LICHTENBERG. Der Tabellenstand des SV Lichtenberg 47 zur Halbzeit der Saison 2014/2015 lässt Platz für Interpretationen. 22 Punkte und der achte Platz bedeuten schon einen relativ großen Rückstand zum Tabellenführer FSV Luckenwalde mit 34 Zählern. Nachdem man die vergangene Saison als Dritter abgeschlossen hatte, könnten beim einen oder anderen eingefleischten Anhänger womöglich schon leichte Aufstiegsambitionen gereift sein. Trainer Uwe Lehmann sagt: „Träumen kann man immer, aber wir stehen hier für nachhaltige Arbeit. Ein solcher Schritt ist auch immer eine Geldfrage.“

Lehmann und die anderen Verantwortlichen im Verein ziehen deshalb eine andere Halbzeit-Bilanz. „Nach unten ist viel Platz“, sagt der 32-Jahre alte Übungsleiter. „Bei unserem Verletzungspech ist das nicht selbstverständlich.“ Vier Stammspieler waren nicht einsatzbereit. „Das kann schon mal kriegsentscheidend sein“, sagt Lehmann. Dass der Verein in seinem dritten Oberliga-Jahr ohne größere Abstiegssorgen aufspielen kann, gilt als großer Erfolg und Zeugnis für ein gesundes Mannschaftsgefüge. Dass die Mannschaft vor wenigen Wochen den Regio-Cup in der Max-Schmeling-Halle gewinnen konnte, ist ein weiterer Beleg dafür. Und auch im Berliner Pokal mischt die Mannschaft noch mit. „Vielleicht schaffen wir es wie 2013 ja wieder ins Finale“, frohlockt Geschäftsführer Henry Berthy. Es zeigt sich somit immer mehr, dass Trainer Lehmann der richtige Mann für diesen Posten ist. Nachdem Aufstiegstrainer Daniel Volbert im Sommer 2013 seinen Job bei den Lichtenbergern wegen seines Hauptberufs nicht länger ausüben konnte, einigte man sich mit Lehmann. Zum damaligen Zeitpunkt allerdings war der noch Spieler – mit einem laufenden Vertrag. Lehmann sagt: „Normalerweise hätte ich noch ein bisschen weitergespielt, aber dann kam eben diese Anfrage vom Verein.“ In der fünfthöchsten deutschen Spielklasse zu debütieren, war durchaus eine Herausforderung. Berthy sagt: „Von der Art und Weise, wie er als Spieler aufgetreten ist, waren wir aber überzeugt, dass er das packen kann.“

Die Verantwortlichen sollten mit ihrem Instinkt Recht behalten. Bei der Wahl zum Trainer des Jahres, die das Berliner Fachblatt Fußballwoche jährlich durchführt, landete er nach der erste Saison mit minimalem Rückstand auf Rang zwei aller Berliner Trainer. Dass er als Kapitän die Mannschaft zuvor angeführt hatte, könnte sich als großer Vorteil für die Lichtenberger erweisen. „Ich glaube, dass ich deshalb ein ganz gutes Gespür für die Mannschaft habe.“

Dass er plötzlich ehemalige Mannschaftskollegen anleiten muss, hat sich nie als Problem herausgestellt. „Wir haben hier einen sehr offenen Umgang miteinander“, sagt Lehmann. Groß war die Umstellung für den Personaldisponenten vor allem selbst. Der Arbeitsumfang sollte sich schlagartig erhöhen. „Als Spieler trainierst du und gehst dann heim“, sagt Lehmann. „Als Trainer beschäftigst du dich praktisch immer mit der Mannschaft.“

Um sich in dem auch schon im Amateur-Bereich harten Fußballgeschäft durchzusetzen, pflegt Lehmann einen engen Kontakt zu anderen Trainern. Er sagt: „In Berlin kennt man sich.“ Auch weil er im Stadtgebiet schon ordentlich rumgekommen ist. Lehmann kickte unter anderem beim Köpenicker SC, bei den Reinickendorfer Füchsen, beim BFC Dynamo und bei Hertha BSC. Verschiedene Stile und Mentalitäten haben auf den damaligen Spieler eingewirkt. Von diesen Erfahrungen profitieren er selbst und die Mannschaft gleichermaßen.

Das Hauptaugenmerk der Lichtenberg liegt darin junge Fußballer zu entwickeln und zu formen. „Im besten Fall mögen sich die Leute, die hier zusammenspielen“, sagt Lehmann. Um den Zusammenhalt zu betonen, hat der Klub ein großes Mannschaftsfoto anbringen lassen. In großen Buchstaben ist darauf zu lesen: „Weil wir eine geile Truppe sind.“ Aufgrund seiner Erfahrungen im Fußballgeschäft weiß der Trainer: „Eine Söldner-Mentalität kannst du nicht gebrauchen.“

Lichtenberg 47 versucht die Arbeitskräfte mit seinen eigenen Reizen an sich zu binden. Zwei Physiotherapeuten kümmern sich regelmäßig um das Wohl der Spieler. „Damit kann man den Verein schon schmackhaft machen“, weiß Lehmann. Das Hans-Zoschke-Stadion im Schatten der ehemaligen Stasi-Zentrale ist für Amateurbedingungen ein wahres Schmuckkästchen. Lehmann sieht sich aber auch selbst in der Pflicht die Spieler bei Laune zu halten. „Du brauchst hier nicht mit 17-Kilometer-Waldläufen zu kommen. Die Jungs müssen Spaß haben hierher zu kommen“, sagt er. Dass sie das haben, zeigen sie oft genug. Auch wenn es in der Rückrunde natürlich weniger Raum für Interpretationen geben soll.

Lichtenberg 47: Fußballtrainer mit Stallgeruch