Der Bahnhof Hohenschönhausen ist für viele Menschen im Norden der Anschluss an die Innenstadt. Bis heute ist er ein Haltepunkt mit vielen Makeln. Er erinnert eher an einen Bahnhof in der uckermärkischen Pampa. Von Marcel Gäding.

Zugig, im wahrsten Sinne des Wortes: der Bahnhof Hohenschönhausen. Foto: Marcel Gäding
Zugig, im wahrsten Sinne des Wortes: der Bahnhof Hohenschönhausen. Foto: Marcel Gäding

HOHENSCHÖNHAUSEN. Ist der Zug gerade weg, hilft nur das Warten in einer Art Bushaltestelle. Das überdachte Häuschen hat zwar moderne Stahlsitze. Doch an diesen Tagen weht auch hier kühle Luft durch jede Ritze. Einen beheizten Warteraum gibt es nicht. Und wer einen wärmenden Kaffee oder Tee trinken will, muss mit dem Aufzug auf die andere Seite zum S-Bahnsteig. Der Bahnhof Hohenschönhausen ist zwar vor einigen Jahren von Grund auf saniert worden. Doch die Station im Norden des Bezirks ist ein Haltepunkt, der wahrlich kein Aushängeschild darstellt. Es gibt weder einen hübsch gestalteten Bahnhofsvorplatz, noch Annehmlichkeiten eines Bahnhofs wie in Frankfurt an der Oder mit seinen 60.000 Einwohnern. So viele Menschen leben auch im Einzugsgebiet des Bahnhofs Hohenschönhausen.

Elke Schuster engagiert sich seit 1998 in der Bürgerinitiative Berliner Luft. Seither kämpfen sie und ihre Mitstreiter dafür, dass der Bahnhof Hohenschönhausen und die Gegend um die Station städtebaulich entwickelt werden. Alle Hoffnungen, dass aus dem einst als Haltepunkt geplanten Bahnhof im Zuge von Sanierungsarbeiten mal das attraktive Zentrum von Hohenschönhausen wird, zerschlugen sich 2011, als der letzte Bauarbeiter sein Werk verrichtet hatte. Zwar bekam die Station an der Falkenberger Chaussee neue Schilder, neue Aufzüge, Papierkörbe und Sitzbänke. Das war es aber auch. Wer beispielsweise auf den Bahnsteig Richtung Lichtenberg will, muss den Aufzug nehmen oder gelangt über die unwirtliche Wartenberger Straße zum Zug. Gerade abends ist man gut beraten, zügig mit dem Aufzug Richtung Bus- und Straßenbahnhaltestelle zu laufen.

Gut 17 Jahre währt nun schon das Engagement der Bürgerinitiative Berliner Luft, die mal gegründet wurde für ein lebensfreundliches Umfeld. Eines der Ziele ist es, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen sowie den Fuß- und Radverkehr zu fördern. Der Bahnhof Hohenschönhausen böte hierzu die besten Voraussetzungen. Auf einem Bahnsteig fahren die S-Bahnen Richtung Spandau und Wartenberg. Gleich daneben halten Regionalzüge nach Lichtenberg, Oranienburg, Eberswalde und Templin. Doch bislang geht das Konzept, Autofahrer für Bahn und Fahrrad zu gewinnen, nicht auf. Die erst vor wenigen Jahren installlierten Fahrradständer sind verwaist. Und auch in der Woche ist auf dem Park and Ride-Parkplatz nahe dem Bahnhof noch viel Platz. Anreize, auf die schnellen Verbindungen mit der Bahn umzusteigen, gibt es wenige. Dabei braucht die Regionalbahn bis Lichtenberg gerade einmal sieben Minuten. In unter einer halben Stunde ist man in Eberswalde. „Das Auto ist nicht das, was in der Stadt benötigt wird, um mobil zu sein“, sagt Elke Schuster.

Mit viel Geduld engagiert sich die Bürgerinitiative Berliner Luft seit ihrer Gründung dafür, dass der Bahnhof und sein Umfeld städtebaulich entwickelt werden. „Es ist aber nicht viel passiert“, fasst Elke Schuster zusammen. Als der Bahnhof Hohenschönhausen vor drei Monaten 30 Jahre alt wurde, erlaubte sie sich, (mal) wieder unter anderem bei Ausschüssen, dem Bezirksamt und der Bahn vorstellig zu werden. Ihre Vision: Der Bahnhof bildet das attraktive Zentrum von Hohenschönhausen. „Der Bahnhof kann Impulsgeber für die Stadtentwicklung sein“, sagt Elke Schuster. Sie wünscht sich nicht nur, dass die Umsteigemöglichkeiten von Bus und Straßenbahn auf S-Bahn und Regionalbahn verbessert werden. Sie würde vor Ort auch gerne eine Mobilitätsberatung einrichten. Dort können Fahrkarten verkauft und Bahnkunden beraten werden, wie sie ohne Auto unkompliziert, am schnellsten und günstigsten von A nach B kommen. All das würde auch dazu beitragen, den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid zu reduziere. Doch das vom Bezirksamt Lichtenberg in Auftrag gegebene Klimaschutzkonzept beachte den Bahnhof Hohenschönhausen mit seinen Potenzialen nicht, kritisiert Elke Schuster. Ärgerlich findet sie auch, dass man rund um den Bahnhof Lichtenberg einst 1,8 Millionen Euro investierte, um die Umgebung aufzuhübschen und Hohenschönhausen bislang bei solchen Aktionen leer ausging. Sie sagt, dass alle schönen Pläne für den Bahnhof Hohenschönhausen nach der Bezirksfusion in Vergessenheit gerieten.

Unterstützung bekommt Elke Schuster von Henning Fahrenberg, dem stadtentwicklungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. „Der Bahnhof ist unattraktiv und wird von der Deutschen Bahn stiefmütterlich behandelt“, moniert der Kommunalpolitiker aus Hohenschönhausen. Ziel soll es sein, die verschiedenen Verkehrsmittel miteinander zu vernetzen. „Ferner muss es gelingen, die Aufenhaltsqualität zu verbessern.“

veröffentlicht am 18. Februar 2015

Bahnhof Hohenschönhausen: Kein Aushängeschild