Ginge es nach dem Senat, soll Berlin in 2024 oder 2028 Olympische Spiele ausrichten. Das ist keine gute Idee, so finde ich. Und das hat ganz konkrete Gründe. Ich meine, dass der Senat gegenwärtig sehr viel anderes zu tun hat – vom BER, über ICC, Staatsoper, Steglitzer Kreisel, Schulsanierungen, Bäderkonzept, Sportanlagensanierung BND-Zentrale…. Dass er das mit einer überlasteten, unterbesetzten Verwaltung nicht schafft, ist offensichtlich. Der Senat sollte also zunächst erst einmal Hausaufgaben machen, ehe er sich anderen, neuen Herausforderungen zuwendet.

Dr. Gabriele Hiller, DIE LINKE. Foto: DIE LINKE
Dr. Gabriele Hiller, DIE LINKE. Foto: DIE LINKE

Die SPD-CDU-Koalition hat schon einmal OS in den Sand gesetzt, 1993. Seitdem sind u.a. der Bankenskandal und Verkauf der Wasserbetriebe gewesen. Hat man daraus nichts gelernt? In Ermanglung gegenwärtiger Erfolge in der Arbeit stürzt sich der Senat schon wieder in ein Finanzierungsabenteuer. Ich finde, das muss verhindert werden! In der Politik gibt es große Einigkeit, Themen wie die Schaffung barrierefreier Sportanlagen und Verkehrsmittel anzugehen. Das geht auch ohne olympisches Beiwerk!

Die Finanzierung der Spiele ist noch nicht zu Ende geplant. Sicher aber ist, dass vieles teurer wird. Dieses Abenteuer werden die Berliner*innen tragen müssen: olympiataugliche Sportanlagen, die danach wenig genutzt werden, teure Sicherheitsmaßnahmen, Baumaßnahmen, die sich an den Spielen, nicht den Bürgern orientieren. Eine arme, hoch verschuldete Stadt wie Berlin sollte ein solches Risiko nicht eingehen!

Statt in teuren Leistungssport und Beton zu investieren, sollte der Sport für Kinder, für Menschen mit Behinderungen, für Senioren attraktiver gemacht werden. Kostet eine Großsporthalle ca. 120 Mio. EU, so liegen die Kosten für eine Schulsporthalle bei ca. 6 Mio EU. Die Nachfolgekosten verhalten sich ähnlich zueinander. Der Senat sollte Prioritäten bei den Schwächsten der Gesellschaft setzen!

Für Lichtenberg würde sicher eine Neugestaltung des Sportforums in Hohenschönhausen anstehen. Ob aber zwei neue Großsporthallen (eine weitere ist temporär geplant) die Lebensqualität der Anwohner*innen verbessern werden, ist fraglich. Die Fußballerinnen des hoch engagierten Lichtenberger FFC 09, die gleich daneben auf einem schlimmen Schotterplatz trainieren, hätten jedenfalls durch Olympia keine Verbesserung.

In Marzahn-Hellersdorf sollen nach dem Wunsch des Bezirksbürgermeisters eine BMX-Anlage in den Ahrendsfelder Bergen (eingezäunt? Mit Ticketing?) und zwei Sportplätze entstehen. Nett. Ein Freibad für die über 250 000 Einwohner*innen aber soll es nach bisherigen Planungen bis 2025 nicht geben – ein unhaltbarere Zustand, wie ich finde. Der Bezirk hat darüber hinaus seine Platzwarte von 30 auf vier (!) reduziert. Das hat negative Folgen für den Sport und wird auch durch Olympische Spiele nicht wettgemacht. Ein Sportfunktionsgebäude, auf das die Fußballer in der Lichtenhainer Straße seit 2005 warten, wird es dadurch auch nicht geben.

Es gibt viel zu tun in unseren Bezirken, auch ohne Olympia. Streichen wir diesen „Sommertraum“, der schnell zum Albtraum werden kann. Gehen wir wieder an die Arbeit, damit das, was j e t z t möglich ist und gelöst werden muss, getan wird!

Gabriele Hiller, sportpolitische Sprecherin Fraktion DIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Olympische Spiele 2024/28 in Berlin? Eine Absage.
Markiert in: