Notstand in „Loras Laube“: Derzeit warten im Tierheim Berlin in Falkenberg ungewöhnlich viele Piepmätze auf eine Vermittlung. Der Tierschutzverein für Berlin sucht für sie ein neues Zuhause. Von Steffi Bey.

Tierpflegerin Manja Stumpf nimmt sich trotz der Fülle im Tierheim Berlin Zeit für die Schützlinge. Foto: Marcel Gäding
Tierpflegerin Manja Stumpf nimmt sich trotz der Fülle im Tierheim Berlin Zeit für die Schützlinge. Foto: Marcel Gäding

FALKENBERG. Der Lautstärkepegel erinnert an aufgescheuchte und erschrockene Kinder, vielleicht auch ein bisschen an ungezwungene Freudenschreie. Für ein Vogelhaus sind solche Geräusche eigentlich  normal. Ungewöhnlich ist, dass in diesen Wochen so viele Tiere in den Volieren des Tierheims am Hausvaterweg leben und eben auch mehr Krach machen.

Seit Oktober sind die großen Käfige rappelvoll. „So schlimm war es noch nie“, sagt Tierheimsprecherin Beate Kaminski. Über die Ursachen, warum in den zurückliegenden Monaten besonders viele Vögel abgegeben oder auch als Fundtiere eingeliefert wurden, kann sie nur spekulieren. „Oft sind die bisherigen Halter überfordert, weil sie die Pflege unterschätzten“, vermutet die Sprecherin. Manche hätten wahrscheinlich auch das Interesse verloren oder merken, dass die Voraussetzungen in der Wohnung einfach nicht genügen.

„Vögel sind anspruchsvoll, die brauchen Platz und  eine gute Portion Sachkunde“, betont ebenso Tierpflegerin Manja Stumpf. Dazu gehören unter anderem Wissen über das richtige Futter, den Bedarf an Artgenossen sowie Möglichkeiten zum Freiflug. Das Team von „Loras Laube“ nimmt sich bei Bedarf jedenfalls viel Zeit, um Interessenten über die artgerechte Haltung der großen und kleinen Piepmätze zu informieren.

Rund 170 Vögel sind jetzt in den Volieren untergebracht: darunter ungefähr 40 Nymphensittiche. „Normalerweise beherbergen wir etwa 15 dieser Art“, berichtet Manja Stumpf. Und sie betont: „Die Kapazitäten sind ausgeschöpft, noch mehr davon können wir nicht aufnehmen.“ Acht Wellensittiche, sechs Rosenköpfchen, sieben Zebrafinken sowie, Amazonen, Kakadus und Alexandersittiche warten unter anderem auf neue Besitzer.

„Viele Berliner wissen nicht, dass sie bei uns solche Tiere erwerben können“, sagt Beate Kaminski. Stattdessen würden viele Menschen „auf  Märkten oder sogar über das Internet Vögel kaufen“, kritisiert die Sprecherin. Doch sie betont, dass trotz Platzmangel nicht um jeden Preis neue Besitzer gesucht werden. Die Pfleger schauen sich die Interessenten genau an: führen ausführliche Gespräche und entscheiden anschließend über eine Weggabe.

Besonders schwierig ist es, große Tiere, wie Papageien, zu vermitteln. Denn die brauchen nicht nur viel Raum – am besten innen und außen – sondern einen Halter, der Erfahrungen auf diesem Gebiet vorweisen kann.

Etliche Vögel verbringen schon viele Jahre im Tierheim. Ältester Voliere-Bewohner ist Graupapagei Coco. Er zog bereits 2009 auf das Gelände in Falkenberg. Coco und  einige Artgenossinnen waren bislang vergeblich auf Partnersuche. Es gibt zwar am Hausvaterweg eine Verpaarungsvoliere – eine Art Singlebörse für Piepmätze – doch es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis sich Papageien verlieben. „Wer ein Einzeltier zu Hause hat, kann es zeitweise bei uns abgeben, damit es sich verliebt“, erklärt Beate Kaminski. Im Idealfall nehme der Halter dann ein glückliches und geselliges Paar mit heim. Nachwuchs sei allerdings ausgeschlossen, weil mit Tierheim-Tieren keine Zucht erfolgen darf.

Doch nicht nur der Notstand im Vogelhaus bereitet dem Tierheim Probleme. Wie so oft sind auch die Hunde- und Katzenunterkünfte sehr voll. Um noch mehr Menschen zu animieren, sich einem Tier anzunehmen oder vielleicht eine Patenschaft zu übernehmen, betreibt die Einrichtung eine rege Öffentlichkeitsarbeit. So finden beispielsweise jeden zweiten Sonnabend im Monat, kostenlose Führungen statt. Außerdem gab es 2014 erstmals einen „Tag des Hundes“ und einen „Tag der Katze“.

Um dem Tier-Ansturm gerecht zu werden, wird dieses Jahr auch ins Vogelhaus investiert. Geplant ist ein Ausbau der Käfige. Außerdem soll es eine neue Taubenvoliere für verletzte Jungtiere geben. „Jungtauben werden immer mal wieder zu uns gebracht“, sagt Beate Kaminski. Die können sich dann in den Unterkünften erholen und wieder flugfähig werden.

veröffentlicht am 20. Februar 2015

Übervolles Tierheim: Im Vogelhaus wird es eng
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