Zu DDR-Zeiten galt das Lichtspielhaus Sojus als erste Adresse am Platz. 2007 lief der letzte Film. Seither steht das Kino am Helene-Weigel-Platz in Marzahn leer. Obwohl es einem privaten Eigentümer gehört, plant der Bezirk jetzt eine Vision. Ausgang offen. Von Marcel Gäding.

Die Sterne stehen derzeit nicht gut für das Kino Sojus in Marzahn. Foto: Gäding
Die Sterne stehen derzeit nicht gut für das Kino Sojus in Marzahn. Foto: Gäding

MARZAHN. Tauben haben das Sojus für sich entdeckt. Gleich an mehreren Stellen sind die Scheiben des einstigen Kinos zerborsten. Im Inneren ist es kalt, aber trocken. Ein perfekter Nistplatz in dem einst so beliebten Kino. Das steht seit 2007 wie ein Mahnmal am östlichen Helene-Weigel-Platz. Damals lief dort die letzte Vorstellung. „Ich bin da sehr gerne hingegangen“, sagt Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD). Wie er trauern wohl alle Anwohner dem Kino nach. Jetzt hat sich auch ein parteiübergreifendes Bündnis gegründet, dass das Kino vor dem Abriss retten will. Ende Januar beschlossen die Bezirksverordneten von CDU, SPD, DIE LINKE, Grüne und Piraten einen Antrag, wonach eine mögliche kulturelle Nutzung des von Wolf-Dieter Eisentraut entworfenen Filmpalasts.

Damit liegt der Ball nun bei Kulturstadträtin Juliane Witt (DIE LINKE). Sie soll eine Art runden Tisch ins Leben rufen und Interessenten ausmachen, die das Haus am östlichen Helene-Weigel-Platz kulturell bespielen können. Einen ersten Termin gab es bereits mit bezirksbekannten Akteuren im alten Marzahner Rathaus, zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Bjoern Tielebein, Chef der Linksfraktion, freut sich über das plötzliche Interesse am Kino Sojus. Noch im Oktober letzten Jahres hatte seine Fraktion einen Antrag eingebracht, der im Kern auch eine mögliche Nutzung des Kinos für die Bezirksverordnetenversammlung vorsah. Damals schmetterten die übrigen Fraktionen in der BVV das Ansinnen ab. „Wichtig ist jetzt, dass wir nicht einfach den Abriss als einzige Lösung akzeptieren“, sagt Tielebein. Geplant sei, eine Diskussion anzustoßen, was seiner Fraktion auch gelungen sei. Bestätigt an dem großen öffentlichen Interesse sieht sich Tielebein auch, nachdem DIE LINKE im Januar eine gut besuchte Podiumsdiskussion organisierte. Die Kulturstadträtin plane nun Anfang März eine Ideenwerkstatt.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Das Gebäude des Kino Sojus befindet sich in privatem Eigentum. Mehrfach musste der Bezirk bereits die Immobilie vor Vandalismus schützen und auf Kosten der Staatskasse Fenster und Türen sichern. Das Geld hat die Verwaltung bis heute nicht zurück. Wie es scheint, ist der jetzige Eigentümer untergetaucht. „Wenn er dort nichts unternimmt, ist dies ärgerlich und lästig“, sagt Bezirksbürgermeister Stefan Komoß. Er begrüße den Beschluss der Bezirksverordneten und findet den jetzt eingeschlagenen Weg gut.

Linktipp: Die Linksfraktion von Marzahn-Hellersdorf hat zum Sojus eine interessante Themenseite erstellt. Sie finden Sie hier

veröffentlicht am 14. März 2015

Kino Sojus in Marzahn: Abriss oder Sanierung?