Das Berliner Recyclingunternehmen Alba sortiert am Hultschiner Damm Berge von Verpackungsmüll. Der Aufwand lohnt sich: Die Rohstoffe dienen als Basis für Autoteile oder Wäschekörbe. Für die Grünen ist die Anlage ein Vorzeigeprojekt. Von Marcel Gäding.

Nicht nur Maschinen, auch Menschen sortieren den Abfall. Fotos: Marcel Gäding
Nicht nur Maschinen, auch Menschen sortieren den Abfall. Fotos: Marcel Gäding

MAHLSDORF. Müll, wohin das Auge schaut. Alles fein in große Pakete gebündelt. Was hier auf dem Hof der Alba Recycling GmbH aufgestaptelt ist, soll in den nächsten Tagen abgeholt werden. Die weiteste Reise der Müllpakete geht nach China, wo der säuberlich nach Rohstoffen getrennte Berliner und Brandenburger Verpackungsmüll zu neuem Leben erweckt wird. Neben Unterbodenwannen für Autos entstehen aus den alten Joghurtbechern oder Weichspülerflaschen auch Wäschekörbe, Obstschüsseln, Werkzeugkästen, Kinderspielzeug oder Stadionsitze.

Bereits zu DDR-Zeiten war das Areal am Hultschiner Damm Müllsortieranlage. Das VEB Kombinat Sekundär-Rohstofferfassung (SERO) nutzte die weiträumige Fläche, um Altglas, Altpapier und Textilien zu trennen. Die aufbereiteten Rohstoffe gelangten wieder in den Kreislauf. Aus ihnen wurden neue Marmeladen- und Gurkengläser oder Zeitungspapier produziert. Nach der Wende übernahm die Alba-Tochter Abfallwirtschaftsunion (AWU) den Betrieb. 2005 entstand in Mahlsdorf die modernste Recyclinganlage Europas. Heute beschäftigt das Unternehmen am Standort 100 Mitarbeiter, hinzukommen Angestellte einer Papieranlage und anderer Firmen.

Gearbeitet wird in der Recyclinganlage im Drei-Schicht-Betrieb. Denn Müll fällt reichlich an. Täglich landet in Mahlsdorf der Inhalt aus den gelben Säcken und gelben Tonnen von sieben Millionen Einwohnern aus der Region Berlin und Brandenburg. Müllfahrzeuge bringen mehrmals in der Stunde den Verpackungsmüll an den Hultschiner Damm, der zunächst in einer großen Halle abgeladen wird. Ein Bagger schaufelt den Berg dann auf Förderbänder. Die ziehen sich durch das große Gebäude, in dem sich ein Konstrukt aus Eisentreppen, Siebtrommeln und Transportbändern befindet. Nach und nach wird die Spreu vom Weizen getrennt. Dabei kommt auch moderne Technik zum Einsatz, die erkennt, welche Verpackung aus welchem Rohstoff besteht: Magnete greifen sich metallhaltige Verpackungen aus Weißblech, während Infrarotsensoren in der Lage sind zu erkennen, welches Material aus Polyethylen, Polypropylen oder Polystyrol ist. Großstückige Verpackungen wie Plastikfolien oder Einkaufstüten sortieren Alba-Mitarbeiter per Hand aus.

Unterm Strich werden durch die Anlage Verpackungsreste nach 22 Rohstoffarten getrennt. 94 Prozent der einstigen mit dem grünen Punkt gekennzeichneten Verpackungen gelangen so in entsprechende Bunker. Von dort wird der sortenreine Müll zu Bündeln gepresst und zur weiteren Verarbeitung auf Lkw verladen. In Eisenhüttenstadt entsteht daraus Kunststoffgranulat, das wiederum für die Herstellung neuer Gebrauchsprodukte verwendet wird. 140.000 Tonnen Verpackungsmüll werden jedes Jahr in Mahlsdorf sortiert und auf diese Weise wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt. Die Menge entspricht der Fracht von 54.215 Müllwagen im Jahr.

Peter Meiwald, Mitglied des Deutschen Bundestages (Grüne), engagiert sich für ein neues Wertstoffgesetz. Foto: Marcel Gäding
Peter Meiwald, Mitglied des Deutschen Bundestages (Grüne), engagiert sich für ein neues Wertstoffgesetz. Foto: Marcel Gäding

„Deutschland und Berlin hat mit einer vergleichsweisen hohen Recyclingquote von 47 Prozent des kommunalen Abfalls eine im EU-Vergleich hohe Recyclingquote“, haben die Mitglieder von Bündnis 90/ Die Grünen herausgefunden. Heißt im Klartext: Ein Großteil des Mülls landet weiter in Verbrennungsanlagen. Auf Bundesebene erarbeiten sie derzeit einen Entwurf für ein neues Wertstoffgesetz. „611 Kilogramm Abfall fallen bei uns pro Kopf an – damit zählt die Bundesrepublik zu den traurigen Spitzenreitern in der EU.“ Die Grünen fordern, das Recycling von Rohstoffen in die Verantwortung der Kommunen zu verlagern. „Wir wollen, dass das System der Sammlung und Verwertung von Abfällen grundlegend geändert wird“, sagt der grüne Bundestagsabgeordnete Peter Meiwald, der sich Ende Januar die Alba-Anlage in Mahlsdorf anschaute. „In Zukunft sollen alle Wertstoffe gemeinsam gesammelt und ihre Materialien weiter verwendet werden“, erklärt das Mitglied des Umweltausschusses im Bundestag. Ziel sei es, die ökologischen Vorteile zu optimieren, die ökonomische Leitungsfähigkeit zu erhalten und die Transparenz zu erhöhen. Das Fazit der Grünen in Marzahn-Hellersdorf: „Die Alba-Anlage in Mahlsdorf zeigt bereits, wie es praktisch gehen kann.“

 Alba-Sortieranlage Mahlsdorf – so wird sortiert:

Ein Porträt über die Anlage ist im Internet zu sehen: http://bit.ly/1DBy0Vk

veröffentlicht am 15. Februar 2015

Mahlsdorf: Wo der Hauptstadtmüll sortiert wird