Der Verein „Frau und Familie“ betreibt seit 1992 eine Schwangerschaftsberatung. An die Experten wenden sich Menschen, für die eine Schwangerschaft ein Problem darstellt. Von Marcel Gäding.

Daniela Horsch von der Schwangerschaftsberatung Balance. Foto: Marcel Gäding
Daniela Horsch von der Schwangerschaftsberatung Balance. Foto: Marcel Gäding

LICHTENBERG. Die Box mit den Papiertaschentüchern fällt sofort ins Auge. Sie steht im Wartebereich der Schwangerschaftsberatung Balance. Wer in den hellen Räumen an der Mauritiuskirchstraße einen Termin hat, ist häufig den Tränen nah. Zumindest spielt oft Verzweiflung eine Rolle. Denn während sich viele Menschen über bevorstehenden Nachwuchs freuen, bedeutet für die hier wartenden Klienten eine Schwangerschaft oftmals ein Desaster. Mal sind es junge Frauen im Teeniealter, mal Frauen, deren Partner kein Kind wollen. „Unsere Schwangerschaftsberatung geht in alle Richtungen“, sagt Daniela Horsch, Sozialarbeiterin und Familientherapeutin.

In den Beratungsräumen der Schwangerschaftsberatung Balance herrscht jeden Tag reges Treiben, das mit einer Zahl eindrucksvoll belegt werden kann. Im Jahr 2013 bot der Trägerverein „Frau und Familie“ 2.685 Beratungen an, darunter waren 1.350 sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatungen. Dahinter verbergen sich Schicksale von Frauen oder Paaren, die sich gegen die Geburt eines Kindes entschieden haben. In solchen Fällen sieht der Gesetzgeber auf der Grundlage des Strafgesetzbuches eine Pflichtberatung vor. „Dabei geben wir den Frauen keine Tipps für oder gegen ein Kind“, stellt Daniela Horsch klar. Niemand könne dazu raten, was am Ende die beste Entscheidung ist. Vielmehr helfen die Berater dabei, sich klar zu machen, was es bedeutet, ein Kind zu bekommen. Auch spielen die Lebensumstände der werdenden Eltern eine Rolle, darunter finanzielle Aspekte. „Meist haben unsere Klienten ihre Entscheidung aber bereits getroffen“, sagt Daniela Horsch. Fragen wie die, was sich die Frauen und jungen Familien zutrauen, müssen ebenso berücksichtigt werden wie die danach, ob man schon soweit ist, Kinder zu bekommen. Die Familienhelferin erinnert sich an ganz unterschiedliche Fälle. So beriet sie mal ein 14-jähriges Mädchen, das von einem 18-Jährigen ein Kind erwartete und sich nach der Beratung auch für das Kind entschied.

Nicht immer geht es bei den Schwangerschaftsberatungen nur um das Thema Abbruch. Die Anliegen der Klienten sind viel weiter gestreut. So interessiert es junge Paare, welche Behörden und Anlaufstellen ihnen helfen, wie das mit dem Eltern- und Kindergeld ist und ob man als Bezieher von Transferleistungen auch Anspruch auf eine größere Wohnung hat. Hier und da beschäftigen sich die Experten auch mit Facetten wie Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtsaspekte. Beraten wird zudem in Fragen der Verhütung oder bei einem Kinderwunsch. „Immer steht dabei die Sexualität im Mittelpunkt“, sagt Daniela Horsch. 

Zahlenmäßig hat sich für das fünfköpfige Beraterteam nichts geändert in den vergangenen Jahren. Doch Daniela Horsch beobachtet, dass die sozialen Probleme zunehmen. Oft wenden sich auch von Wohnungslosigkeit betroffene Frauen an die Schwangerschaftsberatung. Zunehmend sei auch die Zahl der Alleinerziehenden, die Hilfe benötigten.

veröffentlicht am 17. Februar 2015

Schwangerschaft: Wenn der Nachwuchs zum Problem wird